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Umstrittene Aussagen: Döpfner bleibt Verlegerpräsident

Döpfner Ende September beim Jahreskongress 2021 des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV).

Döpfner Ende September beim Jahreskongress 2021 des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV).

Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Döpfner Ende September beim Jahreskongress 2021 des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV).

Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Mathias Döpfner muss sich für umstrittene Aussagen im Zusammenhang mit dem Fall des früheren Bild-Chefs Julian Reichelt rechtfertigen - und hat damit Erfolg.
24.11.2021 | Stand: 17:08 Uhr

Schnell ist der Fall Reichelt zum Fall Döpfner geworden – und die Frage lautete: Hat der mächtige Medienmann Mathias Döpfner als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) überhaupt noch eine Zukunft? Am Mittwoch wurde diese Frage auf der Präsidiumssitzung des BDZV„eingehend“ diskutiert – und mit Ja beantwortet. Die Präsidiumsmitglieder hätten Döpfners Erläuterungen mit großer Mehrheit für stimmig befunden und seine Bitte um Entschuldigung akzeptiert, hieß es in einer Erklärung.

Döpfner, CEO der Axel Springer SE (Bild, Welt), war zuvor in Branchenkreisen scharf kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert worden. Vor allem wegen Aussagen, die er im März über den damaligen Bild-Chef Julian Reichelt machte – in einer privaten Korrespondenz mit dem Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre, die die New York Times im Oktober veröffentlichte. Reichelt war unter anderem Machtmissbrauch vorgeworfen worden; kurze Zeit nach dem New York Times-Artikel trennte sich Springer von ihm, weil er Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt habe.

Döpfner hatte gesagt, dass fast alle Journalisten "zu Propaganda-Assistenten geworden“ seien

Döpfner, 58, hatte lange an Reichelt festgehalten und ihn im März mit den für ihn selbst folgenreichen Worten verteidigt: Man müsse bei der internen Untersuchung gegen Reichelt„besonders genau vorgehen“, weil dieser „halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland“ sei, „der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre. „Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden.“

Unter anderem bei Verlegern kam das überhaupt nicht gut an: Das Gesicht ihrer Branche, ihr Spitzenlobbyist beleidigt Journalistinnen und Journalisten pauschal und bedient sich eines auch bei Verschwörungsgläubigen beliebten Vokabulars? Ein Springer-Sprecher erklärte, die Aussagen seien aus dem Kontext gerissen. Später sprach Döpfner von Ironie und bat um Entschuldigung. Doch der Ärger innerhalb seines Verbandes schwelte weiter.

Das ist auch aus der offiziellen Erklärung des BDZV vom Mittwoch herauszulesen, in der es heißt: Es sei unstreitig, dass die Diskussion über angebliche Haltungen und Standpunkte des Präsidenten dem Verband nicht gut getan hätten. Und weiter: „Die Formulierungen in der privaten Textnachricht seien selbstverständlich inakzeptabel und das Präsidium bekannte sich einmütig zu unabhängigem Journalismus, Presse- und Meinungsfreiheit.“ Nach einer konstruktiven Diskussion stelle dies aber „keinen Grund dar, die sehr erfolgreiche Arbeit des Präsidiums in den vergangenen Jahren in Frage zu stellen“.

Deutscher Journalisten-Verband: „Wir erwarten, dass er ohne wenn und aber hinter dem freien und unabhängigen Journalismus steht.“

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Brisante Recherchen zu Machtmissbrauch bei "Bild"

„Gut, dass die Zeitungsverleger endlich über das missglückte Zitat von Mathias Döpfner diskutiert haben. Der BDZV hat seine Entschuldigung akzeptiert. Die Medienöffentlichkeit wird jetzt noch genauer hinschauen, was Döpfner von sich gibt“, sagte Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbands, auf Anfrage. „Wir erwarten, dass er ohne wenn und aber hinter dem freien und unabhängigen Journalismus und den Journalistinnen und Journalisten steht.“

Döpfner ist seit 2016 BDZV-Präsident, 2020 wurde er einstimmig bis 2024 wiedergewählt. Mit ihren Print- und Digitalausgaben sowie über ihre Websites erreichen die Zeitungsverlage regelmäßig fast 60 Millionen Menschen.