Fragen und Antworten zur Auffrischung

Auffrischungsimpfung gegen Corona - ja oder nein? Das ist der aktuelle Stand der Diskussion

Wer braucht eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus, wer bekommt sie? Und was sagen Exsperten dazu? Fragen und Antworten zum aktuellen Stand.

Wer braucht eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus, wer bekommt sie? Und was sagen Exsperten dazu? Fragen und Antworten zum aktuellen Stand.

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Wer braucht eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus, wer bekommt sie? Und was sagen Exsperten dazu? Fragen und Antworten zum aktuellen Stand.

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Wer braucht eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus, wer bekommt sie? Und was sagen Experten dazu? Fragen und Antworten zum aktuellen Stand.
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Von Allgäuer Zeitung
20.08.2021 | Stand: 15:36 Uhr

Viele Menschen in Deutschland sind inzwischen gegen Covid-19 geimpft, entweder einmal oder sogar zweimal. Aus der Welt ist die Gefahr, am Coronavirus zu erkranken, damit aber wohl nicht. Zum einen lässt die Wirkung der Impfstoffe nach aktuellem Erkenntnisstand mit der Zeit nach, zum anderen ist jetzt von einer zunehmenden Zahl sogenannter Impfdurchbrüche die Rede: Menschen erkranken zumindest leicht, obwohl sie gegen das Virus geimpft sind.

Muss ich mich nach vollständiger Coronaimpfung ein weiteres Mal impfen lassen? Wann lässt die Wirkung der Impfung nach? Braucht jeder eine Auffrischungsimpfung oder nur Menschen, die mit einem sogenannten Vektorimpfstoff von AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft sind? Der Überblick.

Wie lange schützt eine vollständige Covid-19-Impfung?

"Für die Covid-19-Impfstoffe liegen aktuell noch keine Daten vor, ob und in welchem Zeitabstand eine Auffrischimpfung notwendig sein wird", heißt es auf der Seite des Robert Koch-Instituts (RKI). Derzeit liefen entsprechende Studien. Bei vielen Standard- oder Indikationsimpfungen sei aber empfohlen, nach einem bestimmten Zeitintervall eine Auffrischung zum Erhalt des Impfschutzes durchzuführen.

Zumindest Hinweise auf die Dauer der Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe gibt es, auch, wenn diese noch nicht valide sind.

  • Die Impfung mit AstraZeneca bietet möglicherweise auch noch ein Jahr später einen Schutz vor Sars-CoV-2, berichteten Forscher der Universität Oxford in einem Preprint.
  • Beim Impfstoff von Johnson & Johnson kam eine Untersuchung zum Schluss, auch nach acht Monaten sei noch ein guter Schutz gegen das Coronavirus vorhanden.
  • Beim mRNA-Impfstoff von Biontech gibt es Hinweise, dass dieser recht lang vor dem Coronavirus schützen dürfte. Allerdings zeigten Untersuchungen auch, dass die Schutzwirkung nach der Zweitimpfung zwar langsam, aber dennoch nach und nach zurückgeht. Daher könnte hier eine Auffrischungsimpfung notwendig werden.

Wie stehen Experten zum Thema Auffrischungsimpfung in Deutschland?

Der Virologe Christian Drosten sagt, seiner Meinung nach sei für den Großteil der Geimpften im Herbst keine Auffrischungsimpfung gegen Sars-CoV-2 nötig. "Die Schutzwirkung der Corona-Vakzine ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen", meint er. Bei alten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten hält Drosten eine Auffrischungsimpfung in diesem Herbst aber für sinnvoll. Für die übrige Bevölkerung werde irgendwann vielleicht ein Altersniveau definiert werden, ab dem eine Auffrischungsimpfung sinnvoll werde.

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Auch der Virologe Hendrik Streeck unterscheidet: "Da sehen wir bei den meisten Menschen sehr lange Immunantworten, die bestimmt zwei oder drei Jahre halten. Es gibt sogar Studien, die sagen, es könnte ein Leben lang halten", sagte er in einem Interview. "Dann gibt es ältere Menschen, die keine Immunantworten mehr ausbilden und die ihre Immunantworten sehr schnell verlieren, für die kann eine Auffrischimpfung auch vielleicht im Herbst notwendig sein."

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wiederum sagt: "Durchbruchinfektionen ereignen sich bei Personen, deren Corona-Impfung länger als sechs Monate zurückliegt." Impfdurchbrüche gebe es unabhängig vom verwendeten Impfstoff. "Bei allen Corona-Vakzinen steigt das Risiko eines Impfdurchbruchs nach sechs Monaten an. Wir werden also vermutlich bald mehr Fälle sehen, sobald die Impfung bei etlichen Geimpften in Deutschland mehr als ein halbes Jahr zurückliegt."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert die Pläne für Auffrischimpfungen bei gesunden Menschen. Bislang sei nicht einmal klar, ob sie nötig seien, sagte die Chef-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan am Mittwoch in Genf. Während in reichen Ländern jede Menge Impfstoff vorhanden ist, warten weltweit in Dutzenden Ländern viele Millionen Menschen noch auf die Chance einer Impfung. Der WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan meinte, Menschen eine Auffrischimpfung anzubieten sei so, als gebe man Menschen mit Rettungswesten noch eine weitere Weste dazu, während Millionen andere ohne jeglichen Schutz bleiben müssten.

Wer bekommt in Deutschland eine Auffrischungsimpfung?

Ab September 2021 wird in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten – in der Regel mindestens sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie.

Patientinnen und Patienten mit Immunschwäche sowie Pflegebedürftige und Höchstbetagte in ihren eigenen Wohnungen sollen durch ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder von mobilen Teams der Impfstellen eine Auffrischimpfung angeboten bekommen, so die Bundesregierung.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwägt außerdem, allen Bürgern eine Corona-Auffrischimpfung anzubieten. Zunächst könnten sich die noch einmal impfen lassen, die bislang nur Vektorimpfstoffe - dazu zählt etwa AstraZeneca - bekommen hätten. "In einem zweiten Schritt können wir dann darüber nachdenken, auch allen anderen eine Auffrischimpfung anzubieten", sagte er.

Auffrischungsimpfung gegen Corona: Wie halten es andere Länder?

  • Die US-Regierung hat vor, die amerikanische Bevölkerung voraussichtlich ab September mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus zu versorgen. Hochrangige Gesundheitsbeamte - darunter die Direktorin der US-Gesundheitsbehörde CDC, Rochelle Walensky - stellten am Mittwoch einen Plan dazu vor. Erwachsene Amerikaner sollen demnach acht Monate nach Abschluss ihrer ersten beiden Impfungen mit den Präparaten von Moderna oder Pfizer/Biontech eine dritte Dosis bekommen können.
  • Angesichts zahlreicher Corona-Neuinfektionen impft Israel ab sofort auch Menschen ab 40 Jahren mit einer dritten Dosis. Mehrere Expertenteams hätten die Empfehlung für die Ausweitung der Impfkampagne gegeben, teilte das Gesundheitsministerium am späten Donnerstagabend mit. Dabei sei unter anderem auch empfohlen worden, Schwangere, Lehrer, Arbeitskräfte im Gesundheitswesen sowie Menschen mit Behinderungen und Pflegekräfte ein drittes Mal zu impfen. In Israel wird fast ausschließlich das Präparat von Biontech/Pfizer gespritzt. Seit Ende Juli verabreicht das Land als erstes weltweit dritte Impfungen gegen das Coronavirus. Entscheidend ist dabei, dass die zweite Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt.

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(mit dpa)