Raumstation im Weltall

Chinesische Rakete stürzt zurück zur Erde - aber wo landen ihre Teile?

Trümmerteile einer für den Bau von Chinas neuer Raumstation verwendeten Trägerrakete drohen in den nächsten Tagen auf die Erde zu stürzen.

Trümmerteile einer für den Bau von Chinas neuer Raumstation verwendeten Trägerrakete drohen in den nächsten Tagen auf die Erde zu stürzen.

Bild: Guo Wenbin, XinHua, dpa

Trümmerteile einer für den Bau von Chinas neuer Raumstation verwendeten Trägerrakete drohen in den nächsten Tagen auf die Erde zu stürzen.

Bild: Guo Wenbin, XinHua, dpa

Eine Rakete brachte einen Teil von Chinas Raumstation ins All. Nun stürzt sie außer Kontrolle zurück zur Erde. Wo die Trümmer runterkommen, ist ungewiss.
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dpa
04.05.2021 | Stand: 18:34 Uhr

Trümmerteile einer für den Bau von Chinas neuer Raumstation verwendeten Trägerrakete drohen in den nächsten Tagen auf die Erde zu stürzen. Raumfahrtexperten warnten vor einem "unkontrollierten" Wiedereintritt eines 20 Tonnen schweren Teils in die Erdatmosphäre. Die Rakete hatte am Donnerstag das 22 Tonnen schwere Kernmodul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Damit begann die junge Raumfahrtnation den Bau ihrer eigenen Raumstation.

Grund für den unkontrollierten Wiedereintritt sei das Design der Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B". Der Hauptteil lasse sich nicht steuern und habe auch keine Flugbahn gehabt, um an einem vorbestimmten Punkt ins Meer zu fallen. "Wir wissen nicht wo", sagte der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Peking. "Im schlimmsten Fall wird es wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs, der sich aber über Hunderte Kilometer verteilt." Es sei ungewiss, wie viele Bruchstücke nach dem Wiedereintritt übrig blieben. "Aber genug, um Schaden anzurichten."

Raketenstufe kreist alle 90 Minuten um die Erde

Da die Hauptraketenstufe etwa alle 90 Minuten um die Erde kreise, sei ungewiss, wann und wo genau sie in die Atmosphäre eintreten und dort teilweise verglühen dürfte, hieß es. "Der wahrscheinlichste Vorgang sieht so aus, dass Trümmer, die die starke Hitze des Wiedereintritts überstehen, ins Meer oder auf unbewohnte Gegenden fallen - aber das Risiko besteht, dass es Schaden für Menschen oder Eigentum gibt", schrieb auch der Experte Andrew Jones auf spacenews.com.

Schon sechs Tage nach dem ersten Flug des besonders tragfähigen Typs "Langer Marsch 5B" im Mai 2020 waren Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten mehrere Häuser in Dörfern beschädigt. Es war das größte Teil, das seit dem US-Raumlabor Skylab 1979 auf die Erde gestürzt war. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hatte den Vorgang damals als "sehr gefährlich" beschrieben. Die Raketenstufe war kurz davor noch über die USA geflogen.

Experte kritisiert neue Rakete

McDowell kritisierte Chinas neue Rakete, die nicht heutigen Standards entspreche. "Nach dem Skylab-Wiedereintritt entschied sich jeder andere, dass vermieden werden sollte, das so etwas passiert", sagte der Experte. Andere Länder sorgten dafür, dass der Hauptteil ihrer Raketen nicht im Orbit blieben, sondern in eine Flugbahn gebracht würden, um gezielt ins Meer zu stürzen.

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"Mit der "Langer Marsch 5B" hat China keinen dieser Ansätze verfolgt", sagte McDowell. Sie sei so gebaut, dass sie etwa eine Woche später durch die Anziehungskraft an einem "willkürlichen Ort" wieder in die Atmosphäre der Erde eintrete. "Das Design ist fahrlässig im Vergleich zu gegenwärtigen Standards anderer Länder."

Raumstation soll 2022 fertig sein

Zum Bau der neuen Raumstation sind weitere Starts der "Langer Marsch 5B" geplant. So sollen zwei weitere Module ins All gebracht und angebaut werden. Die Station soll "um 2022" fertiggestellt werden und dann "Tiangong" (Himmelspalast) heißen. Wenn die technisch veraltete internationale Raumstation ISS wie geplant in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellt, wäre China danach die einzige Nation, die einen ständigen Außenposten im Weltraum betreibt.

Raketenteile landen wohl nicht in Deutschland

Laut Experten werden die Trümmerteile der für den Bau von Chinas neuer Raumstation verwendeten Trägerrakete voraussichtlich nicht auf Deutschland treffen. Die Risikozone umfasse jeden Teil der Erdoberfläche zwischen dem 41. Grad nördlicher und dem 41. Grad südlicher Breite, teilte das Büro für Raumfahrtrückstände der Europäischen Raumfahrtagentur Esa mit Sitz in Darmstadt am Dienstag mit.

Deutschland liegt etwa zwischen dem 47. und 55. Breitengrad im Norden. In Europa schließt das Risikogebiet unter anderem Teile von Spanien, Italien oder Griechenland ein. Winde oder andere Kräfte seien nicht in der Lage, den angegebenen Breitengrad-Bereich fundamental zu verändern, hieß es. Die Esa rechnet mit einem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre am 9. Mai um 19.23 deutscher Zeit - allerdings plus/minus 26 Stunden und 26 Minuten.

Es sei aktuell praktisch unmöglich, Vorhersagen darüber zu treffen, welche Teile den Wiedereintritt wahrscheinlich überleben werden, hieß es weiter. Materialien mit hohen Schmelztemperaturen wie etwa Motor- oder Tankkonstruktionen stellten ein besonderes Risiko dar. Im Allgemeinen verglühten die meisten Objekte während des Wiedereintritts vollständig in der Atmosphäre, so die Expertinnen und Experten. Es sei aber nicht möglich, eine detailliertere Risikobewertung vorzunehmen.

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