Nobelpreis 2020

Nobelpreisträger unter Corona-Bedingungen geehrt

Die Nobelpreisverleihung fand in diesem Jahr virtuell statt.

Die Nobelpreisverleihung fand in diesem Jahr virtuell statt.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Die Nobelpreisverleihung fand in diesem Jahr virtuell statt.

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Nach Skandinavien kann keiner der Preisträger kommen, stattdessen gibt es Auszeichnungen in der Heimat und Online-Grüße. Doch es gibt eine Ausnahme.
Die Nobelpreisverleihung fand in diesem Jahr virtuell statt.
dpa
10.12.2020 | Stand: 18:47 Uhr

Online-Grüße statt Live-Prunk: Unter besonderen Bedingungen sind in diesem Jahr die Nobelpreisträger geehrt worden. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) wurde am Donnerstag während einer kurzen Preisübergabe in Rom mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Für alle weiteren Preisträger gab es eine aus Stockholm übertragene Online-Zeremonie, deutlich bescheidener als sonst. Darunter war auch der Astrophysiker Reinhard Genzel, der erste deutsche Preisträger seit 2017.

Die normalerweise sehr prunkvollen Verleihungen in Oslo und Stockholm am Todestag von Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896) mussten diesmal wegen der Corona-Pandemie deutlich kleiner ausfallen als üblich. Die sonst üblichen Bankette zu Ehren der Preisträger wurden abgesagt. Vor Ort in Skandinavien war keiner von ihnen dabei.

"Dies ist in der Tat eine andere Nobelpreisverleihung am Ende eines sehr andersartigen Jahres", unterstrich Schwedens König Carl XVI. Gustaf, der die Stockholmer Auszeichnungen für gewöhnlich überreicht, in einer Videobotschaft. Auch die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, ging bei der Präsentation des Friedensnobelpreisträgers in Oslo auf Corona ein. "Wir sind zusammen, trotz der Distanz, die uns die Pandemie aufgezwungen hat", sagte sie.

WFP-Chef David Beasley nahm Nobelmedaille und -urkunde im Hauptsitz seiner Organisation in Rom entgegen. "Dieser Friedensnobelpreis ist mehr als ein Dankeschön. Es ist ein Aufruf zum Handeln", sagte er. Es dankte im Namen von UN-Generalsekretär António Guterres und 19 000 Mitarbeitern der Organisation - und auch im Namen der 100 Millionen hungrigen Menschen, um die sich das WFP kümmere.

Friedensnobelpreis geht an das Welternährungsprogramm

Das Welternährungsprogramm wird für seine Bemühungen im Kampf gegen den Hunger, seinen Beitrag zur Verbesserung der Bedingungen für den Frieden in Konfliktgebieten sowie Bemühungen gegen den Gebrauch von Hunger als Kriegswaffe geehrt. Reiss-Andersen sagte, die UN-Organisation stehe für genau die Art von internationaler Kooperation und Hingabe, die die Welt heute dringend benötige.

Beasley sagte, wegen all der Kriege, des Klimawandels, des Hungers und einer globalen Pandemie, die alles noch viel schlimmer mache, befänden sich 270 Millionen Menschen an der Schwelle zum Verhungern. Es sei der vielleicht ironischste Moment der modernen Geschichte, dass so viele Menschen am Rande des Verhungerns stünden, während es zugleich so viel Wohlstand gebe. Er rief die Welt auf, alle Menschen der Erde zu ernähren. "Essen ist der Pfad zum Frieden."

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte die Weltgemeinschaft auf, den UN-Hilfsorganisationen mehr Geld zur Verfügung zu stellen. "Alle Regierungen müssen sich beteiligen, die Finanzierungslücken der UN-Hilfswerke schnell zu schließen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 970 000 Euro) pro Kategorie dotiert. Ihre Träger waren allesamt Anfang Oktober bekanntgegeben worden. Insgesamt gibt es 2020 zwölf: jeweils drei in den Kategorien Medizin und Physik, zwei in Chemie und Wirtschaftswissenschaften sowie die US-Poetin Louise Glück in Literatur und das Welternährungsprogramm.

Ein Deutscher ist unter den Nobelpreisträgern

Mit Genzel ist erstmals seit dem Deutsch-Amerikaner Joachim Frank vor drei Jahren wieder ein Deutscher unter den Preisträgern. Für die Erforschung Schwarzer Löcher wurde Genzel gemeinsam mit der US-Forscherin Andrea Ghez eine Hälfte des Physik-Nobelpreises zugesprochen, die andere Hälfte ging an den Briten Roger Penrose.

Bis auf das WFP hatten alle Geehrten ihre Medaillen und Urkunden bereits vorab in ihren Heimat- oder Forschungsländern erhalten, zwei davon in Deutschland: Genzel sowie die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier. Die Chemie-Preisträgerin forscht in Berlin.