Neues Programm der Bundeswehr

Antreten für den Heimatschutz: Neuer Freiwilligendienst hat begonnen

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesministerin der Verteidigung, präsentiert ein Plakat am Rande der Pressekonferenz zur Vorstellung des freiwilligen Wehrdienstes im Heimatschutz «Dein Jahr für Deutschland».

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesministerin der Verteidigung, präsentiert ein Plakat am Rande der Pressekonferenz zur Vorstellung des freiwilligen Wehrdienstes im Heimatschutz «Dein Jahr für Deutschland».

Bild: Kay Nietfeld

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesministerin der Verteidigung, präsentiert ein Plakat am Rande der Pressekonferenz zur Vorstellung des freiwilligen Wehrdienstes im Heimatschutz «Dein Jahr für Deutschland».

Bild: Kay Nietfeld

325 Rekruten beginnen ihre Ausbildung als militärische Freiwillige im Heimatschutz. Die Bundeswehr ist überrascht vom Interesse an dem neuen Programm.
06.04.2021 | Stand: 18:03 Uhr

Objektschutz, Katastrophenhilfe, Sanitätsdienst: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer setzt Hoffnungen auf die am Dienstag begonnene Ausbildung von zunächst 325 Rekruten für den neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr im Heimatschutz. Die Zahl der Bewerber sei deutlich größer gewesen und zeige, dass sich viele junge Menschen für das Land engagieren wollten. Nach Angaben der Bundeswehr gab es 9000 Bewerber für das Programm. "Wir waren selbst überrascht, wie groß das Interesse ist", sagte die CDU-Politikerin in Berlin.

Bundeswehr: Zusätzliche Kräfte für Krisen- und Katastropheneinsätze

Die Bundeswehr will zusätzliche Kräfte für Krisen- und Katastropheneinsätze im Inland bereithalten, wie sie derzeit auch in der Corona-Pandemie benötigt werden. Der Dienst steht unter dem Motto "Dein Jahr für Deutschland".

Im ersten Jahr sollen 1000 Männer und Frauen ausgebildet werden. Unter den ersten Rekruten sind 16 Prozent Frauen. Der Dienst besteht aus einer siebenmonatigen militärischen Ausbildung und Reservisteneinsätzen in den folgenden sechs Jahren.

Der Name Heimatschutz sei bewusst gewählt und korrigiere frühere Fehler, diesen Begriff den Rechten zu überlassen, sagte Kramp-Karrenbauer. Kritik, die bezahlte militärische Ausbildung schwäche andere Organisationen, wies sie zurück. Die Bewerber interessierten sich gezielt für die Bundeswehr, wollten aber nicht ins Ausland, sondern heimatnah Dienst leisten. "Wir nehmen mit diesem Freiwilligendienst niemandem etwas weg", sagte Kramp-Karrenbauer. Wenn das Programm aber den Anstoß zu einer Debatte über Freiwilligendienste leiste, begrüße sie das.

Reguläre Bundeswehr-Grundausbildung, dann folgt die Spezialausbildung

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Die Rekruten durchliefen nun an insgesamt 13 Standorten eine reguläre Bundeswehr-Grundausbildung, sagte Generalleutnant Markus Laubenthal, Stellvertreter des Generalinspekteurs. Dann folge die Spezialausbildung für den Heimatschutz. Kern sei eine vertiefende Ausbildung im Sicherungs- und Objektschutz, eine Ausbildung für den Sanitätsdienst, in der ABC-Abwehr, im Brandschutz und die Einweisung an den künftigen, selbst gewählten Standort.

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Der Heimatschutz spanne einen weiten Bogen vom Objektschutz über Hilfeleistungen bei Naturkatastrophen und schweren Unglücken bis hin zu "möglichen Beiträgen zur Terrorabwehr im Rahmen der verfassungsmäßigen Voraussetzungen", schrieb Kramp-Karrenbauer an die Obleute im Bundestag. "Der Heimatschutz ist keine neue Aufgabe", heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. "Die zukünftigen Herausforderungen, gerade auch unter den Vorzeichen möglicher hybrider Bedrohungen, erfordern jedoch eine strukturelle Stärkung." Diese solle in eigenständigen Heimatschutzverbänden sichtbar werden. Zum Kernauftrag zählt demnach "Schutz und Sicherung verteidigungswichtiger militärischer und ziviler Infrastrukturen" sowie "der Erhalt der Operationsfreiheit für militärische Operationen im Bündnisrahmen".

FDP kritisierte das neue Programm der Bundeswehr

Kritik kam von der Opposition. Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte auf "NDR Info", die Bundeswehr habe andere Sorgen, wie etwa die Materialbeschaffung. "Was wir brauchen sind junge Männer und Frauen, die bereit sind, in den Einsatz zu gehen und die bereit sind, so ausgebildet zu werden, dass unsere Freiheit in Frieden geschützt wird. Dass ist mit einem solchen sozialen Jahr nicht getan", sagte sie.

Der Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu kritisierte, die Bundeswehr strebe offenkundig eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz durch Unterstützungsleistungen der Blaulichtorganisationen an. "Sinnvoller wäre es, die Blaulichtorganisationen, insbesondere das THW, ausreichend zu finanzieren sowie das Gesundheitssystem den gesellschaftlichen Erfordernissen gemäß wieder aufzubauen", forderte er.