Fragen und Antworten

Überlistet Omikron die Corona-Impfstoffe? - Was bislang zur neuen Variante bekannt ist

In Südafrika wurde eine neue Variante des Corona-Virus entdeckt. Wirkt die Impfung noch dagegen? Wie gefährlich ist die neue Variante? Hier die Fragen und Antworten.

In Südafrika wurde eine neue Variante des Corona-Virus entdeckt. Wirkt die Impfung noch dagegen? Wie gefährlich ist die neue Variante? Hier die Fragen und Antworten.

Bild: Markus Scholz, dpa (Symbolbild)

In Südafrika wurde eine neue Variante des Corona-Virus entdeckt. Wirkt die Impfung noch dagegen? Wie gefährlich ist die neue Variante? Hier die Fragen und Antworten.

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In Südafrika wurde die neue Corona-Mutation B.1.1.529 entdeckt, die Experten beunruhigt. Wie gefährlich ist sie und schützen die Impfstoffe dagegen?
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Von Allgäuer Zeitung
27.11.2021 | Stand: 19:04 Uhr

Das Coronavirus mutiert weiter. In Südafrika wurde nun die Variante B.1.1.529 entdeckt. RKI-Chef Lothar Wieler ist "in großer Sorge." Was ist bislang über die Südafrika-Variante, die inzwischen Omikron benannt wurde, bekannt?

Was ist bislang über B.1.1.529 bekannt?

Die jetzt in Südafrika entdeckte Variante B.1.1.529 hat Mutationen an mehreren entscheidenden Stellen des Virus. Diese Mutationen betreffen zum einen das Spike-Protein. Über dieses docken Viren an menschliche Zellen an. Gegen das Spike-Protein bildet der Körper Antikörper. Damit könnten vor allem die Antikörper-Therapien für besonders schwere Verläufe beeinträchtigt werden.

Daneben hat die neue Variante Mutationen in der Nähe der sogenannten Furin Cleavage Site. Das ist eine Region, die eine Rolle bei der Aufnahme des Virus in menschliche Zellen spielt. Zwischenformen zwischen der neuen Variante und den von Anfang 2020 bekannten Varianten habe man bisher nicht beobachtet.

Wurde die Variante schon in Deutschland entdeckt?

In München sind die ersten beiden Fälle der als besorgniserregend eingestuften Omikron-Variante des Coronavirus in Deutschland bestätigt worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag. Die Betroffenen hätten selbst vorausschauend eine Untersuchung auf die Virusvariante veranlasst, nachdem sie aus den Medien von der Gefahr erfahren hätten.

Einen weiteren Verdachtsfall machte am Samstag Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) bekannt. Bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika wurden demnach mehrere für diese Variante typische Mutationen gefunden. Die vollständig geimpfte Person war den Angaben zufolge am 21. November über den Frankfurter Flughafen eingereist und hatte im Laufe der Woche Symptome entwickelt. Ein genaues Ergebnis wird in diesem Fall am Montag erwartet.

Wie schätzen Experten die neue Variante ein?

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Wieler: B.1.1.529 mit Mutationen an mehreren entscheidenden Stellen

"Für eine veränderte Krankheitsschwere gibt es derzeit keine Hinweise", teilte Christian Drosten am Freitag der Nachrichtenagentur dpa mit. Die Virus-Variante soll nun genauer untersucht werden. In zwei bis drei Wochen werden erste Erkennisse erwartet, dann lässt sich die Variante besser einschätzen.

Offenbar befinden sich mehr als 30 Mutationen im Spike-Protein. Von einigen der festgestellten Mutationen sei bereits bekannt, dass sie die Wirkung von Antikörpern abschwächen. Allerdings ist es laut Friedemann Weber, Leiter des Instituts für Virologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, noch zu früh, um Aussagen über den weitere Verlauf zu machen. Aus seiner Sicht sei es denkbar, dass die Variante wieder verschwindet.

Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel (Schweiz), sagt, dass es aufgrund der festgestellten Mutationen durchaus vorstellbar sei, dass die Variante sowohl sehr übertragbar sei und Teilen der Immunantwort entkommt.

