Nordrhein-Westfalen

Sechs Verletzte bei Amoktat in Zug - Kein islamistisches Motiv erkennbar

Nach der Messer-Attacke in einem Zug bei Aachen prüfen die Ermittler einen islamistischen Hintergrund.

Nach der Messer-Attacke in einem Zug bei Aachen prüfen die Ermittler einen islamistischen Hintergrund.

Bild: Ralf Roeger, dpa

Nach der Messer-Attacke in einem Zug bei Aachen prüfen die Ermittler einen islamistischen Hintergrund.

Bild: Ralf Roeger, dpa

Nach der Messerattacke in einer Regionalbahn bei Aachen prüfen die Ermittler einen islamistischen Hintergrund. Was bisher bekannt ist.
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dpa
13.05.2022 | Stand: 18:31 Uhr

Aktualisiert um 18.30 Uhr: Nach der Amoktat mit sechs Verletzten in einer Regionalbahn bei Aachen zeichnet sich nach Angaben der Ermittler bislang kein islamistisches Motiv ab. "Für ein islamistisches Motiv der Tat haben wir bislang nichts Belastbares", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aachen am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur.

Es gebe aber Anhaltspunkte, die die Schuldfähigkeit des Verdächtigen infrage stellen. Deswegen werde diese nun geprüft. Ermittelt werde wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Spätestens an diesem Samstag werde entschieden, ob gegen den Mann Haftbefehl oder etwa die Unterbringung in einer Psychiatrie beantragt wird.

Bei dem Festgenommenen handele es sich um einen 31-jährigen Mann, der im Irak geboren wurde, seine Staatsangehörigkeit sei weiter unklar. Bei der Attacke am Freitagmorgen waren fünf Menschen und der Angreifer verletzt worden.

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Kriminalität

"Grausame Tat": Sechs Menschen bei Amoktat in Zug verletzt

Der Mann war 2017 nach einem Hinweis aus dem Flüchtlingsheim, in dem er untergebracht war, als "Prüffall Islamismus" eingestuft worden.

Es ist 7.42 Uhr in der Frühe und der Regionalexpress 4 hat den Bahnhof von Herzogenrath gerade in Richtung Aachen verlassen. In diesem Moment zückt ein 31-jähriger Mann am Freitag ein Messer und sticht wahllos auf seine Mitreisenden ein. Am Ende werden sechs Verletzte gezählt, den Angreifer eingerechnet.

Messerattacke in Zug bei Aachen: Täter war kein Unbekannter

Der ist, geboren im Irak und als Flüchtling nach Deutschland gekommen, für die Behörden kein Unbekannter. Nach einem Hinweis des Flüchtlingsheims, in dem er damals lebte, war er 2017 als "Prüffall Islamismus" eingestuft worden. Er hatte sich von den Mitbewohnern isoliert, stark verändert und einen Bart wachsen lassen. "Wir müssen von einer Amoktat ausgehen", sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf.

270 Menschen sind zum Zeitpunkt der Tat in dem Zug. Unter ihnen ist ein 60-jähriger Bundespolizist in zivil. Gemeinsam mit zwei Reisenden gelingt es ihm, den Messerstecher zu überwältigen und festzuhalten. "Möglicherweise haben diese drei Menschen eine größere Gefahr verhindert", sagt Reul.

Die Behörden lösen Großalarm aus. 200 Einsatzkräfte eilen zum Ort des Geschehens. Der Zug stoppt auf freier Strecke und der Täter wird, von den Ermittlern in einen weißen Overall gehüllt, abgeführt.

Verletzte nach Messerattacke in Regionalzug haben überwiegend Schnittwunden

Die Verletzten haben überwiegend Schnittwunden erlitten, auch am Kopf und im Gesicht, aber niemand schwebt in Lebensgefahr. Vier Verletzte werden in Krankenhäuser gebracht. Unter den Verletzten ist auch der Bundespolizist. Der Täter ist ebenfalls verletzt, aber eher leicht. Dass er trotzdem ins Krankenhaus gebracht wird, hat einen anderen Grund: Er hat Fieber.

"Das war eine grausame Tat, die in einem Akt enormen Mutes gestoppt werden konnte", sagt der Minister. Seit seiner Einstufung als Prüffall sei der Angreifer nicht mehr auffällig geworden, betont der Minister. Allerdings werde das nun noch einmal überprüft, denn er habe verschiedene Namen verwendet.

War der Täter ein Islamist?

"Es gilt jetzt zu ermitteln, inwieweit tatsächlich ein islamistisches Motiv vorgelegen hat", sagt Reul. Die Vorkommnisse der letzten beiden Tage in Herzogenrath und Essen zeigten, dass die Gefahren durch den Rechtsextremismus und den Islamismus nicht verschwunden seien. "Sie sind weiter existent, bedrohlich und können lebensgefährlich sein."

Bis zum Nachmittag bleibt die Staatsanwaltschaft Aachen zuständig für den Fall. "Wir stehen im Kontakt", heißt es bei der für Terrorismus zuständigen Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf.

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