Katholische Kirche

Bischöfe reden über Missbrauch und Reformen - Sternberg fordert Rücktritt bei Fehlverhalten

Zwei Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz begegnen sich im Fuldaer Dom. Wegen der Vertrauenskrise im Erzbistum Köln treffen sich die Bischöfe online zu Beratungen.

Zwei Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz begegnen sich im Fuldaer Dom. Wegen der Vertrauenskrise im Erzbistum Köln treffen sich die Bischöfe online zu Beratungen.

Bild: Arne Dedert, dpa (Archivbild)

Zwei Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz begegnen sich im Fuldaer Dom. Wegen der Vertrauenskrise im Erzbistum Köln treffen sich die Bischöfe online zu Beratungen.

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Die Vertrauenskrise im Erzbistum Köln überlagert seit Monaten alle anderen Entwicklungen in der katholischen Kirche. Nun kommen die deutschen Bischöfe zusammen.
Zwei Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz begegnen sich im Fuldaer Dom. Wegen der Vertrauenskrise im Erzbistum Köln treffen sich die Bischöfe online zu Beratungen.
dpa
23.02.2021 | Stand: 11:58 Uhr

Update, Dienstag, 12 Uhr: Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat für den Fall von belegbarem Fehlverhalten bei der Aufarbeitung von Missbrauch personelle Konsequenzen angemahnt. "Wenn eindeutiges Fehlverhalten festgestellt wird, dann ist ein Rücktritt angebracht", sagte Sternberg am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

"In Köln stellt sich die Frage, ob Rücktritte von Verantwortlichen nicht deshalb nötig sind, weil das Vertrauen bei den eigenen Gläubigen zerstört ist", sagte Sternberg. "Das ist eine Frage, die in Köln entschieden werden muss. Die Nachrichten, die ich von Gemeinden und Verbänden aus Köln bekomme, zeichnen eine katastrophale Situation. Eine solche Empörung wie dort habe ich persönlich noch niemals erlebt."

Gutachten in Auftrag gegeben

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten hält er jedoch seit etwa einem Jahr unter Verschluss, wofür er rechtliche Bedenken anführt

Sternberg erwartet von der an diesem Dienstag beginnenden Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz keine Schritte gegen Woelki. "Die Bistümer sind rechtlich eigenständig, die Bischofskonferenz ist da keine übergeordnete Organisation, die Anweisungen geben kann." Einzelne Bischöfe hätten sich allerdings bereits kritisch geäußert und wie auch das ZdK völlige Transparenz eingefordert..

Dreitägige Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Unter dem Eindruck der schweren Vertrauenskrise im Erzbistum Köln beginnt am Dienstag (13 Uhr) die dreitägige Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Wegen Corona finden die Beratungen nur online statt. Die 68 Mitglieder wollen unter anderem über Kirchenaustritte, sexuellen Missbrauch, die Debatte um assistierten Suizid und den Reformprozess Synodaler Weg sprechen. Weder die Situation in Köln noch die Proteste der Reformbewegung Maria 2.0 stehen offiziell auf der Tagesordnung.

Kardinal Woelki hält Gutachten zu Missbrauchsvorwürfen unter Verschluss

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Das zurückgehaltene Missbrauchsgutachten des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki (links) ist laut dem Münchner Kardinal Reinhard Marx (rechts) ein großer Schaden für die katholische Kirche.
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Kardinal Marx: Großer Schaden für katholische Kirche durch Woelki

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hält ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester unter Verschluss. Woelki begründet dies mit rechtlichen Bedenken. Das Thema überlagert in der Öffentlichkeit seit Monaten alle anderen Entwicklungen in Deutschlands katholischer Kirche. Maria 2.0 hatte am vergangenen Sonntag an Kirchentüren in mehreren Regionen Reformthesen aufgehängt.

Der oberste katholische Repräsentant in Bonn, Wolfgang Picken, forderte mit Blick auf die Vollversammlung klare Konsequenzen für Bischöfe und andere Verantwortungsträger, die Missbrauch vertuscht haben. Zurzeit sei völlig unklar, wie sich ein Bischof zu verhalten habe, wenn er bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen nicht richtig gehandelt habe, sagte der Bonner Stadtdechant der Deutschen Presse-Agentur.

Keine Regelung bisher

"Da müsste die Bischofskonferenz mal ein bisschen Fantasie entwickeln", sagte Picken. "Gibt es eine Ombudsstelle? Gibt es eine Zusammenkunft von Bischöfen, die einem anderen Bischof nahelegt, was er tun sollte? Irgendeine Form muss es geben, damit das Ganze objektiviert wird." Mögliche Reaktionen der Verantwortlichen seien Geldzahlungen, der Verzicht auf kirchliche oder päpstliche Titel oder eben der Rücktritt. Bisher sei das aber nicht geregelt. (Lesen Sie auch: Kardinal Marx: Großer Schaden für katholische Kirche durch Woelki)

Picken erinnerte daran, dass das Bistum Aachen im November ein unabhängiges Gutachten veröffentlicht hatte, in dem auch Ex-Bischof Heinrich Mussinghoff belastet worden war. Geschehen sei bisher aber nichts - Mussinghoff habe sich "zum Denken zurückgezogen". Das Bistum Aachen bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass weder Mussinghoff noch die anderen in dem Gutachten genannten Verantwortlichen bislang ein Zeichen der Reue hätten erkennen lassen.

Fatal für Ansehen der katholischen Kirche

Picken bezeichnete es als fatal für das Ansehen der Kirche, wenn der Eindruck entstehe, dass die Verantwortlichen erst dann Konsequenzen zögen, wenn sie durch Gutachten oder öffentlichen Druck dazu gezwungen würden. Vielmehr müsse von Bischöfen erwartet werden können, dass sie eigenständig ihr Gewissen befragten und dann handelten. Andernfalls werde das Thema Missbrauch keine Normalität im kirchlichen Leben mehr zulassen.

In fast allen 27 Bistümern würden nun unabhängige Gutachten in Auftrag gegeben. "Die werden nicht alle zeitgleich herauskommen, sondern Monat für Monat und Jahr für Jahr veröffentlicht werden, so dass wir dann einen Skandal nach dem anderen haben, weil die Wahrheit nicht im Vorhinein von den Verantwortlichen eingestanden wird."

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