Nach Unfall am Lago Maggiore

Seilbahnunglück in Italien: Festgenommenen drohen hohe Haftstrafen

Beim Absturz der Gondel einer Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore haben am Sonntag 14 Menschen ihr Leben verloren.

Beim Absturz der Gondel einer Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore haben am Sonntag 14 Menschen ihr Leben verloren.

Bild: Vigili del Fuoco Firefighters, AP, dpa

Beim Absturz der Gondel einer Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore haben am Sonntag 14 Menschen ihr Leben verloren.

Bild: Vigili del Fuoco Firefighters, AP, dpa

Den drei nach dem Seilbahnunglück in Norditalien festgenommenen Männern drohen im Falle einer nachgewiesenen Schuld "allerhöchste" Strafen.
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dpa
27.05.2021 | Stand: 17:45 Uhr

So lautet eine Einschätzung der Staatsanwaltschaft von Verbania. Es bestehe auch Fluchtgefahr, heißt es in dem Haftbefehl gegen die drei, aus dem italienische Medien am Donnerstag zitierten. Ein "gedankenloses Verhalten" habe zum Tod von 14 Menschen und zu schwersten Verletzungen eines Fünfjährigen geführt, hieß es weiter. Der Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weitere leitende Mitarbeiter waren in der Nacht zum Mittwoch festgenommen worden.

Die Seilbahn war am Pfingstsonntag auf dem Weg von Stresa am Lago Maggiore hinauf zum Monte Mottarone verunglückt. Nach bisherigem Ermittlungsstand riss kurz vor der Ankunft an der gut 1.300 Meter über dem Meer gelegenen Bergstation aus bisher unbekannter Ursache das Zugseil. In dem Fall hätte ein Notbremse greifen müssen, was nicht geschah. Die Gondel raste mit hoher Geschwindigkeit in die Tiefe, überschlug sich und zerschellte schließlich.

Seilbahn-Unglück in Italien: Verdacht der Manipulation

Nun besteht der Verdacht, dass die Notbremse mit einer als "forchetta" (Gabel) bekannten Vorrichtung außer Kraft gesetzt worden war, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten im Lauf der Bahn gegeben habe. Ein Motiv für die Manipulation könnte laut Medien gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn um jeden Preis am Laufen halten wollten (Lesen Sie hier: So prüfen TÜV und Betreiber die Seilbahnen im Allgäu).

Der Carabinieri-Kommandant Luca Geminale sagte am Donnerstag laut Nachrichtenagentur Ansa, dass der Datenschreiber der Seilbahn, die sogenannte "Schwarze Kiste", sichergestellt worden sei. Es handele sich um eine Vorrichtung, die alle technischen Aspekte wie Geschwindigkeit, Lauf und Schwanken der Gondel aufzeichne.

Im italienischen Abgeordnetenhaus äußerte sich am Donnerstag Infrastrukturminister Enrico Giovannini zu dem Unglück. Er betonte unter anderem, dass bei italienischen Seilbahnen im Falle eines Druckverlustes oder eines Risses des Zugkabels automatisch eine Notbremse greife. Der Direktor einer solche Anlage sei für deren Sicherheit verantwortlich, sagte er.

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