Internet-Gigant feiert Jubiläum

Großes Vertrauen und tiefes Misstrauen: 20 Jahre Google in Deutschland

Google und seine zahlreichen Angebote sind für viele Internetnutzer heutzutage kaum noch wegzudenken. Vor 20 Jahren kam der Internet-Riese nach Deutschland und bezog in Hamburg sein Büro. Seitdem gab es viel Lob, aber auch viel Kritik für das US-amerikanische Unternehmen.

Google und seine zahlreichen Angebote sind für viele Internetnutzer heutzutage kaum noch wegzudenken. Vor 20 Jahren kam der Internet-Riese nach Deutschland und bezog in Hamburg sein Büro. Seitdem gab es viel Lob, aber auch viel Kritik für das US-amerikanische Unternehmen.

Bild: Zacharie Scheurer, dpa (Symbolbild)

Google und seine zahlreichen Angebote sind für viele Internetnutzer heutzutage kaum noch wegzudenken. Vor 20 Jahren kam der Internet-Riese nach Deutschland und bezog in Hamburg sein Büro. Seitdem gab es viel Lob, aber auch viel Kritik für das US-amerikanische Unternehmen.

Bild: Zacharie Scheurer, dpa (Symbolbild)

Deutschland ist für Google ein wichtiger Standort. In Hamburg öffnete der Konzern vor 20 Jahren sein zweites Büro außerhalb der USA. Ein Rückblick zum Jubiläum.
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dpa
08.10.2021 | Stand: 09:49 Uhr

Die treusten Fans von Google sitzen in Deutschland. Das sagt zumindest die Statistik von Statcounter. Treuer jedenfalls als in der amerikanischen Heimat. Während in Deutschland 91 Prozent der Internetnutzer Google ihre Suchanfragen anvertrauen, sind es in den USA "nur" rund 87 Prozent. Auch bei den Smartphones setzen die Menschen in Deutschland mehrheitlich auf die Google-Karte und verwenden mehrheitlich ein Android-Gerät, während in den USA Apple mit seinem iPhone in Führung liegt.

Google eröffnete vor 20 Jahren sein Büro in Hamburg

Google ist in Deutschland aber nicht nur der allgegenwärtige Internetriese, der Suchanfragen beantwortet, Clouddienste zur Verfügung stellt oder bei der Navigation zuverlässig den Weg weist. Mit vier Standorten - Hamburg, Berlin, München und Frankfurt - und über 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Konzern ein wichtiger Arbeitgeber. Indirekt hängen sogar hunderttausende Jobs in Deutschland von dem US-Konzern ab.

Den Anfang machte Google am 10. Oktober 2001 in Hamburg in einem Mietbüro mit zwei Schreibtischen. Hier ging es zunächst darum, einen Vertrieb für das Anzeigengeschäft aufzubauen. Inzwischen arbeiten in der Hansestadt rund 550 "Googler" in den Bereichen Kommunikation, Recht, Marketing, Personal und Vertrieb. (Lesen Sie auch: Zuckerberg weist Vorwürfe von Facebook-Whistleblowerin zurück)

Google als Suchmaschine Nummer Eins - Unternehmen stand aber immer wieder in der Kritik

Da die Hansestadt von den politischen Entscheidungen in Berlin zu weit weg war, zog zunächst Annette Kroeber-Riel 2007 in die Hauptstadt, die heute Googles politische Arbeit in ganz Europa leitet. Inzwischen kümmern sich mehr als 280 Mitarbeiter in Berlin nicht nur um die Politik, sondern auch um Bereiche wie YouTube, Künstliche Intelligenz und Google für Start-ups.

Die neue Nähe zu politischen Debatten konnte allerdings nicht verhindern, dass Google 2010 mit seinen Kamerawagen für Google Street View im übertragenen Sinne krachend vor die Mauer fuhr. Die Menschen hatten Google zwar inzwischen zu ihrer Lieblings-Suchmaschine erkoren. Doch als die Google-Autos mit einem drei Meter hohen Kameraaufbau durch die Straßen fuhren, bekamen viele ein mulmiges Gefühl.

Ein Fahrzeug des Internetkonzerns Google steht in Hamburgs Hafencity. Das Elektroauto mit Sensortechnik soll die Luftqualität messen. In Zusammenarbeit mit dem Science Lab der Hafencity Universität soll dann eine interaktive Luftqualitätskarte entstehen.
Ein Fahrzeug des Internetkonzerns Google steht in Hamburgs Hafencity. Das Elektroauto mit Sensortechnik soll die Luftqualität messen. In Zusammenarbeit mit dem Science Lab der Hafencity Universität soll dann eine interaktive Luftqualitätskarte entstehen.
Bild: Markus Scholz, dpa (Archiv)

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Google sagte damals zu, die Gesichter von Passanten und Kennzeichen automatisch zu verpixeln. Doch das reichte vielen nicht aus. Datenschützer erreichten damals ein Vorabwiderspruchsrecht. Damit konnten Betroffene beantragen, ihre Fassadensansichten verpixeln zu lassen. In der Folge wurden rund 250 000 Anträge eingereicht und die Street View in manchen Gegenden quasi unbrauchbar gemacht.

