DIN 5009

"A wie Augsburg" statt "A wie Anton"

So sah die Buchstabiertafel bisher aus - das soll sich nun ändern.

So sah die Buchstabiertafel bisher aus - das soll sich nun ändern.

Bild: Christoph Soeder

So sah die Buchstabiertafel bisher aus - das soll sich nun ändern.

Bild: Christoph Soeder

Die deutsche Buchstabiertafel enthält 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. Nun sollen statt Namen Städte für die Buchstaben stehen.
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dpa
16.08.2021 | Stand: 09:58 Uhr

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet an einer neuen Fassung der Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung mit Ortsnamen statt Vornamen. Die DIN 5009 regelt, mit welchen Wörtern beim Diktieren Buchstaben verdeutlicht werden. Sie wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt, Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind nicht betroffen. Zwar ist die Nutzung nicht verpflichtend, sie kommt aber etwa in Lehrbüchern vor.

"C wie Cäsar" entspricht nicht der heutigen Lebensrealität

Bislang werden vor allem Vornamen ("C wie Cäsar", "E wie Emil") genutzt - und zwar 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. "Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität", teilte das Institut mit. Es sei nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien ein guter Kompromiss.

In dem Entwurf setzt man vor allem auf Orte, die ein Autokennzeichen mit einem Buchstaben haben. Man habe versucht, die Bundesländer in Ost und West ausgeglichen auszuwählen.

Bei "Eszett" und "Ypsilon" bleibt es bei der einfachen Bezeichnung der Buchstaben. Die Umlaute heißen nicht mehr "Ärger", "Ökonom" und "Übermut", sondern Umlaut-A, Umlaut-O und Umlaut-U.

Viele Städte zeigten sich erfreut: "Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würden wir als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren", hieß es etwa aus Tübingen. Die Stadt könnte bald fürs "T" stehen.

Nationalsozialisten hatten alle jüdischen Namen aus der Tafel entfernt

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Das DIN arbeitet schon seit vergangenem Herbst an den neuen Diktierregeln. Ausgelöst hat die Reform Michael Blume, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn stört, dass in der aktuellen Tafel Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken. Die hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried. Zwar wurde die Tafel nach 1945 einige Male überarbeitet. Doch Nathan blieb draußen, Nordpol drin - jetzt könnte daraus Nürnberg werden.

Die Ende Juli vorgestellte Fassung mit den Ortsnamen ist ein Entwurf, Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an die Behörde wenden. Die endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet.

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