"Jana aus Kassel"

"Querdenken"-Rednerin vergleicht sich mit Sophie Scholl - Entnervter Ordner wirft hin

Bei einer "Querdenken"-Demo in Hannover gegen die Corona-Schutzmaßnahmen hat sich eine Rednerin am Samstag mit der hingerichteten Widerstandskämpferin Sophie Scholl verglichen - und damit unerwartete Reaktionen ausgelöst.

Bei einer "Querdenken"-Demo in Hannover gegen die Corona-Schutzmaßnahmen hat sich eine Rednerin am Samstag mit der hingerichteten Widerstandskämpferin Sophie Scholl verglichen - und damit unerwartete Reaktionen ausgelöst.

Bild: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Bei einer "Querdenken"-Demo in Hannover gegen die Corona-Schutzmaßnahmen hat sich eine Rednerin am Samstag mit der hingerichteten Widerstandskämpferin Sophie Scholl verglichen - und damit unerwartete Reaktionen ausgelöst.

Bild: Hauke-Christian Dittrich, dpa

In Hannover hat eine "Querdenken"-Rednerin einen absurden Vergleich gezogen. Nicht nur ein Ordner auf der Demo reagierte entsetzt.
22.11.2020 | Stand: 13:06 Uhr

Bei einer "Querdenken"-Demo gegen die Corona-Schutzmaßnahmen hat eine Rednerin am Samstag einen absurden historischen Vergleich gezogen - und damit unerwartete Reaktionen ausgelöst. Ein Video von dem Vorfall verbreitet sich seitdem viral im Netz.

Die Frau, die sich als "Jana aus Kassel" auf der Bühne vorstellte, sagte auf der Demo: „Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde.“ Und weiter: „Ich bin 22 Jahre alt, genau wie Sophie Scholl, bevor sie den Nationalsozialisten zum Opfer fiel.“

Querdenken-Rednerin vergleicht sich mit Sophie Scholl

Sophie Scholl war eine deutsche Studentin und Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg. Weil sie sich in der Widerstandsgruppe Weiße Rose engagierte, wurde sie 1943 im Alter von 21 Jahren gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl zum Tode verurteilt und per Enthauptung hingerichtet.

Für ihre Worte bekam "Jana aus Kassel" auf der "Querdenker"-Demo in Hannover Applaus von Zuhörern. Allerdings nicht von allen. Noch während ihrer Rede trat ein Mann vor sie und drückte ihr eine orangefarbene Warnweste in die Hand. „Für so einen Schwachsinn mache ich doch keinen Ordner mehr“, protestierte er. Es handele sich um eine "Verharmlosung vom Holocaust", die "mehr als peinlich" sei.

"Ich habe doch gar nichts gesagt", widersprach die Rednerin. Dann begann sie zu weinen und warf ihr Mikro weg. Polizisten erschienen dann und geleiteten den Mann von der Bühne weg.

Außenminister Heiko Maas: Nichts verbindet Coronaproteste mit Widerstandskämpfer*Innen

Das Video von dem Vorfall wurde in Sozialen Netzwerken bis zum Sonntagvormittag mehr als eine Million mal gesehen und tausendfach kommentiert. Zahlreiche Nutzer markierten das Video mit "Gefällt mir". Doch in den Kommentarspalten finden sich auch Empörung und Ablehnung: Die Parallelen zu Sophie Scholl seien verantwortungslos, die Gleichsetzung mit dem Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" zur NS-Zeit sei beschämend. Der junge Mann bekommt dagegen mehrfach Zuspruch. Ein Nutzer etwa schrieb: "Respekt für den Ex-Ordner, der die Verhöhnung der realen Holocaust-Opfer erkannte und sich dagegen stellte."

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas kommentierte den Vorfall: "Wer sich heute mit Sophie Scholl o Anne Frank vergleicht,verhöhnt den Mut, den es brauchte, Haltung gegen Nazis zu zeigen. Das verharmlost den Holocaust und zeigt eine unerträgliche Geschichtsvergessenheit", schrieb er auf Twitter. "Nichts verbindet Coronaproteste mit Widerstandskämpfer*Innen. Nichts!"

Auch im Allgäu demonstrierten am Samstag Menschen gegen die Maßnahmen, die die Corona-Pandemie eindämmen sollen. Man sei "im Krieg", hieß es etwa in Kempten.