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Butter-Test 2022: Allgäuer Butter sorgt für Negativ-Rekord

17 von 20 Butter-Marken fallen in einem neuen Verbrauchertest durch. Doch warum schneiden die Produkte so schlecht ab?

17 von 20 Butter-Marken fallen in einem neuen Verbrauchertest durch. Doch warum schneiden die Produkte so schlecht ab?

Bild: Christin Klose

17 von 20 Butter-Marken fallen in einem neuen Verbrauchertest durch. Doch warum schneiden die Produkte so schlecht ab?

Bild: Christin Klose

Butter im Test: Butter wird vielseitig eingesetzt. Bei Öko-Test 2022 fallen aber 17 von 20 Marken durch, auch wegen krebserregender Stoffe. Hier die Ergebnisse.
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Von Allgäuer Zeitung
18.11.2022 | Stand: 06:21 Uhr

Öko-Test hat Butter getestet - mit überraschenden Ergebnissen. Ob als Geschmacksträger auf dem Brot, als Bratfett in der Pfanne oder als Auslage für die Kuchenform: Die Deutschen haben vielerlei Einsatzmöglichkeit für ihre geliebte Butter. 6,1 Kilogramm davon aß jeder und jede Deutsche 2021 im Schnitt, teilt das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung mit. Im Allgäu, das von Milchwirtschaft geprägt ist, spielt die Butter eine größere Rolle als in anderen Regionen Deutschlands.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat nun 20 Buttermarken unter die Lupe genommen. Das erschreckende Ergebnis: 17 von 20 Marken schneiden als "mangelhaft" oder "ungenügend" ab und nur eine Butter ist mit der Note "gut" empfehlenswert. Ausgerechnet eine Allgäuer Butter sorgt beim Test mit einem Negativ-Rekord für Aufsehen.

Butter im Test bei "Öko-Test": Testsieger 2022 kommt aus Brandenburg

Am besten schneidet die "Bio-Fassbutter Naturland" der Gläsernen Molkerei aus Brandenburg ab. Sie erhielt von Ökö-Test das Gesamturteil "gut". Die Butter kostet 3,49 Euro pro 250 Gramm und war das einzige Produkt, in dem keine Mineralölkohlenstoffe oder Rückstände von Reinigungsmitteln gefunden wurden.

Butter im Test: Wieso schneiden die Butter-Marken 2022 so schlecht ab?

Wie das Verbrauchermagazin schildert, gibt es für die schlechten Test-Ergebnisse neben dem Geschmack, der Tierhaltung und den üblichen Kriterien einen Hauptgrund: Die Mineralöl-Belastung der Butter. Ein Großteil der Produkte sei so stark mit Mineralöl belastet gewesen, dass auch die teils guten Noten in der Tierhaltung keinen Unterschied mehr machten.

Als Beispiel: in 19 von 20 Produkten wurden gesättigte Mineralölkohlenstoffe (MOSH) nachgewiesen. Diese lagern sich im Fettgewebe, Lymphknoten und Organen, wie Leber, Milz und Lunge ab. Bislang seien laut Öko-Test den MOSH zwar keine toxischen Effekte nachgewiesen worden. Aus Sicht der Jury ist die Datenlage noch zu gering, um Langzeiteffekte ausschließen zu können.

"Allgäuer Bauernbutter Sauerrahm" aus dem Westallgäu laut Öo-Test hochgradig belastet

Neben den MOSH gibt es noch die Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Diese Stoffe, von denen einige Verbindungen krebserregend sind, können etwa aus dem Schmieröl von Maschinen in Lebensmittel gelangen, oder über die Verpackungen.

Die Europäische Union hat einen MOAH-Richtwert von zwei Milligramm pro Kilogramm für Fette und Öle vorgeschlagen, der allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Bei der "Allgäuer Bauernbutter Sauerrahm" von den Ökologischen Molkereien Allgäu (ÖMA) in Lindenberg ist mit 19,8 mg/kg nahezu der zehnfache Wert gemessen worden. Laut Öko-Test ist das ein noch nie gemessener Gehalt in der Testgeschichte des Magazins.

Überdies hinaus wurden in mehreren Produkten beim Test Rückstände von Reinigungsmitteln entdeckt, die ebenfalls als krebserregend gelten. Die zulässigen Grenzwerte wurden dabei meist mehr als 50 Prozent ausgeschöpft.

Butter-Test 2022: Tierwohl in einer Butter-Produktion anscheinend vorbildlich

Beim Tierwohl zeigten drei Viertel der Anbieter Transparenz, zeichneten den Testern mindestens drei komplette Lieferketten mit detaillierten Belegen nach und antworteten ausführlich auf die Anfragen.

Gleichzeitig hielten sich die Anbieter konventioneller Butter bei Auskünften zur Weidehaltung zurück. Nur fünf von 13 Anbietern wiesen nach, dass ein Teil ihrer Kühe vier Monate oder länger im Jahr weiden darf. Teilweise stehen die Kühe das ganze Jahr im Stall.

Bio-Butter besser als konventionelle Butter?

Eine Ausnahme gibt es hier allerdings: Irische Butter. Die Kühe können wegen des gemäßigteren Klimas in Irland das ganze Jahr über weiden und dürfen ihre Kälbchen selbst aufziehen. Trotzdem fiel die "Kerrygold Original Irische Butter, mildgesäuert" von Ornura Deutschland im Test mit "ungenügend" durch. Denn auch in dieser Butter waren die Mineralölbestandteile "stark erhöht".

Ebenfals mit "ungenügend" rasselten "Milsani Deutsche Markenbutter mildgesäuert" von Aldi (2,29 Euro pro 250 Gramm) und "Milbona Süßrahmbutter" von Lidl (2,29 Euro pro 250 Gramm) durch den Test.

Im Allgäu, besonders im Ober- und südlichen Ostallgäu, verbringen die Kühe der Bauern ihre Sommer meist in den Bergen, beim sogenannten Alpsommer.

Zumindest in der Tierhaltung kamen die Tester zum Ergebnis, dass die Tiere hinter den Bio-Produkten häufiger auf einer Weide grasen, als die von konventionellen Butter-Marken.

Da sich die Tester besonders auf die Umweltauswirkungen der Produkte fokussieren, fällt auch der ökologische Fußabdruck ins Gewicht. Das heißt: Wie viele Treibhausgase fallen pro Kilo Butter an, bis die Produkte im Supermarkt-Regal stehen?

Bei einem Kilo Butter etwa fallen im Schnitt neun Kilo Treibhausgase an, wie das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg ausgerechnet hat. Beim direkten Konkurrenten Margarine fallen mit 2,8 Kilo weniger als ein Drittel der Gase an.

CO2-Fußabdruck: Butter liegt laut Test vor Milch und Joghurt

Butter gehört damit unter den tierischen Lebensmitteln zu denen mit dem größten CO2-Fußabdruck, weit vor Vollmilch (1,4 kg) oder Naturjoghurt (1,7 kg). Auch der Wasserverbrauch liegt bei Butter dreimal so hoch wie bei Margarine.

Der Fußabdruck von Bio-Butter ist mit 11,5 Kilo wegen der größeren Weide- und Stallflächen für die Kühe sogar noch höher. Dafür bringt Bio andere Vorteile mit sich, wie etwa ein Verzicht auf Pestizide. Und auch Margarine belastet die Umwelt durch Teile der Produktion, wie etwa dem Anbau von Palmöl.

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