"Wir sind tatsächlich in sehr großer Sorge", sagte RKI-Chef Wieler am Freitag in Berlin. Es müsse noch untersucht werden, ob die steigenden Fallzahlen in Südafrika wirklich mit diesem Virustyp zusammenhängen. Er hoffe sehr, dass die Ausbreitung der Variante stringent durch Reisebeschränkungen begrenzt werde.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die neue Variante als "besorgniserregend" ein. Das teilte die UN-Behörde am Freitag nach Beratungen mit Experten mit.

Besteht die Gefahr, dass die Impfung nicht mehr wirkt?

Auch wenn die Wirksamkeit der verfügbaren Impfstoffe bei der neuen Corona-Variante Omikron nach bisher bekannten Daten geringer sein könnte: Die Impfung bleibt auch in diesem Fall die beste Option, wie Experten betonen. "Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben", betonte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie hätten auf jeden Fall schon einen gewissen Impfschutz, das sei entscheidend zu wissen.

Zwar gebe es bei Omikron viele Veränderungen an Stellen, an denen gerade die besten Antikörper binden können, sagte Leif Erik Sander, Immunologe an der Charité Berlin. "Aber unser Körper bildet eine Unmenge an verschiedenen Antikörpern." Hinzu kämen spezielle Zellen der Immunabwehr, die in der Regel ganz andere Stellen erkennen als die Antikörper. "Also wir haben immer ein Netz und einen doppelten Boden." Gerade bei der zellulären Immunität sei er sehr optimistisch, dass sie auch bei Omikron greife - und das sei die, die den Körper schütze, wenn das Virus in die Lunge eindringe und dort zu schwerem Lungenversagen führen könnte. "Darum sind wir optimistisch, dass wir mit so einer neuen Variante nicht bei null anfangen."

Das Level an Immunität könne durch die Booster-Impfungen generell noch einmal sehr stark angehoben werden - was auch gegen Varianten helfe, führte der Infektionsimmunologe weiter aus. "Die Booster bleiben wichtig, gerade auch bei den Varianten." Für eine genaue Einschätzung speziell zu Omikron fehlten bislang noch Daten - noch sei daher auch unklar, ob eine Anpassung der Impfstoffe nötig werde.

Einen schwächeren Impfschutz befürchtet auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC. B.1.1.529 sei die am stärksten abweichende Variante, die bislang während der Pandemie in umfassenden Zahlen entdeckt worden sei, teilte die in Stockholm ansässige Behörde in einer ersten Einschätzung zur Bedrohungslage mit. Dies wecke ernsthafte Sorgen, dass sie die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte.

Der Impfstoffhersteller Biontech hat Labortests gestartet, um herauszufinden, wie wirksam der Impfstoff gegen die neue Variante ist. Es könnte sein, dass der Impfstoff dann angepasst werden muss. In spätestens zwei Wochen rechnet Biontech mit ersten Erkenntnissen.

Was müssen Menschen tun, die in Südafrika waren?

"Das ist das Letzte, was wir jetzt in unserer momentanen Lage noch brauchen können, dass in die Welle hinein noch eine zusätzliche Variante kommt", sagte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Er forderte alle Menschen, die in den vergangenen Tagen aus Südafrika und der Region nach Deutschland gekommen sind, dazu auf, sich mit einem PCR-Test sicherheitshalber auf das Virus testen zu lassen. (Lesen Sie auch: Österreich verbietet Einreisen aus Südafrika wegen Corona-Variante)

Ist es Zufall, dass die Variante in Südafrika nachgewiesen wurde?

Ob die Variante in Südafrika ihren Ursprung hat, ist derzeit ungewiss. Denkbar ist auch, dass sie aus anderen Ländern nach Südafrika gekommen ist und dort nur erstmals erkannt wurde.

Wie verbreiten sich Varianten überhaupt über Länder hinweg?

Der Flugverkehr und Reisen insgesamt sind die wesentlichen Verbreitungswege für Viren. Sie können so innerhalb von Stunden von einem Land ins andere, sogar von einem Kontinent zum nächsten gelangen und, einmal dort angekommen, neue Infektionsketten starten. Die Beschränkung des Flugverkehrs zählt deshalb zu den Maßnahmen, die bei Auftauchen einer als bedrohlich eingestuften Virusvariante getroffen werden können - so wie es auch jetzt bei der neu entdeckten Variante gemacht wird. (mit dpa)

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