Einbruch in Dresden

Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe: Zielfahndung nach Flüchtigen durch das BKA

Einer der Verdächtigen im Fall "Grünes Gewölbe" wird abgeführt.

Einer der Verdächtigen im Fall "Grünes Gewölbe" wird abgeführt.

Bild: Robert Michael, dpa

Einer der Verdächtigen im Fall "Grünes Gewölbe" wird abgeführt.

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Die Fahndung nach den Tatverdächtigen zum Einbruch und Diebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden läuft weiterhin. Bisher gingen 81 Hinweise bei der Polizei ein.
Einer der Verdächtigen im Fall "Grünes Gewölbe" wird abgeführt.
dpa
24.11.2020 | Stand: 16:56 Uhr

Update, Dienstag, 24. November: Die Zielfahndung nach den beiden flüchtigen dringend Tatverdächtigen im Zusammenhang mit dem Einbruch ins Grüne Gewölbe Dresden läuft über das Bundeskriminalamt (BKA). Die Staatsanwaltschaft habe die Behörde am vergangenen Freitag um die Übernahme ersucht, sagte Sprecher Jürgen Schmidt am Dienstag. Sie kooperiert dabei mit der Dresdner Polizei sowie den Landeskriminalämtern (LKA) Sachsen und Berlin. Bisher gingen 81 Hinweise zum Fahndungsaufruf der Polizei ein. Konkrete Anhaltspunkte zum aktuellen Aufenthalt der Gesuchten gibt es noch immer nicht. Nach ihnen wird international gefahndet, auch Interpol veröffentlichte am Dienstag Fahndungsaufrufe.

Die 21-jährigen Zwillingsbrüder aus dem Berliner Clan-Milieu waren bei einer Razzia im Zuge der Ermittlungen zu dem Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Schatzkammermuseum vor einer Woche der Festnahme entkommen. Sie gehören zu einer arabischstämmigen Großfamilie, die auch für andere große Straftaten wie den Goldmünze-Diebstahl 2017 verantwortlich gemacht wird.

Drei junge Männer im Alter von 23 und 26 Jahren aus dem Clan waren bei dem Großeinsatz am vergangenen Dienstag festgenommen worden. Sie sind in Untersuchungshaft und haben bisher keine Angaben gemacht. Gegen die insgesamt fünf dringend Tatverdächtigen waren zuvor Haftbefehle wegen schweren Bandendiebstahls und Brandstiftung in zwei Fällen erlassen worden. Darüber hinaus wird gegen zwei weitere Mitglieder der Großfamilie ermittelt. In diesen Fällen besteht laut Schmidt derzeit kein dringender Tatverdacht - einer der beiden Männer soll an dem Einbruch beteiligt gewesen sein.

Update, Donnerstag, 19. November: Nachdem zwei Verdächtige im Zusammenhang mit dem spektakulären Juwelendiebstahl in Dresden zunächst entkommen sind, wollen Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstagnachmittag über bislang eingegangene Hinweise informieren. Die Fahndung nach den 21-jährigen Zwillingen aus einem Berliner Clan war am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy ..." erwähnt worden.

Zudem kündigten die Dresdner Ermittlungsbehörden eine Stellungnahme zu einem Bericht der Bild-Zeitung über Details der Pannen bei der Verhaftung der mutmaßlichen Täter in der Nacht zu Dienstag in Berlin an. Laut dem Zeitungsbericht soll die Polizei in der Nacht alle fünf verdächtigen jungen Männer aus dem arabischstämmigen Remmo-Clan observiert und abgehört haben. Es habe zuvor Hinweise auf eine akute Fluchtgefahr gegeben.

Nach der Verhaftung eines ersten Mannes gegen 3 Uhr habe einer der jetzt gesuchten Zwillinge gegen 4.30 Uhr seine Wohnung verlassen und sei mit dem Auto davon gefahren. Auch sein Bruder verschwand plötzlich. Beide wurden bis jetzt nicht gefunden.

