Corona-Pandemie

Experten schließen vierte Corona-Welle nicht aus

Eigentlich hoffen alle, dass mit den Impfungen die Corona-Pandemie weitgehend im Griff ist. Doch das könnte täuschen, warnt nicht nur SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Eigentlich hoffen alle, dass mit den Impfungen die Corona-Pandemie weitgehend im Griff ist. Doch das könnte täuschen, warnt nicht nur SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Eigentlich hoffen alle, dass mit den Impfungen die Corona-Pandemie weitgehend im Griff ist. Doch das könnte täuschen, warnt nicht nur SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Viele feiern draußen, aber Ministerin Karliczek und SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach warnen vor regionalen Corona-Ausbrüchen und Ärzte vor der Delta-Variante.
10.06.2021 | Stand: 09:40 Uhr

Das meist gute Wetter und die niedrigen Inzidenzzahlen sorgen bundesweit in den Städten und auf dem Land für ähnliche Bilder: Menschenmassen in Parks, an öffentlichen Treffpunkten und in den Biergärten. Abstand wird oft nicht mehr eingehalten, es hat den Eindruck, als sei Corona schon Geschichte. Besonnene Bürgerinnen und Bürger fragen sich, ob da die vierte Corona-Welle nicht praktisch schon vorprogrammiert ist? Experten schätzen die Gefahrenlage aktuell vorsichtig optimistisch ein. Dies gilt aber nur, wenn es die Menschen nicht übertreiben – und wenn sich die gefährliche Delta-Variante nicht doch noch verbreitet.

„Die Menschenansammlungen, die wir gerade an Seen oder auf öffentlichen Plätzen sehen, sind wesentlich weniger gefährlich, als sie wirken“, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unserer Redaktion. Draußen sei vieles möglich, weil sich das Virus dort nicht so schnell verbreite. Der Arzt warnte gleichzeitig aber auch vor später: „Wenn sich solche größere Treffen wieder in die Innenräume verlagern, dann droht spätestens im Herbst eine vierte Corona-Welle.“

Im Herbst könnte die vierte Corona-Welle rollen

Bundesforschungsminister Anja Karliczek bewertet die Lage ähnlich. „Im Sommer können wir die Risiken noch relativ leicht verringern, wenn wir uns draußen treffen und auch nach wie vor auf Abstand achten“, sagte die CDU-Politikerin. „Aber es muss uns bewusst sein, dass das im Herbst und Winter wieder schwieriger wird.“ Dann könnten die Infektionszahlen insbesondere regional wieder steigen, sagte die Ministerin, die auch hier inhaltlich mit Lauterbach auf einer Linie lag. Der erklärte: „Durch den Impferfolg wird sich eine mögliche vierte Corona-Welle eher in Form vieler kleinerer regionaler Ausbrüche äußern.“ Lauterbach bekräftigte seine Hoffnung, dass „ein großer Lockdown“ dann aber nicht mehr nötig sei.

Zumindest in den großen Biergärten ist eine Kontrolle der Feiernden schwierig, bei illegalen Ansammlungen ohnehin unmöglich. Testen und Impfen sind nach Einschätzung der Experten aber eine zwingende Voraussetzung dafür, dass die Corona-Kurve nicht wieder nach oben schnellt. Nach Angaben der Bundesregierung sind allerdings erst rund 23 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

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Warnung vor Coronapartys

Der Arzt und CSU-Gesundheitsexperte Stephan Pilsinger zeigte denn auch wenig Verständnis für unkoordinierte Massenansammlungen. „Auch wenn sich die Menschen jetzt so schnell wie möglich wieder Normalität wünschen, können unvernünftige Verhaltensweisen die Coronasituation wieder unnötig verschärfen und womöglich sogar eine neue Welle auslösen“ sagte er. Die Lage bleibe gefährlich, bis im Spätsommer eine Herdenimmunität erreicht sei. Pilsinger lenkte den Blick auf ein immer stärker auftretendes Phänomen, über das man wirklich nur den Kopf schütteln kann: Coronapartys, bei denen sich Menschen absichtlich anstecken, weil sie als Genesene ähnliche Vorteile wie Geimpfte haben, ohne jedoch wochenlang auf eine Impfung warten zu müssen. Solche Partys seien „im Hinblick auf mögliche Long-Covid-Symptome und die Gefährdung anderer Menschen völlig unverantwortlich“, warnte Pilsinger.

Eine vierte Welle könnte es allerdings selbst dann geben, wenn die Unvernünftigen zur Besinnung kommen. Nach Einschätzung des Marburger Bundes „verdichten sich die Anzeichen in den vorliegenden Daten, dass die Delta-Variante nicht nur sehr viel ansteckender ist als der Ursprungstyp des Virus, sondern in dieser Hinsicht auch die bei uns inzwischen vorherrschende Form B117 übertrifft“, wie die Vorsitzende Susanne Johna unserer Redaktion sagte. So lange die in Indien entdeckte Corona-Variante hierzulande klein bleibe, rechne sie im Sommer nicht mit einer vierten Welle. „Wir sollten aber wachsam bleiben und alles unternehmen, um die Einschleppung der Delta-Variante in Deutschland so gering wie möglich zu halten“, sagte Johna.

Entscheidend sei weiterhin eine hohe Durchimpfungsrate, erklärte Johna. Information sei wichtig und müsse alle Bevölkerungsschichten erreichen. Bei der Impfkampagne der Bundesregierung sehe sie da allerdings „noch erhebliche Defizite“.

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