Vorermittlungen begonnen

Fall Nawalny: Russland will an deutschen Ermittlungen teilnehmen

Der Kremlkritiker Nawalny wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Er war Mitte August während eines Flugs zusammengebrochen.

Der Kremlkritiker Nawalny wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Er war Mitte August während eines Flugs zusammengebrochen.

Bild: Pavel Golovkin, dpa (Archivbild)

Der Kremlkritiker Nawalny wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Er war Mitte August während eines Flugs zusammengebrochen.

Bild: Pavel Golovkin, dpa (Archivbild)

Im Fall des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny, der in Deutschland behandelt wird, will sich die russische Polizei an den Ermittlungen beteiligen.

Der Kremlkritiker Nawalny wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Er war Mitte August während eines Flugs zusammengebrochen.
dpa
11.09.2020 | Stand: 11:01 Uhr

Die Polizeieinheit ist zuständig für die Aufklärung von Verbrechen auf Verkehrswegen. Bisher hatte Moskau stets Ermittlungen im Fall Nawalny abgelehnt, weil es nach Kremlangaben keinen Hinweis auf eine Vergiftung des Oppositionellen auf russischem Staatsgebiet gab. Die Transportpolizei teilte nun mit, dass es Vorermittlungen gebe, die andauerten.

Keine Hinweise auf Vergiftung

Es gehe um Voruntersuchungen im Zusammenhang mit der Krankenhausbehandlung Nawalnys, sagte ein Sprecher. Nawalny war am 20. August während eines Flugs von der sibirischen Stadt Tomsk nach Moskau unter Schmerzen zusammengebrochen. Er kam nach einer Zwischenlandung in Omsk in ein Krankenhaus. Ärzte dort versetzten ihn in ein künstliches Koma. Sie sahen keine Hinweise auf eine Vergiftung, sondern stellten lediglich eine Stoffwechselstörung fest. Am 22. August wurde Nawalny nach Berlin ausgeflogen, wo er inzwischen aus dem Koma erwacht ist.

Deutsche Spezialisten hatten nach offiziellen Angaben zweifelsfrei eine Vergiftung mit einem verbotenen Chemiewaffen-Kampfstoff aus der Gruppe des in der Sowjetunion entwickelten Nervengifts Nowitschok nachgewiesen. Nach Darstellung der Transportpolizei ist inzwischen der gesamte Aufenthalt Nawalnys samt aller Orte in Sibirien chronologisch nachgezeichnet worden. Die Ermittler veröffentlichten diese Ergebnisse. Auch fünf von sechs Begleitern Nawalnys seien befragt worden. Zudem solle nun zu den Passagieren des Flugzeugs Kontakt aufgenommen werden, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

(Wie die Sicherheitsmaßnahmen für Putin-Kritier Nawalny verschärft wurden, lesen Sie hier.)

Die Ermittler versuchen demnach auch, Kontakt zu einer sechsten Begleiterin Nawalnys zu bekommen. Die namentlich genannte Frau mit britischem Pass habe am 20. August Angaben verweigert. Sie sei am 22. August nach Deutschland ausgereist, es sei seither unmöglich gewesen, von ihr eine Aussage zu bekommen. "Im Moment wird ihr Aufenthaltsort ermittelt", hieß es in der Mitteilung der Polizei.

(Wie der internationale Druck auf Russland nach dem Giftanschlag auf Nawalny wächst, lesen Sie hier.)