Corona auf Mallorca

Reiseveranstalter Tui kritisiert Reisewarnung für Mallorca als übertrieben

Passagiere am Flughafen von Palma: Der Reiseveranstalter Tui hält die Reisewarnung für ganz Mallorca für übertrieben.

Passagiere am Flughafen von Palma: Der Reiseveranstalter Tui hält die Reisewarnung für ganz Mallorca für übertrieben.

Bild: Clara Margais, dpa

Passagiere am Flughafen von Palma: Der Reiseveranstalter Tui hält die Reisewarnung für ganz Mallorca für übertrieben.

Bild: Clara Margais, dpa

Deutschlands größter Tourismuskonzern Tui hält die Reisewarnung für ganz Mallorca für falsch. Große Teile der Insel seien von Corona kaum betroffen.

17.08.2020 | Stand: 09:57 Uhr

Deutschlands größter Tourismuskonzern Tui hält die am Freitag verhängte Reisewarnung für ganz Mallorca für falsch. Das sagte Thomas Ellerbeck, der für Politik und Kommunikation zuständige Manager des Konzerns, der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Wir bedauern, dass Deutschland nun eine Reisewarnung für ganz Mallorca ausgesprochen hat. Besser wäre eine regionale Reisewarnung für Palma, Magaluf oder andere Orte mit erhöhten Fällen gewesen", sagt er. "Die meisten Urlauber sind sehr verantwortungsvoll und halten sich an die Regeln."

Die pauschale Warnung sei auch deshalb fragwürdig, weil große Teile der Insel von der Pandemie nur minimal betroffen seien. Es habe in keinem Hotel der Tui in Mallorca einen Vorfall gegeben. Der Konzern und auch der Deutsche Reiseverband (DRV) erklärten, sie hofften auf ein baldiges Ende der Reisewarnung. (Was die Reisewarnung für Reisende bedeutet, lesen Sie hier.)

Der Einbruch im Tourismusgeschäft auf Mallorca ist schon jetzt historisch. Im vergangenen Rekord-Jahr kamen mehr als 16 Millionen in- und ausländische Urlauber auf die Balearen-Inseln, zu denen auch Mallorca gehört. Die Einnahmen lagen bei mehr als 16 Milliarden Euro. Dieses Jahr lagen die Einnahmen bis Ende Mai wegen des Lockdowns nahe Null.

Ab Juni durften wieder Urlauber aus der EU und Schengenstaaten einreisen. Aber es kamen nur wenige und die Einnahmen waren wie ein Tropfen auf den heißen Stein: knapp 43,5 Millionen Euro, ein Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat von gut 98 Prozent. Zugleich laufen die Kosten der auf Massentourismus ausgelegten Hotels, Restaurants und Nachtlokale weiter. Lange ist das wirtschaftlich nicht durchzuhalten. In normalen Zeiten trägt die Branche 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Inseln bei.

Spahn bleibt bei Reisewarnung für Mallorca

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte Verständnis für die schwierige Lage, blieb in Sachen Risikogebiet und Reisewarnung aber hart. Er wisse, was diese Entscheidung der Regierung für viele Urlauber, für Reisebüros oder auch für Spanien bedeutet, sagte der Minister am Samstag. "Aber leider steigen die Infektionszahlen dort stark, zu stark." In der ARD betonte Spahn, eine Reisewarnung sei kein Reiseverbot. Man könne und solle den Urlaub auch fortsetzen, jedoch wachsam sein, Abstand halten, Hygieneregeln beachten und in bestimmten Situationen Alltagsmasken tragen. "Das Virus macht keine Ferien. Deswegen müssen wir in den Ferien, im Urlaub auch gut aufeinander aufpassen."

Die Bundesregierung hatte am Freitag die bislang für einige spanische Regionen geltende Reisewarnung auf das gesamte spanische Festland sowie die Balearen mit Mallorca ausgedehnt. Ausgenommen von der Reisewarnung, die Pauschaltouristen eine kostenlose Kündigung des Reisevertrages ermöglicht, sind nur die Kanarischen Inseln. 

  • Für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten gilt generell schon seit einigen Wochen, dass sie sich beim Gesundheitsamt melden und Angaben zu Symptomen und einem eventuellen Corona-Test machen müssen.
  • Seit dem vergangenen Wochenende greift zudem eine Testpflicht bei der Heimkehr: Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen.
  • Das heißt: Entweder man lässt sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legt einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder man lässt sich nach Rückkehr in Deutschland testen, was drei Tage lang kostenlos möglich ist.