Update, Donnerstag, 19. November:

Zwei Tage nach mehreren Verhaftungen wegen des spektakulären Juwelendiebstahls in Dresden sind zwei verdächtige Männer weiterhin auf der Flucht. Die Fahndung nach den 21-jährigen Zwillingen aus dem Berliner Clan-Milieu lief auch am Donnerstag noch. Ob und wie viele Hinweise zu den Gesuchten inzwischen bei der federführenden Staatsanwaltschaft in Dresden eingingen, war zunächst noch nicht bekannt. Die Fahndung wurde am Mittwochabend auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy ..." erwähnt. Das Fluchtauto des einen Mannes war bereits am Dienstagabend gefunden worden.

Die beiden Männer sollen zusammen mit den drei verhafteten Komplizen aus dem arabischstämmigen Berliner Remmo-Clan am 25. November 2019 in den historischen Teil der Dresdner Schatzkammer eingebrochen sein und dort wertvollen Juwelen-Schmuck gestohlen haben. Die Polizei war den Verdächtigen unter anderem durch Aufnahmen mehrerer Überwachungskameras, Spuren am Tatort und Spuren in einem später gefundenen Fluchtauto auf die Spur gekommen.

Kriminalisten stehen vor mühsamer Puzzlearbeit

Nach ersten Festnahmen im Zusammenhang mit dem Einbruch ins Historische Grüne Gewölbe in Dresden geht die Aufklärung des spektakulären Falles weiter. Dabei liegt vor den Kriminalisten der Soko "Epaulette" ein weiteres Stück mühsamer Puzzlearbeit, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden sagte. Die bei den Durchsuchungen in Berlin gesicherten Beweismittel, darunter Speichermedien, müssten nun ausgewertet werden. Mit Hochdruck wird zudem nach den beiden noch flüchtigen dringend Tatverdächtigen gefahndet. Bis zum Mittwochmorgen gab es zum Aufenthaltsort der beiden Gesuchten keine neuen Erkenntnisse.

Bei den bereits Festgenommenen handelt es sich um drei Männer aus dem Clan-Milieu im Alter von 23, 23 und 26 Jahren, wie die Dresdner Staatsanwaltschaft mitteilte. "Sie haben sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert." Alle drei kamen in Untersuchungshaft. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sprach von einem Warnzeichen an das Clan-Milieu.

Nach zwei weiteren Familienmitgliedern wird gesucht: Auch diesen 21-jährigen Zwillingsbrüdern werden schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung vorgeworfen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte: "Die Fahndung läuft international." Am frühen Abend gaben die Ermittler bekannt, dass ein noch gesuchtes Auto, das im Zusammenhang mit den Flüchtigen steht, gefunden wurde. Nähere Angaben dazu machte die Staatsanwaltschaft nicht. Die Fahndung nach den beiden jungen Männern dauere an.

Beim Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden wurden wertvolle Schmuckstücke gestohlen

Bei einem der spektakulärsten Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte hatten die Täter am 25. November 2019 aus der berühmten Schatzkammer Grünes Gewölbe Schmuckstücke von kaum messbarem kunsthistorischen Wert gestohlen.

Bei dem Großeinsatz am Dienstag in Berlin mit mehr als 1600 Polizisten aus acht Bundesländern, darunter Spezialeinheiten des Bundes sowie der Länder Berlin und Sachsen, wurden bis zum Abend 20 Wohnungen, zwei Garagen, ein Café und mehrere Autos in Berlin durchsucht. Schwerpunkt war der Bezirk Neukölln.

Die Auswertung von Überwachungskamera-Aufnahmen hatte die sächsische Polizei auf die Spur der Verdächtigen gebracht. Die vor und während des Diebstahls aufgenommen Bilder hätten den Ermittlern wertvolle Hinweise zum Verhalten der Täter gegeben, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Am Tatort hätten die Kriminaltechniker zudem wichtige Spuren gesichert. Weitere Hinweise habe die Polizei aus dem sichergestellten Fluchtauto, einem als Taxi getarnten Mercedes 500, erlangt.

Die Beschuldigten sind bereits polizeibekannt

Die Beschuldigten gehören zu einer polizeibekannten arabischstämmigen Großfamilie - nach Angaben der Ermittler handelt es sich um den Berliner Remmo-Clan. Dieser wird auch für andere große Straftaten wie den Goldmünzen-Diebstahl aus dem Berliner Bode-Museum 2017 verantwortlich gemacht. Dafür waren drei Männer verurteilt worden.

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Razzia in Berlin wegen Kunstraub im Grünen Gewölbe