Explosions-Katastrophe im Libanon

"Ihr seid alle Mörder": Macron bei Besuch in Beirut übel beschimpft

Französische und libanesische Feuerwehrleute suchen in den Trümmern eines Gebäudes nach einer Explosion am Hafen nach Überlebenden. Nach den verheerenden Explosionen in Beirut mit mindestens 130 Toten ist Frankreichs Staatschef Macron in der libanesischen Hauptstadt eingetroffen, um die Solidarität Frankreichs gegenüber den Libanesen ausdrücken.

Französische und libanesische Feuerwehrleute suchen in den Trümmern eines Gebäudes nach einer Explosion am Hafen nach Überlebenden. Nach den verheerenden Explosionen in Beirut mit mindestens 130 Toten ist Frankreichs Staatschef Macron in der libanesischen Hauptstadt eingetroffen, um die Solidarität Frankreichs gegenüber den Libanesen ausdrücken.

Bild: Hassan Ammar/dpa

Französische und libanesische Feuerwehrleute suchen in den Trümmern eines Gebäudes nach einer Explosion am Hafen nach Überlebenden. Nach den verheerenden Explosionen in Beirut mit mindestens 130 Toten ist Frankreichs Staatschef Macron in der libanesischen Hauptstadt eingetroffen, um die Solidarität Frankreichs gegenüber den Libanesen ausdrücken.

Bild: Hassan Ammar/dpa

Nur langsam kommen die Bewohner Beiruts nach der Katastrophe zu sich. Der französische Präsident Emmanuel Macron besucht die Stadt und wird beschimpft.

Französische und libanesische Feuerwehrleute suchen in den Trümmern eines Gebäudes nach einer Explosion am Hafen nach Überlebenden. Nach den verheerenden Explosionen in Beirut mit mindestens 130 Toten ist Frankreichs Staatschef Macron in der libanesischen Hauptstadt eingetroffen, um die Solidarität Frankreichs gegenüber den Libanesen ausdrücken.
dpa
06.08.2020 | Stand: 16:57 Uhr

Nach der gewaltigen Explosion in Beirut mit mehr als 130 Toten und Tausenden Verletzten geht die Suche nach Opfern sowie nach der Ursache weiter. Eine Untersuchungskommission der Regierung soll innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht vorlegen. Der russische Ex-Besitzer eines Frachtschiffes, das hochexplosives Ammoniumnitrat in den Hafen gebracht haben soll, wies jegliche Verantwortung von sich. Unterdessen wurde bekannt, dass bei der Katastrophe auch eine deutsche Diplomatin getötet wurde.

Macron spricht von "historischer Verantwortung" Frankreichs

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach bei einem kurzfristigen Besuch in Beirut von einer "historischen Verantwortung" der politischen Führung. Das libanesische Volk sei Opfer einer "politischen, moralischen, wirtschaftlichen und finanziellen Krise". Macron sollte am Donnerstag unter anderem mit seinem Amtskollegen Michel Aoun und Regierungschef Hassan Diab zusammentreffen, um Grundlagen für einen Wiederaufbauvertrag zu schaffen. Die frühere Mandatsmacht Frankreich ist dem Land weiterhin eng verbunden.

Frankreichs Staatschef übel beschimpft: "Ihr seid alle Mörder"

Macron wurde bei einer Tour durch ein zerstörtes Viertel teils wütend beschimpft. "Ihr seid alle Mörder", schrie eine Frau unter Tränen von einem Balkon. "Wo waren Sie, als diese Bomben im Hafen gelagert wurden?" Macrons libanesischer Amtskollege Michel Aoun wurde als "Terrorist" beschimpft. Ein Mann näherte sich Macron und rief: "Bitte helfen Sie uns."

In Beirut hatte eine heftige Detonation am Dienstag große Teile des Hafens zerstört und ganze Straßen im Zentrum in Scherben und Trümmer gelegt. Spekuliert wird, dass große Mengen an Ammoniumnitrat, die jahrelang im Hafen ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert wurden, explodierten. Der Verdacht richtet sich dabei auf das unter moldauischer Flagge fahrende Frachtschiff "Rhosus", das 2013 große Mengen der gefährlichen Substanz in den Hafen gebracht haben soll.

