Tipps vom ADFC

Fahrradschloss: Darauf sollte beim Kauf geachtet werden

Neben dem Schließzylinder mit Schlüssel gibt es für Bike-Besitzer viele Möglichkeiten, ihr Fahrrad gegen Diebstahl abzusichern. (Symbolbild)

Neben dem Schließzylinder mit Schlüssel gibt es für Bike-Besitzer viele Möglichkeiten, ihr Fahrrad gegen Diebstahl abzusichern. (Symbolbild)

Bild: Hauke-Christian Dittrich,dpa

Neben dem Schließzylinder mit Schlüssel gibt es für Bike-Besitzer viele Möglichkeiten, ihr Fahrrad gegen Diebstahl abzusichern. (Symbolbild)

Bild: Hauke-Christian Dittrich,dpa

Sicherheit geht vor, auch beim Fahrrad. Doch Ihnen fällt die Wahl des richtigen Schlosses schwer? Diese Arten gibt es und darauf sollten Sie beim Kauf achten.
14.09.2021 | Stand: 09:17 Uhr

Das Fahrrad liegt im Trend: Rund 80 Prozent aller deutschen Haushalte besitzen so mindestens ein Fahrrad. Umso ärgerlicher also, wenn dieses gestohlen wird. Ein gutes und vor allem sicheres Fahrradschloss kann dies jedoch verhindern. Nähere Informationen dazu bietet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC). Worauf Allgäuer beim Kauf eines Fahrradschlosses achten sollten, verrät Tobias Heilig vom ADFC Kempten-Oberallgäu.

Hauptsache Diebe werden abgeschreckt

"Es kommt nicht nur auf das Schloss an", sagt der Kreisvorsitzende. "Wichtig ist, dass das Fahrrad zum Beispiel an einem Laternenpfahl angeschlossen ist, damit es nicht weggetragen werden kann." Je länger ein Dieb brauche, um das Fahrradschloss zu knacken desto besser. "Nach rund drei Minuten bekommen es Diebe in der Regel mit der Angst zu tun, wenn sie das Schloss bis dahin nicht aufbekommen haben", erklärt Heilig. Dadurch ließen sie sich leichter von einem Diebstahl abschrecken. Nicht empfehlenswert seien daher leicht zu knackende Schlösser mit Spiralkabel oder dünnem Draht. Mehr Sicherheit dagegen bieten Bügel-, Falt- und dicke Kettenschlösser, so der Kemptener.

Keine Blindkäufe

Der Faktor "Sicherheit" spielt beim Kauf des Fahrradschlosses verständlicher Weise die wichtigste Rolle. Doch um das richtige Schloss zu finden, sollten sich Eigentümer bereits vor dem Kauf überlegen: welches passt am besten zu meinen Bedürfnissen?

Wer etwa seinen fahrbaren Untersatz am viel besuchten Bahnhof abstellt, darf beim Kauf ruhig etwas tiefer in die Geldbörse greifen als jemand, der sein Fahrrad im eigenen Hinterhof parkt. Auch wie lange man sein Fahrrad im Normalfall unbeaufsichtigt lässt, sollte man beim Kauf des Schlosses einkalkulieren.

Doch woher wissen Käufer, wie sicher ein Schloss überhaupt ist?

Hersteller unterstützen bei der Orientierung

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Dazu sollten Fahrradschloss-Käufer die Sicherheitsstufen im Blick haben, welche die Hersteller angeben. Doch aufgepasst: Da es keine offizielle einheitliche Sicherheitsskala gibt, fallen die Sicherheitsstufen je nach Hersteller unterschiedlich aus. Bei unbekannten Herstellern sollte allerdings Vorsicht geboten werden. Dem Siegel der Institution „Vertrauen durch Sicherheit“ (VdS) dagegen dürfen Käufer uneingeschränkt Glauben schenken. Die Auszeichnung ist nämlich vor allem bei Versicherungen anerkannt. Wer also ein besonders teures Gefährt erworben hat und dieses versichern möchte, sollte das Zertifikat beim Kauf eines Schlosses im Blick haben.

Übrigens: Ein gutes Fahrradschloss sichert nicht nur gut ab, sondern ist auch einfach bedienbar. Weitere Kriterien, die man beim Kauf beachten sollte, sind unter anderem die Witterungsbeständigkeit, Flexibilität sowie der Preis. "Gute Fahrradschlösser gibt es ab circa 50 Euro aufwärts", weiß ADFC-Mitglied Heilig. Auch das Gewicht des Schlosses sei relevant, denn hier gelte: Je schwerer desto sicherer.

Tobias Heilig sagt: "Das beste Fahrradschloss ist nur so gut wie seine schwächste Stelle." Deswegen müsse auch der Schlosskörper selbst von guter Qualität und nicht leicht zu knacken sein. Auch, wenn das einiges an Gewicht bedeutet. "Gute Schlösser wiegen in der Regel mehr als ein Kilo", erklärt der 49-Jährige.

