Coronavirus

Kann ich mich nach einer Omikron-Infektion mit BA.4 oder BA.5 anstecken?

Das RKI erwartet, dass sich die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 stärker verbreiten.

Das RKI erwartet, dass sich die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 stärker verbreiten.

Bild: Britta Pedersen, dpa

Das RKI erwartet, dass sich die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 stärker verbreiten.

Bild: Britta Pedersen, dpa

Neue Omikron-Subtypen lassen die Corona-Zahlen steigen. Ein Infektiologe erklärt, was das für Genesene bedeutet und ob eine Sommerwelle droht.
18.06.2022 | Stand: 12:27 Uhr

Warme Temperaturen, kaum Einschränkungen: Die Corona-Pandemie ist derzeit bei vielen kein Thema. Doch das Virus schlägt offenbar schon vor dem Herbst zurück. Neue Subtypen der seit über fünf Monaten dominierenden Omikron-Virusvariante lassen die Fallzahlen wieder steigen. Bislang machte die Untervariante BA.2 den höchsten Anteil (87 Prozent) an den Infektionen mit Omikron in Deutschland aus. Nun scheinen ihr die Subtypen BA.4 und BA.5 den Rang abzulaufen. Das Gefährliche: Sie entkommen wohl teilweise dem bisherigen Impfschutz.

Die Subtypen werden schon in wenigen Wochen „die Mehrzahl der Nachweise“ ausmachen, teilt das RKI in seinem wöchentlichen Bericht mit. Doch was macht sie so besonders? Helfen Impfungen noch? Kann man BA.4 oder BA.5 bekommen, wenn man bereits BA.2 hatte?

Omikron: Erneute Ansteckung mit BA.4 oder BA.5 nach BA.2 möglich?

Erste Erkenntnisse lassen Forscherinnen und Forscher vermuten, dass sich bereits Genesene mit den Subtypen infizieren können. Auch diejenigen, die vorab an einer Omikron-Variante (BA.1/BA.2) erkrankt waren, können sich erneut anstecken. Gleiches gilt für Geimpfte. Kurz gesagt kann sich wohl jeder infizieren. Professor Clemens Wendtner, Corona-Experte, Immunologe und Chefarzt an der München Klinik Schwabing, stellt allerdings fest: "Wir wissen noch nicht viel." Was aber weiterhin gilt: Die Impfung hat nicht an Bedeutung verloren. Weiterhin schützt sie vor einem schweren Verlauf, auch bei Omikron. Das teilt das RKI mit.

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Corona-Variante

RKI: Keine Hinweise auf schwerere Corona-Verläufe durch BA.5 an sich

Der Anteil der BA.4- und BA.5-Fälle nimmt schnell zu. Wendtner vermutet sogar, dass die Subtypen hierzulande bereits dominant, also vorherrschend, sind. Das berichtet auch das Münchner Labor Becker, das seine Proben nach Subtypen untersucht. Laut seinen Zahlen lag der Anteil der beiden Subtypen an den Omikron-Fällen in Süddeutschland vergangene Woche bei 50,4 Prozent. Eine Woche zuvor lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Auch das RKI rechnet durch den Anstieg der Infektionen mit BA.4 und BA.5 insgesamt mit steigenden Infektionszahlen innerhalb der nächsten Wochen. Wendtner sagt: "Wir müssen wohl eine Sommerwelle erwarten." Damit könnten die Fallzahlen nicht erst im Herbst, sondern bereits "Ende Juli oder Anfang August" wieder stark steigen, schätzt Wendtner. Bislang gebe es jedoch keine Hinweise darauf, dass eine Infektion mit den Subtypen schwerer oder anders verlaufen könnte als bei anderen Omikron-Varianten. Das würden die derzeitigen Daten aus Studien zeigen, erklärt Wendtner.

Was BA.4 und BA.5 von anderen Coronavirus-Varianten unterscheidet

Die Omikron-Subtypen haben im Vergleich zu ihren ähnlichen Virusvarianten zwei Vorteile, weshalb sie sich derzeit durchsetzen. Zum einen "sind sie noch infektiöser und breiten sich daher vermutlich noch schneller aus als wir dies von BA.1 oder BA.2 bereits kennen", erklärt Wendtner. Dazu kommt, dass sie besser an den Impfschutz angepasst sind und diesen deswegen auch umgehen können.

Ein Problem ist, sagt Wendtner, dass die gängigen Impfstoffe auf frühere Varianten optimiert wurden. Es brauche deshalb Anpassungen bei neuen Impfstoffen. Und zwar möglichst schnell. Dennoch sollte man bei lang zurückliegender Impfung nicht auf den Herbst warten, es gilt die Devise: "Im Zweifel schon im Sommer boostern", sagt Wendtner.

Die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 sind unter anderem in Portugal vorherrschend

Vorherrschend sind die Subtypen derzeit vor allem in Portugal und Südafrika. Nachgewiesen wurden sie aber bereits in über 20 Ländern. In Portugal sind die Todeszahlen während der aktuellen Welle gestiegen. Ob das allerdings an den Subtypen oder auch an der vorherrschenden Hitze liegt, ist bislang nicht geklärt.

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