Prozess in Frankfurt

Stephan Ernst gesteht vor Gericht tödlichen Schuss auf Walter Lübcke

Neonazi Stephan Ernst (r., mit seinem Anwalt Mustafa Kaplan) hat vor Gericht den tödlichen Schuss auf den nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestanden. Der CDU-Politiker hatte sich für Flüchtlinge eingesetzt.

Neonazi Stephan Ernst (r., mit seinem Anwalt Mustafa Kaplan) hat vor Gericht den tödlichen Schuss auf den nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestanden. Der CDU-Politiker hatte sich für Flüchtlinge eingesetzt.

Bild: Kai Pfaffenbach/dpa

Neonazi Stephan Ernst (r., mit seinem Anwalt Mustafa Kaplan) hat vor Gericht den tödlichen Schuss auf den nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestanden. Der CDU-Politiker hatte sich für Flüchtlinge eingesetzt.

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Im Prozess um den Mordfall Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst erstmals vor Gericht die Tat eingeräumt. Er habe den tödlichen Schuss abgegeben.
Neonazi Stephan Ernst (r., mit seinem Anwalt Mustafa Kaplan) hat vor Gericht den tödlichen Schuss auf den nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestanden. Der CDU-Politiker hatte sich für Flüchtlinge eingesetzt.
dpa
05.08.2020 | Stand: 12:32 Uhr

Das ließ der 46-Jährige am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt über seinen Anwalt erklären. Bereits in einem ersten Geständnis, das Ernst vor Polizisten abgelegt hatte, hatte er die Tat eingeräumt. Später stellte er die Geschehnisse vor einem Ermittlungsrichter als Unfall dar und bestritt, die Waffe zum Zeitpunkt des Schusses gehalten zu haben.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses im Landkreis Kassel getötet worden. Der Deutsche Ernst muss sich wegen der Tat vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts verantworten. Laut Generalbundesanwalt handelte der 46 Jahre alte Familienvater aus rechtsextremistischen Motiven. Der zweite Angeklagte, Markus H., wird der Beihilfe beschuldigt. H. sei am Tatort dabei gewesen, sagte Ernst nun vor Gericht.

Mordfall Walter Lübcke: Wieso kehrt Stephan Ernst zu seinem Geständnis zurück?

Im Januar hatte Ernst vor einem Ermittlungsrichter seine andere Version des Tathergangs geschildert: Er sei mit H. zu Lübckes Wohnhaus gefahren. Beide hätten den Politiker einschüchtern und bedrohen wollen. Der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe. Beide Tatversionen von Ernst sind in der Verhandlung bereits als Video gezeigt worden.

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Warum Ernst sich nun wieder zur Tat bekennt, war zunächst unklar. Zu Prozessbeginn hatte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel die Angeklagten zu einem Geständnis aufgefordert: "Hören Sie nicht auf Ihre Verteidigung, hören Sie auf mich", sagt er. Ein frühzeitiges und von Reue getragenes Geständnis helfe immer.

Während des zweiten Geständnisses war Ernst von dem Rechtsanwalt Frank Hannig vertreten worden. Dieser wurde vergangene Woche auf Antrag des zweiten Verteidigers Mustafa Kaplan als Pflichtverteidiger abberufen. Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte dazu erklärt: Die Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen Ernst und Hannig sei nachvollziehbar.