WHO brachte 20 Tonnen Hilfsgüter in den Libanon

Auch die Hilfe Deutschlands sowie anderer Länder und internationaler Organisationen lief weiter an. Die Weltgesundheitsorganisation brachte 20 Tonnen Hilfsgüter ins Land, um Hunderte Menschen mit Brand- und anderen Verletzungen zu versorgen. Die EU sagte Nothilfe in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro zu, um etwa medizinische Ausrüstung zu finanzieren. Aus der Türkei, Griechenland, Zypern und Katar traf ebenfalls Hilfe ein. Auch Israel, das mit dem der Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, will bei der Versorgung von Opfern helfen.

>> Nach Explosion im Libanon: Auch ein Allgäuer Hilfs-Team ist im Einsatz <<

Viele Krankenhäuser sind überlastet. Coronavirus-Tests und -behandlungen wurden in mehreren großen Krankenhäusern eingestellt.

Bundeswehr soll Erkundungsteam nach Beirut fliegen

Die Bundeswehr begann einen größer angelegten Hilfseinsatz. Die Luftwaffe sollte ein medizinisches Erkundungsteam der Streitkräfte nach Beirut fliegen, auch die Korvette "Ludwigshafen am Rhein" nahm von Zypern aus Kurs auf die Küstenstadt. Nach dpa-Informationen wurde auch der Luftwaffen-Airbus A310 "MedEvac" für den Transport Schwerverletzter bereitgestellt. Geprüft wird zudem, ob ein schnell verlegbares Luftrettungszentrum des Bundeswehr-Sanitätsdienstes im Libanon aufgebaut werden kann. Ein 50 Mitarbeiter starkes Team traf ebenfalls ein, um mit der Bergung und Rettung zu beginnen.

Angehörige der deutschen Botschaft getötet

Auch eine deutsche Diplomatin wurde getötet, wie Bundesaußenminister Heiko Maas mitteilte. "Unsere schlimmste Befürchtung hat sich bestätigt. Eine Angehörige unserer Botschaft in Beirut ist durch die Folgen der Explosion in ihrer Wohnung ums Leben gekommen", erklärte er. "Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts sind in tiefer Trauer um die Kollegin."

Noch immer 100 Menschen vermisst

Rettungshelfer suchten weiter nach Überlebenden. Im Einsatz waren Armeesoldaten, Mitarbeiter des Roten Kreuzes und Freiwillige. Noch immer werden dem Roten Kreuz zufolge rund 100 Menschen vermisst. "Ich warte hier, ich bewege mich nicht weg", rief eine Frau in Nähe des abgesperrten Hafens. "Mein Bruder arbeitete im Hafen und ich habe von ihm nichts gehört, seitdem es die Explosion gab."

Bedenken beim Transport des Stoffes

Der frühere Besitzer des Frachtschiffs "Rhosus" wies jegliche Verantwortung zurück. Libanesische Behörden hätten der Besatzung 2013 die Weiterfahrt untersagt, die Ladung als gefährlich eingestuft und beschlagnahmt, sagte der russische Geschäftsmann Igor Gretschuschkin der Zeitung "Iswestija". Nach seiner Darstellung begründete der Libanon damals seine Entscheidung mit fehlenden Dokumenten. Zudem hätten die Behörden Bedenken beim Transport des Stoffes gehabt, sagte er. Er sei nach einer Strafzahlung bankrottgegangen und wisse nicht, wer anschließend für die "Rhosus" verantwortlich gewesen sei.

Forderungen nach internationaler Untersuchung

Unterdessen werden die Rufe nach einer internationalen Untersuchung der Katastrophe lauter. Der führende drusische Politiker Walid Dschumblatt schloss sich entsprechenden Forderungen des früheren Regierungschefs Saad Hariri an. "Wir verlangen einen internationalen Ermittlungsausschuss, weil wir überhaupt kein Vertrauen in die herrschende Clique haben", erklärte Dschumblatt nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA.

Am Vortag hatten bereits Hariri und drei andere frühere libanesische Ministerpräsidenten gefordert, die UN oder die Arabische Liga müssten einen Ermittlungsausschuss aus unabhängigen Experten bilden. Auch Menschenrechtsorganisationen hatten eine unabhängige Untersuchung internationaler Ermittler gefordert. Libanons Innenminister Mohammed Fahmi hatte am Mittwoch dagegen erklärt, dass internationale Experten vermutlich nicht notwendig seien. Die libanesischen Fachleute hätten die nötige Kompetenz für Ermittlungen.

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