Kino mit Corona

Constantin-Chef: Unter diesen Auflagen werden viele Kinos Pleite gehen

ARCHIV - 15.03.2020, Bayern, Kaufbeuren: Menschenleer ist das Foyer des Kinos Corona KinoPlex. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur berichtet der Chef der Produktionsfirma Constantin Film in München von Risiken und Chancen seiner Branche, die allmählich aus der Corona-Starre erwacht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Ab Montag dürfen die bayerischen Kinos wieder in den Betrieb starten. Doch nicht einmal jeder dritte Kinosessel ist besetzt. So werden Kinos nicht überleben können, sagt der Constantin-Chef Moszkowicz.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Ab Montag dürfen die bayerischen Kinos wieder in den Betrieb starten. Doch nicht einmal jeder dritte Kinosessel ist besetzt. So werden Kinos nicht überleben können, sagt der Constantin-Chef Moszkowicz.

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Endlich wieder Kino. Ab Montag öffnen die Filmtheater auch in Bayern. Das freut Constantin-Chef Moszkowicz. Warum die Filmbranche trotzdem Hilfe braucht.

dpa
10.06.2020 | Stand: 09:26 Uhr

Der neue "James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben", die Realverfilmung der Zeichentrickklassikers "Mulan" oder der Pferdefilm "Ostwind - Der große Orkan" - drei Filme, die in den vergangenen Wochen viele Zuschauer in die Kinos gelockt hätten. Doch wegen Corona waren die Filmtheater geschlossen. Jetzt geht es langsam wieder los, mit Sälen, die oft nicht mal halbvoll sind. Und mit einer sehr übersichtlichen Filmauswahl. Wie soll das weitergehen? Darüber macht sich auch Martin Moszkowicz Gedanken, Chef der Produktionsfirma Constantin Film in München. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur berichtet der 62-Jährige von Risiken und Chancen seiner Branche, die allmählich aus der Corona-Starre erwacht.

Wochenlang waren die Kinos in Deutschland geschlossen, die Menschen vergnügten sich zu Hause mit diversen Streaming-Anbietern. Und Filme, die eigentlich fürs Kino gedacht waren, liefen plötzlich bei Netflix & Co.. Geben Sie dem Kino noch eine Chance?

Martin Moszkowicz: Ich glaube hundertprozentig, dass die Menschen Kino gerne erleben wollen. Das Kino hat eine ganz besondere Position unter allen Möglichkeiten, wie man Kunst und Unterhaltung konsumieren kann. Aber es muss möglich sein, ein Kino vernünftig zu betreiben. Wir erwarten nicht, dass die Kinos jetzt genauso aufmachen können, wie vor der Krise. Aber bei den aktuellen Auflagen arbeiten sie mit 15 bis 20 Prozent ihrer Sitzplatzkapazität. Da werden viele Kinos Pleite machen. Die können so nicht kostendeckend arbeiten. Ich hoffe sehr, dass man da noch nachjustieren wird.

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Ist das unter diesen Bedingungen für die Verleiher überhaupt interessant, momentan neue Filme starten zu lassen?

Moszkowicz: Kinofilme benötigen eine Atmosphäre, denken Sie zum Beispiel an unsere sehr erfolgreiche Eberhofer-Reihe nach den Bestsellern von Rita Falk - da ist echte Volksfeststimmung in den Kinos. Unter den aktuellen Vorgaben ist es schlicht nicht möglich, den neuen Film wie geplant im August zu starten, daher werden die Kinofans leider noch länger auf "Kaiserschmarrndrama" warten müssen. Wenn es keine vernünftigen Kapazitäten in den Kinos gibt, wird es keine vernünftigen Filme geben, die starten. Und wenn keine guten und erfolgreichen Filme starten, können die Kinos nicht überleben.

Mittlerweile gibt es Hilfen für die Kinos, trotzdem fürchten viele um ihre Existenz, vor allem kleine Häuser. In Stuttgart steht sogar der große Ufa-Palast vor dem Aus. Wie soll das weitergehen?

Moszkowicz: Unterstützung ist dringend notwendig, und zwar für alle Kinos, unabhängig von der Anzahl der Leinwände. Es geht nicht nur um das kleine Kino um die Ecke, es geht auch um die großen Häuser. Das sind Begegnungsstätten für Menschen, da kann man Kino erleben. Diese Filmtheaterkultur muss erhalten bleiben. Das sind unterschiedliche Ansätze und Zielgruppen. Die großen Häuser treiben das Geschäft voran. Wenn sie nicht in der Lage sind, wirtschaftlich vernünftig aufzumachen, wird es keine Filmstarts geben und dann werden die Kinos nicht überleben können.

Inzwischen wird auch wieder gedreht - unter strengen Hygienevorschriften. Gibt es überhaupt noch Liebesszenen?

Moszkowicz: Bei den Produktionen, wo wir den Mindestabstand zwischen Akteuren von 1,50 Metern nicht einhalten können, testen wir die Darsteller einige Tage vor den Dreharbeiten und dann regelmäßig. In Zukunft wird es da auch vor Drehbeginn eine Quarantäne geben, ähnlich wie bei der Bundesliga. Aber die Arbeit unter Corona-Bedingungen ist schon extrem mühsam und anstrengend. Vor allem für die Crew, die am Drehort mit Gesichtsmasken und unter strengen Hygienerichtlinien arbeiten muss.

>>> So kann jetzt ein Kinobesuch aussehen <<<

Und wenn dann doch ein Corona-Fall am Filmset auftritt? Wer zahlt, wenn deshalb alles zum Erliegen kommt?

Moszkowicz: Die Versicherungen schließen Epidemie-Risiken aus, wobei bisher noch nicht gerichtsmäßig entschieden wurde, ob diese Klauseln wirksam sind. Wir brauchen aber einen funktionierenden Versicherungsschutz für die Produktionen. Dazu sprechen wir mit Frau Grütters (Kulturstaatsministerin Monika Grütters - CDU) über einen staatlich verbürgten Ausfallfond. Ich hoffe, dass wir hier schnell zu einer Regelung kommen.

Freuen Sie sich auf Ihren ersten Kinobesuch?

Moszkowicz: Sobald ich mir eine Karte kaufen kann, bin ich da. Gleichzeitig finde ich es faszinierend, was mit den Autokinos passiert. Wir hatten bis zur Coronakrise in Deutschland vier oder fünf Autokinos, inzwischen gibt es über 400. Ich finde es wunderbar, dass eine Kinoform, die aus den 1950er Jahren kommt, so ein Revival erlebt. Die Leute klatschen per Lichthupe, ich finde das großartig. Daran kann man sehen, wie groß die Sehnsucht ist, wieder ins Kino gehen zu dürfen. Aber jetzt ist erst mal die Frage, wie kriegen wir die regulären Kinos auf und wie schaffen wir es, dass denen nicht die Luft ausgeht.