Haitis Präsident Moïse erschossen

Festnahmen nach Präsidentenmord in Haiti - Verdächtige eingekreist

Polizisten werden von Menschen, die gegen die Ermordung des haitianischen Präsidenten Moise protestieren, in der Nähe der Polizeistation von Petion Ville eingeengt.

Polizisten werden von Menschen, die gegen die Ermordung des haitianischen Präsidenten Moise protestieren, in der Nähe der Polizeistation von Petion Ville eingeengt.

Bild: Joseph Odelyn, AP, dpa

Polizisten werden von Menschen, die gegen die Ermordung des haitianischen Präsidenten Moise protestieren, in der Nähe der Polizeistation von Petion Ville eingeengt.

Bild: Joseph Odelyn, AP, dpa

Bei der Fahndung nach den Mördern von Haitis Präsident Jovenel Moïse hat die Polizei Fortschritte gemeldet. Es wurden sechs mutmaßliche Täter festgenommen.
##alternative##
dpa
08.07.2021 | Stand: 22:13 Uhr

Außerdem seien fünf Fahrzeuge beschlagnahmt worden, erklärte Polizeichef Léon Charles am Donnerstag im Fernsehen. Zuvor hatte die Polizei bereits mitgeteilt, vier Verdächtige seien getötet worden. Nach Angaben eines Regierungssprechers stammten alle vier aus dem Ausland.

Weitere mutmaßliche Attentäter seien von Einsatzkräften in zwei Häusern in der Hauptstadt Port-au-Prince eingekreist worden, sagte die UN-Sonderbeauftragte für Haiti, Helen La Lime, in einer Online-Pressekonferenz der Vereinten Nationen. Die US-Zeitung "Washington Post" berichtete unter Berufung auf den für Wahlen zuständigen haitianischen Minister Mathias Pierre, einer der Festgenommenen sei US-Amerikaner haitianischer Herkunft.

Haitis Präsident Moïse erschossen

Der 53 Jahre alte Moïse war in der Nacht zum Mittwoch in seiner Residenz erschossen worden. Seine Ehefrau Martine wurde schwer verletzt. Sie wurde zur Behandlung nach Miami in den USA gebracht. Die Zeitung "Le Nouvelliste" berichtete, Moïses Leichnam habe zwölf Einschusslöcher, zum Teil von großkalibrigen Waffen. Haitis Botschafter in den USA, Bocchit Edmond, bezeichnete die Attentäter als gut ausgebildete und schwer bewaffnete ausländische Söldner. Sie hätten sich als Agenten der US-Drogenbehörde DEA ausgegeben.

La Lime berichtete auch, dass Haiti den UN-Sicherheitsrat um zusätzliche Sicherheitsunterstützung gebeten habe. Es war zunächst unklar, um was genau es sich dabei handeln soll. Auch habe Haitis UN-Botschafter internationale Unterstützung bei den Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat angefragt. La Lime betonte, dass die Vereinten Nationen zu Hilfe bereit seien. Auch die USA sind nach Angaben der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, dazu bereit. Voraussetzung sei, dass es eine formelle Bitte gebe.

Port-au-Prince: Aufruhr in Haiti nach Tod des Präsidenten

In sozialen Medien wurden Videos verbreitet, die zeigen sollen, wie Menschengruppen auf den Straßen von Port-au-Prince mutmaßliche Täter gefangennahmen. Auf einem Video des Portals "Journal La Diaspora" war eine große Menschenmenge zu sehen, die sich demnach vor einer Polizeistation versammelt hatte, um die Festgenommenen zu töten.

Lesen Sie auch
##alternative##
Haiti

Mindestens 724 Tote: Schweres Erdbeben erschüttert Haiti

Auf Twitter wurde auch berichtet, es würden kubanische Ärzte in Haiti angegriffen. Interims-Premierminister und Außenminister Claude Joseph hatte gesagt, die Attentäter hätten Spanisch und Englisch gesprochen. Haitianisches Kreol und Französisch sind die Amtssprachen in Haiti.

Das Attentat hinterlässt ein Machtvakuum. Da eine für Oktober 2019 vorgesehene Parlamentswahl unter anderem wegen heftiger Proteste gegen Moïse ausgefallen war, gibt es dort seit Januar 2020 kein handlungsfähiges Parlament mehr. Moïse regierte seither per Dekret.

Kurz vor seiner Ermordung hatte Moïse am Montag den Neurochirurgen Ariel Henry zum Interims-Premierminister ernannt. Den Titel hatte seit April Joseph inne, der allerdings mangels Parlament nie verfassungsmäßig im Amt bestätigt wurde. Weil Henry bisher nicht vereidigt wurde, nahm Joseph das Heft in die Hand: Er berief eine Sitzung des Ministerrats ein, trat vor die Kameras und unterschrieb Erlasse für 15 Tage Belagerungszustand und Staatstrauer.

Moïse, der seit 2017 regierte, war äußerst unbeliebt. Ihm wurden Korruption, Verbindungen zu brutalen Banden und autokratische Tendenzen vorgeworfen. Proteste legten Haiti in den vergangenen drei Jahren immer wieder lahm. Zuletzt trieben blutige Kämpfe zwischen Banden um die Kontrolle über Teile der Hauptstadt Tausende Menschen in die Flucht. Am 26. September sind Präsidenten- und Parlamentswahlen sowie ein Verfassungsreferendum geplant. Joseph hat erklärt, an dem Datum festhalten zu wollen.