Verschärft wurde die Street-View-Krise 2010 durch einen handfesten Datenschutz-Skandal. Die Hamburger Datenschützer entdeckten bei einer umfassenden Analyse eine unerlaubte Datenschnüffelei. Dabei zeichneten die Google-Autos im Vorbeifahren auch den Datenverkehr von unverschlüsselt betriebenen WLAN-Hotspots auf. Das Unternehmen sprach von einem Versehen und einem persönlichen Fehler eines Mitarbeiters. (Lesen Sie auch: Eva Webers Rückzug von Facebook: „Da sitzen Sie fassungslos vor Ihrem Account“)

Google Street View sorgte 2010 für Skandal - und für verschärfte Debatte um Datenschutz

Zehn Jahre später zog der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar diese Bilanz: "Die Auseinandersetzung um Google Street View war der erste und gleichzeitig der letzte Kampf der analogen Welt mit der machtvoll heraufziehenden digitalen Moderne, die mit dem flächendeckenden Einsatz von digitaler Technik in die Alltagswelt vieler Menschen Einzug hielt."

Vielleicht hat der Skandal von 2010 Google intern auch den Anstoß gegeben, ausgerechnet Deutschland zu Schwerpunkt seiner Datenschutzbemühungen zu machen. Das Thema wurde in München angesiedelt. "Wenn wir Entwicklerinnen und Entwickler in Deutschland haben, die verstehen, warum das Thema Datenschutz so wichtig ist und dann auch mit einer gewissen Leidenschaft an dem Thema arbeiten, dann kommt auch das bessere Produkt dabei raus. Und zwar nicht nur für Deutschland, sondern auch international", sagt Wieland Holfelder. Er leitet seit 2008 den Engineering-Bereich für Google in Deutschland. (Lesen Sie auch: Wieso #facebookdown eine Gefahr für Leben und Existenzen bedeuten kann)

Google-Standort in München mit mehr als 1.500 Mitarbeitern

Wichtig sei, dass Google transparent mache, wofür Daten verwendet werden und dass die Nutzer die Kontrolle haben, betont Holfelder. "Wenn ich meine Standortdaten mit Google teile, dann kann mich Google darauf hinweisen, wann ich das Haus verlassen muss, um pünktlich am Flughafen oder beim nächsten Meeting zu sein, weil dann die Strecke zwischen meinem Aufenthaltsort und dem Ziel angeschaut und dabei die Verkehrslage berücksichtigt werden kann."

Inzwischen ist München mit mehr als 1.500 Mitarbeitern der größte deutsche Standort. Google München hat sogar ein eigenes Bier, "gBräu" wird von einem echten Münchner Braumeister mit amerikanischen Cascade Hopfen gebraut - streng nach dem Deutschen Reinheitsgebot.

Mit dem Google-Quantenprozessor "Sycamore" gelang dem Unternehmen im Jahr 2019 der Durchbruch in Sachen Quantencomputer. Dieser Prozessor wurde dem Deutschen Museum als erstem Museum der Welt übergeben.
Mit dem Google-Quantenprozessor "Sycamore" gelang dem Unternehmen im Jahr 2019 der Durchbruch in Sachen Quantencomputer. Dieser Prozessor wurde dem Deutschen Museum als erstem Museum der Welt übergeben.
Bild: Peter Kneffel, dpa (Archiv)

Achim Berg, der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, stellt fest, dass Google in Deutschland nicht nur einen Absatzmarkt sehe, sondern auch einen Standort für Entwicklung und Infrastruktur. "Das zeigt: Wir haben kluge Köpfe, nicht nur für die klassischen Industrien, sondern ebenso für die digitale Wirtschaft."

Selbst der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber findet zum Jubiläum zunächst freundliche Worte und nennt Google einen "Weltkonzern mit spannenden Produkten und großer Innovationskraft". Doch er kenne auch "die andere Seite nur zu gut": "Google verwendet jede Nutzung seiner Produkte, Services, Tools und Programmbibliotheken für die Bildung von Datenprofilen der Bürgerinnen und Bürger." Google habe aus seiner Sicht einen "Überwachungskapitalismus" eingeführt und baue ihn immer weiter aus.

netzpolitik.org macht sich für Regulierung des Internet-Riesen stark

Für eine Regulierung des Internetriesen setzt sich auch der Aktivist Markus Beckedahl von netzpolitik.org ein: Google sei seit 2001 zu einem der mächtigsten Player der digitalen Welt aufgestiegen. "Das Unternehmen dominiert unter anderem durch frühe Aufkäufe von möglichen Konkurrenten mehrere Märkte." Die Diskussion um das Gesetzespaket "Digitale Dienste" auf EU-Ebene müsse genutzt werden, um die Marktmacht von Google und Co. wirksam zu begrenzen.

In einem anderen konfliktträchtigen Bereich zeichnet sich unterdessen für Google etwas Entspannung ab, nämlich im Dauerstreit mit Verlagen in Deutschland. Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und Chef des Medienkonzerns Axel Springer, sagte auf dem jüngsten BDZV-Kongress, bei den US-Plattformen wachse die Erkenntnis, dass Medieninhalte nicht ohne kommerzielle Gegenleistung für kommerzielle Zwecke genutzt werden können. "Google zeigt jetzt in Verhandlungen ausdrücklich: Sie sind lizenzwillig. Das ist ein völlig neuer Ton", sagte Döpfner. (Lesen Sie auch: "Live.Art Digital": Kaufbeuren will den Alltag smarter machen)