Corona-Pandemie

Die wichtigsten Antworten zur zweiten Boosterimpfung

Wie sinnvoll ist die zweite Boosterimpfung gegen Corona? In Israel, wo dieser Mitarbeiter des Gesundheitswesens eine Spritze vorbereitet, haben viele sie schon bekommen.

Wie sinnvoll ist die zweite Boosterimpfung gegen Corona? In Israel, wo dieser Mitarbeiter des Gesundheitswesens eine Spritze vorbereitet, haben viele sie schon bekommen.

Bild: Maya Alleruzzo, dpa

Wie sinnvoll ist die zweite Boosterimpfung gegen Corona? In Israel, wo dieser Mitarbeiter des Gesundheitswesens eine Spritze vorbereitet, haben viele sie schon bekommen.

Bild: Maya Alleruzzo, dpa

Expertinnen und Experten raten nur bestimmten Personengruppen zur Viertimpfung. Was es darüber zu wissen gibt und welche Aussagekraft die Inzidenz noch hat.
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Von Marco Keitel
22.04.2022 | Stand: 15:34 Uhr

Bei der Vorfreude auf einen unbeschwerten, weitgehend coronafreien Sommer schwingt oft auch eine Angst vor einer drastischen Lage im Herbst mit. In den vergangenen beiden Jahren gab es um diese Zeit immer deutlich steigende Inzidenzwerte und volle Krankenhäuser und Intensivstationen.

Expertinnen und Experten sind dennoch optimistisch. Aber um den Schutz mit Blick auf die kälteren Jahreszeiten zu steigern, empfehlen sie manchen Personengruppen eine vierte Impfung, also einen zweiten Booster. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dieser Auffrischung und zur Corona-Lage.

Bringt eine zweite Boosterimpfung überhaupt zusätzlichen Schutz vor dem Coronavirus?

Daten aus Israel deuten darauf hin, dass der Nutzen zwar da, aber nur von kurzer Dauer sein könnte. Ausgewertet wurden für das Fachblatt NEJM Daten von gut 1,2 Millionen Menschen ab 60 Jahren. Eine Woche nach dem zweiten Booster traten sowohl weniger Infektionen als auch weniger schwere Krankheitsverläufe auf. Aber: Nach sechs Wochen war der Vorteil der vierfach gegenüber den nur dreifach Geimpften beim Schutz vor einer Infektion nahezu verschwunden. Immunologe Andreas Radbruch, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Berlin, sagt mit Blick auf die bisherigen Ergebnisse aus Israel: "Der Schutz ist mickrig im Vergleich zur Wirkung der ersten Impfungen."

Optimistischere Töne kommen aus den USA. Der Impfstoffhersteller Moderna hat Mitte April bekannt gegeben, dass bisherige Tests eines neuen Boosterimpfstoffes Wirksamkeit gegen nahezu alle Coronavirus-Varianten gezeigt haben. Nach sechs Monaten hatten Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen laut dem Unternehmen doppelt so viele Antikörper gegen Omikron wie sechs Monate nach dem ersten Booster. Der neue Impfstoff könnte im Herbst einsatzbereit sein.

Für wen ist der zweite Booster sinnvoll?

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Mit Viertimpfungen gegen die Corona-Sommerwelle?

Hier scheiden sich die Geister. Gesundheitsminister Lauterbach fordert, dass der zweite Booster EU-weit Bürgerinnen und Bürgern ab 60 Jahren empfohlen wird. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hält ihn bislang nur für über 70-Jährige und Menschen mit Vorerkrankung für sinnvoll. Ausnahme: Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen und Beschäftigte in medizinischen Berufen und in der Pflege sollen die zweite Auffrischung auch bekommen, wenn sie jünger sind. Für Menschen mit Immunschwäche empfiehlt die Stiko den zweiten Booster ab fünf Jahren. Die Europäische Arzneimittelagentur erteilt Lauterbachs Wunsch vorerst eine Absage und empfiehlt die Viertimpfung erst für alle ab 80 Jahren.

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Immer mehr Menschen haben trotz Impfung bereits mindestens eine Corona-Infektion hinter sich. Sollten auch sie sich zum zweiten Mal boostern lassen?

Diese Frage kann laut dem Immunologen Andreas Radbruch bisher nicht beantwortet werden. Denn einen Schwellenwert bei der Immunität, anhand dessen man festlegen könne, wann eine weitere Impfung sinnvoll sei und wann nicht, gebe es bislang nicht. Immerhin zeigen Tests laut Radbruch, dass nach Infektion und Impfung langfristig ein guter Schutz der Schleimhäute bestehe.

Deutschland hat bei Biontech laut Gesundheitsminister Lauterbach 80 Millionen Dosen des spezifischen Omikron-Impfstoffes bestellt, an dem das Mainzer Unternehmen arbeitet. Was kann man von diesem Vakzin erwarten?

Studien an Affen zeigen: Die Anzahl der Antikörper steigt mit dem Omikron-Impfstoff nicht deutlich mehr an als mit herkömmlichem Impfstoff als Booster. Der Grund könnte eine Art Gedächtnisreaktion sein: Nach dem Booster werden vor allem die Antikörper vermehrt, die schon da sind. Expertinnen und Experten empfehlen deshalb, mit dem zweiten Booster nicht auf den spezifischen Omikron-Impfstoff zu warten.

Mit wie vielen Impfdosen rechnet die Bundesregierung in den kommenden Monaten?

Aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag geht hervor: Bis 2023 hat Deutschland sich vertraglich insgesamt 677,4 Millionen Impfdosen gesichert. Verwendet wurde etwas mehr als ein Viertel davon. Offen ist, ob es noch eine Nachfrage nach den bisherigen Vakzinen geben wird, wenn im Herbst der Omikron-Impfstoff von Biontech und die kombinierte Version von Moderna auf den Markt kommen.

106 Millionen Impfdosen hat Deutschland bislang an die Initiative Covax gegeben, die weltweit einen gerechten Zugang zum Corona-Vakzin gewährleisten will. Weltweit stehen nach Angaben des Pharmaverbandes IFPMA mehr Corona-Impfdosen zur Verfügung als verabreicht werden können. "Das Impfstoff-Angebot übersteigt zur Zeit die Nachfrage", sagte IFPMA-Generaldirektor Thomas Cueni in Genf.

An Feiertagen werden üblicherweise weniger Corona-Tests durchgeführt. In vielen Bereichen ist die Testpflicht in den vergangen Monaten ohnehin weggefallen. Wie realistisch ist die Inzidenz jetzt noch?

Gesundheitsminister Lauterbach geht davon aus, dass die Zahl der tatsächlichen Neuinfektionen mehr als doppelt so hoch ist als bekannt. Wie hoch die Dunkelziffer bei der Inzidenz genau ist, weiß niemand. Experten führen sie unter anderem darauf zurück, dass viele Gesundheitsämter überlastet sind und längst nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur diese zählen in der Statistik. Es gibt bereits Gesundheitsämter in Deutschland, die tägliche Veröffentlichungen zu den Corona-Zahlen eingestellt haben, mit der Begründung, dass die offizielle Statistik kaum mehr Aussagewert habe.