Schließzylinder, Zahlencode oder Bluetooth: Die verschiedenen Schließmechanismen

Die Klassiker sind der Schließzylinder mit Schlüssel und das Code-Schloss.

Bei ersterem steckt der Eigentümer den Schlüssel in das Schloss und entsperrt so das Fahrrad. Bei letzterem überlegt sich der Bike-Nutzer einen Zahlencode, den er über einen Drehmechanismus am Schloss eingibt. Beide Varianten bergen allerdings auch Risiken.

Wer etwa zur Vergesslichkeit neigt und gerne mal seine Schlüssel verlegt, sollte besser keinen Schließzylinder ins Auge fassen. Beim Code-Schloss dagegen besteht die Gefahr, dass Diebe beim Aufschließen des Fahrrads die richtige Zahlenkombination erkennen.

Wer mit beiden Schloss-Varianten nichts anfangen kann, muss jedoch nicht verzagen. Denn die Digitalisierung hält auch im Bereich der Fahrradsicherung Einzug. So lassen sich Bluetooth-Schlösser unkompliziert per App bedienen. Je nach Hersteller öffnet sich das Schloss zum Beispiel per Knopfdruck auf dem Smartphone oder alarmiert bei einem Diebstahlversuch sogar den Besitzer.

Nicht vergessen: Bei einem Zahlen-Schloss ist ein fünfstelliger Code sinnvoll. (Symbolbild)
Nicht vergessen: Bei einem Zahlen-Schloss ist ein fünfstelliger Code sinnvoll. (Symbolbild)
Bild: Martin Gerten,dpa

Die verschiedenen Fahrradschlösser im Vergleich

Die Stiftung Warentest hat in ihrem neuesten Fahrradschlosstest die besten Varianten vorgestellt.

  • Bügelschloss:
    + Vorteil: Dank massiver Metall­bügel trotzen Bügelschlösser den meisten Fahrraddieben. Je größer der Durchmesser des U-förmigen Bügels ist, desto sicherer ist das Schloss.
    - Nachteil: Aufgrund ihrer Massivität sind sie nicht besonders anpassungsfähig. Die Handhabung ist dadurch weniger flexibel als bei anderen Schlössern.
  • Faltenschloss:
    + Vorteil: Das Falt- oder auch Gelenkschloss ist durch seine geringe Größe sehr handlich und lässt sich leicht verstauen.
    - Nachteil: Falt­schlösser sind laut Stiftung Warentest oft weniger stabil als Bügelschlösser oder Kettenschlösser.
  • Kettenschloss:
    + Vorteil: Das Schloss setzt sich aus einzelnen Kettengliedern zusammen. Je massiver diese sind desto schwerer können Diebe sie aufbrechen. Ebenfalls praktisch: Sie lassen sich flexibel anbringen.
    - Nachteil: Kettenschlösser bringen bis zu vier Kilo auf die Waage. Eine Halterung gibt es zudem meistens nicht.
  • Textilschloss:
    + Vorteil: Sie sind stabiler als der Name vermuten lässt. Denn unter der Textilschicht liegt ein Metallkern.
    - Nachteil: Durch den Metallkern sind manche Textilschlösser etwas sperrig und erfordern ein gewisses Maß an Kraft. Auch hier fehlen Halterungen oft.
  • Panzerkabelschloss:
    + Vorteil: Sein wuchtiges Aussehen schreckt potenzielle Diebe ab. Trotzdem sind Panzerkabelschlösser leichter als sie aussehen.
    - Nachteil: Ist die Hülle erst einmal aufgebrochen, bietet das innen liegende Drahtseil gegenüber Dieben keinen allzu großen Widerstand mehr.
  • Rahmenschloss:
    + Vorteil: Es ist aufgrund der geringen Größe und seines leichten Gewichts direkt am Rahmen angebracht. Beim Kauf ist eine Transporttasche für eine Zusatzkette oft inklusive.
    - Nachteil: Ohne den Schutz einer Zusatzkette lässt sich das Rahmenschloss leicht umgehen. Zwar können Diebe nicht damit davonfahren. Wegtragen oder das Schloss aufbrechen dagegen schon.

Das empfiehlt der Fahrrad-Experte

Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt am besten zwei verschiedene Schlösser, so Tobias Heilig. "Diebe spezialisieren sich nämlich oft auf eine bestimmte Schlossart." Welche Kombination er empfehle? "Falt- und Bügelschlösser", sagt er. Der Kemptener ergänzt: "Lange Faltschlösser eignen sich durch ihre Flexibilität zum Beispiel gut, um das Fahrrad an einem Baum zu befestigen. Bügelschlösser sind stabil und praktisch, eignen sich aber nicht für Befestigungen an Gegenständen mit einem größeren Durchmesser." Für Alltagsradler empfehle er das Bügelschloss.

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