Prozess am Landgericht Itzehoe

96-jährige Angeklagte in NS-Prozess in Lübecker Gefängnis gebracht

Blick auf das Gebäude in einem Gewerbegebiet, in dem das Landgericht Itzehoe eine Außenstelle eingerichtet hat, um hier den Prozeß gegen eine 96 Jahre alte Angeklagte zu führen.

Blick auf das Gebäude in einem Gewerbegebiet, in dem das Landgericht Itzehoe eine Außenstelle eingerichtet hat, um hier den Prozeß gegen eine 96 Jahre alte Angeklagte zu führen.

Bild: Markus Scholz, dpa

Blick auf das Gebäude in einem Gewerbegebiet, in dem das Landgericht Itzehoe eine Außenstelle eingerichtet hat, um hier den Prozeß gegen eine 96 Jahre alte Angeklagte zu führen.

Bild: Markus Scholz, dpa

Die Angeklagte im womöglich letzten NS-Prozess in Deutschland befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Beihilfe zum Mord in 11.000 Fällen.
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dpa
01.10.2021 | Stand: 17:27 Uhr

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde sie in die Justizvollzugsanstalt Lübeck gebracht worden. Dort sitzen weibliche Gefangene ein.

Am Donnerstagabend hatte das Landgericht Untersuchungshaft für die Angeklagte angeordnet. Damit reagierte die Strafkammer auf den Versuch der ehemaligen Sekretärin im KZ Stutthof, sich dem Verfahren zu entziehen. Die Haft wurde nach Angaben einer Sprecherin bis auf weiteres angeordnet. Wegen der Abwesenheit der Angeklagten hat die Strafkammer den Prozess bis zum 19. Oktober unterbrochen.

Angeklagte im KZ-Prozess soll den Nazis bei systematischer Tötung geholfen haben

Der Frau wird Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen vorgeworfen. Als Stenotypistin und Schreibkraft in der Kommandantur von Stutthof bei Danzig soll sie zwischen Juni 1943 und April 1945 den Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von Gefangenen Hilfe geleistet haben. In dem deutschen KZ und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen zu Kriegsende starben nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralstelle in Ludwigsburg rund 65 000 Menschen.

Die 96-Jährige hatte nach Angaben der Gerichtssprecherin am Donnerstag zwischen 6 und 7.20 Uhr ihren Wohnort verlassen und war mit einen Taxi Richtung Norderstedt/Hamburg-Ochsenzoll gefahren. Nach "Bild"-Informationen war sie am Mittag zu Fuß auf der Langenhorner Chaussee in Hamburg unterwegs, als Polizisten auf sie aufmerksam wurden. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hatte sie wenige Tage vor Prozessbeginn in einem Brief an das Gericht erklärt, dass sie nicht kommen wolle.