Europäische Zentralbank

Die EZB plant eine Online-Währung: Kommt bald der digitale Euro?

Die EZB plant eine digitale Form des Euro. Wann sie kommen soll, steht noch nicht fest.

Die EZB plant eine digitale Form des Euro. Wann sie kommen soll, steht noch nicht fest.

Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Archiv)

Die EZB plant eine digitale Form des Euro. Wann sie kommen soll, steht noch nicht fest.

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Bitcoin, Libra und andere digitale Währungen sind längst am Markt etabliert. Jetzt arbeitet die EZB auch an einem Online-Euro.
Die EZB plant eine digitale Form des Euro. Wann sie kommen soll, steht noch nicht fest.
dpa
02.10.2020 | Stand: 15:29 Uhr

Europas Währungshüter treiben ihre Arbeiten an einer digitalen Version des Euro voran. In den nächsten Wochen sollen interne Tests mit einer Digitalwährung beginnen - zeitgleich mit einer öffentlichen Befragung von Bürgern sowie Fachleuten aus Wissenschaft und Finanzsektor zum Für und Wider ab dem 12. Oktober. Gegen Mitte 2021 will die Zentralbank dann über den Start eines digitalen Euro-Projekts entscheiden. Andere Notenbanken sind bei dem Thema bereits weiter.

"Die Menschen in Europa bezahlen, sparen und investieren immer häufiger auf elektronischem Weg. Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen in unsere Währung zu sichern. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digitale Zeitalter gerüstet ist", begründete die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, am Freitag die Pläne.

"Wir sollten darauf vorbereitet sein, einen digitalen Euro einzuführen, sollte dies erforderlich werden." (Lesen Sie auch: Deutsche wollen in der Corona-Krise kontaktlos bezahlen)

Ein digitaler Euro wäre eine Antwort auf privatwirtschaftliche Initiativen wie Bitcoin oder das maßgeblich von Facebook getragene Projekt Libra. Der große Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen stünde ein digitaler Euro unter Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität der Währung sichert.

Bitcoin und Co.: Mehrere Gründe sprechen für digitale Währung

"Die Einführung eines digitalen Euro kann in verschiedenen Szenarien erforderlich sein, etwa wenn die Menschen nicht mehr mit Bargeld zahlen wollen, oder in extremen Situationen wie Naturkatastrophen oder Pandemien, in denen andere herkömmliche Zahlungsdienstleistungen nicht mehr funktionieren", erläuterte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta in einem am Freitag veröffentlichten Gastbeitrag.

Schon vor der Corona-Krise hatte sich der Trend zum Bezahlen ohne Scheine und Münzen in Deutschland und im Euroraum verstetigt. 98 Milliarden Zahlungen im Währungsraum der 19 Staaten im Gesamtwert von gut 162 Billionen Euro wurden 2019 nach EZB-Angaben bargeldlos abgewickelt. Das waren 8,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Pandemie sorgte für einen weiteren Schub bei digitalen Bezahlverfahren. (Lesen Sie auch: Banknotenhersteller: Das Digitalgeld kommt)

"Ein digitaler Euro würde uns auch davor bewahren, dass staatliche oder privatwirtschaftliche digitale Zahlungsmittel, die aus Ländern außerhalb des Euroraums stammen oder von dort kontrolliert werden, bestehende Zahlungsmittel weitgehend verdrängen", führte Panetta weiter aus.

Digitale Währungen bergen auch Gefahren

Finanzaufseher befürchten, dass Libra Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Steuerhinterziehung erleichtert. Facebook hatte dagegen betont, das Projekt solle den bargeldlosen Zahlungsverkehr vor allem in Schwellenländern vereinfachen, wo es kein flächendeckendes Bankensystem gebe. Technisch können digitale Währungen zum Beispiel auf Basis einer sogenannten Blockchain funktionieren - also über eine Kette von Datenblöcken, die sich mit jeder Transaktion ausbaut.

Zentralbanken wollen mit ihren Initiativen zudem ihr Geldmonopol verteidigen. Auch andere Notenbanken weltweit beschäftigen sich mit digitalem Zentralbankgeld. Vergleichsweise weit vorangeschritten ist in Europa das Projekt "E-Krona" der schwedischen Zentralbank, denn in dem skandinavischen Land wird Bargeld kaum noch genutzt. China arbeitet schon länger an der digitalen Variante seiner Währung Renminbi.

Die EZB erklärte, eine elektronische Form von Zentralbankgeld könnte von der breiten Bevölkerung genutzt werden - genauso wie Bargeld, nur in digitaler Form. Europas Währungshüter versicherten, ein digitaler Euro wäre eine Ergänzung zum Bargeld, kein Ersatz: "In jedem Fall wird das Eurosystem auch weiterhin Bargeld ausgeben."

Wann der Digital-Geld kommen soll ist offen

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) begrüßte die EZB-Initiative grundsätzlich. Der digitale Euro sei "ein Zukunftsthema mit höchster Bedeutung für die Sicherheit und Stabilität der europäischen Finanzmärkte", sagte te BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Es seien aber "noch hochrelevante Fragen zu klären". Im Fall der Ausgabe eines digitalen Euro müssten Banken eine zentrale Rolle spielen.

Ein digitaler Euro könnte es Bürgern erlauben, Geld direkt bei der Zentralbank zu hinterlegen. Diese Möglichkeit steht normalerweise nur gewerblichen Kreditgebern wie Banken, Regierungen und anderen Zentralbanken offen. Einige Experten sehen jedoch die Gefahr, dass dann in Krisenzeiten Bankkunden ihre Ersparnisse fluchtartig von kommerziellen Banken abziehen würden und Notlagen so verstärken.

"Bevor wir die Argumente abwägen und Schlüsse daraus ziehen können, benötigen wir zunächst ein umfassendes Verständnis von Digitalgeld. Dabei müssen wir stets einen offenen Ansatz verfolgen", mahnte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor Kurzem bei einer Tagung. "Auf jeden Fall ist die Einführung von Digitalgeld sorgfältig abzuwägen."