Vatikan

Beschützen bald Frauen den Papst und den Vatikan?

Die Rekruten der Schweizergarde wachen über den Vatikan und den Papst.

Die Rekruten der Schweizergarde wachen über den Vatikan und den Papst.

Bild: Andrew Medichini/AP, dpa

Die Rekruten der Schweizergarde wachen über den Vatikan und den Papst.

Bild: Andrew Medichini/AP, dpa

Seit 500 Jahren wacht die Schweizergarde über das Kirchenoberhaupt und den Vatikan. Doch die katholische Männertruppe hat ein ernsthaftes Personalproblem.
30.09.2021 | Stand: 20:15 Uhr

Der Vatikan ist auch unter Papst Franziskus ein konservativer Kosmos geblieben. Ein Leuchtturm, an dem sich Traditionalisten festklammern, ist die Schweizergarde, die seit dem frühen 16. Jahrhundert den Päpsten ihren Dienst erweist. Und während die wenigsten Priester in Rom noch im schwarzen Talar unterwegs sind, schien auch in dieser Hinsicht auf die Wachmänner Verlass zu sein: Sie tragen auffällige blau-rot-gelbe Uniformen, deren Herkunft manche dem Künstlergenie Michelangelo Buonarotti zuschreiben – obwohl Ety Cicioni, der Schneider der Garde schon mehrfach darauf verwies, dass der Schweizer Jules Repond im frühen 20. Jahrhundert die Tracht entwarf.

Nun allerdings könnte sich etwas Gravierendes ändern, etwas, das Traditionsbewahrern nicht behagt: Die Bewachung des Papstes könnten auch Frauen übernehmen.

Die Kaserne im Vatikan platzt aus allen Nähten

Hierfür gibt es konkrete Hinweise. Die neue Kaserne, zum Beispiel, die auf Vatikanboden für die Garde gebaut wird – und für die Einzelzimmer mit Bad vorgesehen sind. Bislang lebten zwei bis drei Gardisten in einem Mehrbettzimmer zusammen. Die Kaserne platzt dennoch aus allen Nähten, seit Franziskus die Aufstockung der kleinsten Armee der Welt von 110 auf 135 Mann verfügte. Einige Gardisten wohnten deshalb sogar außerhalb des Vatikans. Der rund 46 Millionen Euro teure Neubau wird also nicht nur größer, sondern auch funktionaler im Hinblick auf eventuelle Veränderungen – im Hinblick auf Frauen.

Papst Franziskus wird im Vatikan von Wachmännern bewacht.
Papst Franziskus wird im Vatikan von Wachmännern bewacht.
Bild: Tiziana Fabi, AP, dpa

Über deren mögliche Aufnahme sagte jüngst Leutnant Urs Breitenmoser, der Pressesprecher der Garde: „Es ist denkbar, die Schutztruppe zu öffnen.“ In der Vergangenheit habe es bereits Bewerbungen von Frauen gegeben. Die Entscheidung darüber liege jedoch beim Papst.

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Die Schutztruppe wurde 2019 auf 135 Mitglieder erweitert, weil die Sicherheitsvorkehrungen im Vatikan erhöht werden sollten. Die Hellebardiere bewachen ja nicht nur den Papst persönlich, sondern auch die Zugänge zum Kirchenstaat. Und sie leisten Dienst bei Audienzen und Staatsempfängen.

Zu wenig männlicher Nachschub - werden Gardistinnen zugelassen?

Angesichts der Erweiterung sind bis zu 35 neue Rekruten pro Jahr nötig. Die zwischen 19 und 34 Jahre alten Soldaten, die nicht verheiratet sein dürfen, praktizierende Katholiken und sportlich sein müssen, verpflichten sich für mindestens zwei Jahre. Das Problem: Der Nachschub ist nicht mehr sichergestellt, der Garde fehlt mittelfristig das Personal. „Sobald Gardistinnen zugelassen sind, erhöht sich auch das Rekrutierungspersonal für die Garde“, erklärt denn auch Ruth Metzler-Arnold, Vorsitzende der Stiftung Schweizergarde, die die Kleinarmee finanziell unterstützt. „Es war wichtig für uns, dass das neue Gebäude Raum für dienstleistende Frauen bietet“, betonte Jean Pierre Roth, ebenfalls Stiftungsmitglied.

Und so deutet alles auf eine Öffnung für Frauen hin – wenn Papst Franziskus einwilligt. Der hat zwar größere Sorgen als die Schweizergarde, ist beim Thema Frauen in kirchlichen Positionen aber einigermaßen fortschrittlich. Das Priestertum für Frauen hat er gemäß den Vorgaben seiner Vorgänger ausgeschlossen, die Einführung eines Frauendiakonats lässt er dennoch von Experten untersuchen. Und: Er bringt immer mehr Frauen in wichtige Positionen im Vatikan.

2027 soll die neue Kaserne zu einem Jubiläum eingeweiht werden

Die Sizilianerin Francesa De Giovanni zum Beispiel ernannte er im Januar 2020 zur Untersekretärin im Staatssekretariat, der Regierungszentrale. Das entspricht dem Rang einer Staatssekretärin in der Politik. Die Französin Nathalie Becquart wurde Anfang dieses Jahres zur Untersekretärin im Synodensekretariat bestellt und wird als bisher einzige Frau auf der Bischofsversammlung 2023 Stimmrecht haben. Franziskus legalisierte auch die Praxis, dass Frauen als Lektorinnen und in Ausnahmefällen als Spenderinnen der Kommunion tätig sein dürfen.

Die Einweihung der neuen Kaserne ist für den 6. Mai 2027 vorgesehen. Dann jährt sich der sogenannte Sacco di Roma, die Plünderung Roms im Jahr 1527, zum 500. Mal. Es war die damals erst seit 21 Jahren im Dienst stehende Schweizergarde, die PapstClemens VII. verteidigte. 147 Gardisten verloren ihr Leben.