Nach der Explosion in Beirut

Libanon: Premierminister Diab zurückgetreten

Der libianesische Ministerpräsident Hassan Diab  will seinen Rücktritt erklären.

Der libianesische Ministerpräsident Hassan Diab will seinen Rücktritt erklären.

Bild: Dalati & Nohra, dpa (Archivbild)

Der libianesische Ministerpräsident Hassan Diab will seinen Rücktritt erklären.

Bild: Dalati & Nohra, dpa (Archivbild)

Eigentlich wollte der libanesische Premier mit einer vorgezogenen Neuwahl die Wut der Libanesen nach der gewaltigen Detonation beruhigen. Doch der öffentliche Druck ist zu groß.

Der libianesische Ministerpräsident Hassan Diab  will seinen Rücktritt erklären.
dpa
10.08.2020 | Stand: 19:36 Uhr

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut hat der libanesische Regierungschef Hassan Diab seinen Rücktritt erklärt. Gesundheitsminister Hamad Hassan kündigte das bereits am Montag nach einer Kabinettssitzung an, wie der lokale Sender MTV meldete. Diabs Rücktritt würde auch das Aus der gesamten Regierung bedeuten. Es handele sich dabei nicht um eine Flucht vor der Verantwortung, erklärte Hassan weiter.

Diab reagierte damit auf öffentlichen Druck und gewaltsame Proteste gegen die Regierung am vergangenen Wochenende. Zuvor hatte mit Justizministerin Marie-Claude Nadschm und Finanzminister Ghasi Wasni zwei weitere Regierungsmitglieder ihre Ämter niedergelegt und den Druck auf den Ministerpräsidenten weiter erhöht.

Libanesen machen Regierung für Explosion verantwortlich

Viele Libanesen machen die Regierung für die verheerenden Explosion am vergangenen Dienstag mit mindestens 160 Toten und mehr als 6000 Verletzten verantwortlich. Die Armee erklärte am Montag, sie habe fünf weitere Leichen aus den Trümmern gezogen.

Die Detonation soll durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die dort über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen lagerten. Die Ermittlungen zur genauen Ursache der Katastrophe laufen jedoch noch.

Justizministerin Nadschm begründete ihren Schritt mit der verheerenden Explosion und den Demonstrationen, wie MTV weiter berichtete. Am Sonntag hatten bereits Informationsministerin Manal Abdel Samad und Umweltminister Damianos Kattar ihre Ämter niedergelegt. Nadschm war in der vergangenen Woche bei einem Besuch am Ort der Katastrophe von aufgebrachten Menschen beschimpft und mit Wasser bespritzt worden, wie auf einem Video zu sehen war.

Eine Trauer- und Protestkundgebung im Zentrum Beiruts war am Wochenende in Gewalt und Chaos umgeschlagen. Aufgebrachte Demonstranten wollten Absperrungen zum Parlament durchbrechen, Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein. Über Stunden kam es zu Zusammenstößen. Ein Polizist wurde nach offiziellen Angaben getötet, mehr als 200 Menschen erlitten Verletzungen. Aufgebrachte Demonstranten stürmten mehrere Ministerien.

>>Lesen Sie dazu auch: Tränengas und Gummigeschosse: Gewalt kehrt zurück nach Beirut<<

Erst seit Januar ist Diab Regierungschef

Diab hatte erst im Januar nach einer monatelangen Hängepartie das Amt des Regierungschef in dem Land am Mittelmeer übernommen. Er folgte auf Saad Hariri, der nach Massenprotesten Ende Oktober zurückgetreten war. Diabs Regierung wird unter anderem von der Iran-treuen Hisbollah unterstützt, die im Libanon extrem mächtig ist. Wegen einer schweren Wirtschaftskrise und der Corona-Pandemie sind in seiner Amtszeit große Teile der libanesischen Bevölkerung in die Armut abgerutscht.

Diab hatte am Wochenende zunächst angekündigt, dem Kabinett in seiner Sitzung an diesem Montag eine vorgezogene Neuwahl vorzuschlagen. Damit wollte er die Lage beruhigen. Die nächste Abstimmung über das Parlament stünde im Libanon eigentlich erst 2022 an.