Probleme auch mit Warn-Apps

Verwunderung über Warntag im Allgäu: Warum waren keine Sirenen zu hören?

War der Warntag 2020 ein Flop? Die Warn-App NINA und manche Sirenen sollen nicht funktioniert haben.

War der Warntag 2020 ein Flop? Die Warn-App NINA und manche Sirenen sollen nicht funktioniert haben.

Bild: Rolf Vennenbernd, dpa (Symbolbild)

War der Warntag 2020 ein Flop? Die Warn-App NINA und manche Sirenen sollen nicht funktioniert haben.

Bild: Rolf Vennenbernd, dpa (Symbolbild)

Am Donnerstag war bundesweiter Warntag - um 11 Uhr sollten Sirenen heulen und Warnapps im Allgäu alarmieren. Doch vielerorts blieb es still. Woran das lag.

11.09.2020 | Stand: 08:41 Uhr

Aktualisiert um 16.20 Uhr - Der erste bundesweite Probealarm am Donnerstag hat bei manchen Menschen in Bayern für Verwunderung gesorgt - denn mancherorts gab es keinen Sirenen-Alarm und auch die amtlichen Warn-Apps blieben teilweise still. Auch im Allgäu. Der Grund: In der Region gibt es kaum noch Katastrophenschutz-Sirenen - deshalb war um 11 Uhr auch kaum etwas zu hören. Zwar gibt es viele Sirenen, die zur Alarmierung von Feuerwehren dienen. Aber nur wenige dieser Sirenen sind in der Lage, zusätzlich auch Warnsignale des Katastrophenschutzes wiederzugeben. 

Die bayerische Staatsregierung hatte am Mittwoch noch angekündigt, dass im Freistaat am Warntag das Sirenenwarnsystem mit einem Heulton von einer Minute Dauer ausgelöst werden sollte. Viele Bürger waren aufgrund der großen Ankündigungen in den vergangenen Tagen zum Warntag davon ausgegangen, dass um 11 Uhr Sirenen-Geheule zu hören sein würde. In sozialen Netzwerken äußerten sich viele Nutzer dann verwundert darüber, dass Sirenen doch nicht geheult haben.

 

Kaum Sirenen im Allgäu zu hören

Dass nicht alle Städte und Landkreise im Allgäu am Probealarm teilnahmen, wurde vorab allerdings nicht angekündigt. Die Bundesregierung hatte zuletzt stets davon gesprochen, "dass  zeitgleich in allen 16 Bundesländern in den Landkreisen und Kommunen die Warnmittel ausgelöst werden" und dass der Warntag in allen Städten und Gemeinden stattfinden würde.

Aber zurück ins Allgäu: Selige Stille herrschte beispielsweise um 11 Uhr in Memmingen. Laut Stadt gibt es dort gar keine stationären Sirenen mehr, die man hätte testen können. Die mobilen Sirenen wiederum seien neulich erst gewartet und auf ihre Tauglichkeit geprüft worden, daher gab es keine Notwendigkeit, sie heute erneut zu testen, sagte ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion am Nachmittag.

Auch im Unterallgäu war von dem Probealarm wenig zu merken. Laut Landratsamt gibt es dort nämlich die Sirenen, welche am Warntag getestet wurden, schlicht nicht. Bei Notfällen greife man hier auf die Sirenen der Feuerwehr und andere Kommunikationsmittel zurück.

Wer in Kaufbeuren um 11 Uhr die Ohren gespitzt hat, hat außer dem Läuten der Kirchenglocken (hoffentlich) nichts gehört. Auch hier sind die alten Sirenen durch die Feuerwehr-Sirenen ersetzt worden, welche den einminütigen Dauerton, der am Donnerstag getestet werden sollte, schlicht nicht ausspielen können. "Wir haben es für überflüssig erachtet, darauf hinzuweisen, dass wir keinen Hinweiston haben", sagte ein Sprecher der Stadt.

Mitte der 90er wurden laut Landratsamt Ostallgäu bundesweit die alten Warn-Sirenen demontiert.  Nur Landkreise, in denen besondere Betriebe - zum Beispiel Kernkraftwerke - liegen, haben noch diejenigen Sirenen, welche heute getestet wurden. Das Ostallgäu gehört nicht dazu. Dafür hat die Warn-App NINA laut Landratsamt angeschlagen und Nutzern eine Warnmeldung auf dem Handy zukommen lassen. Da eine ausbleibende Sirenenwarnung niemand beunruhige oder störe, wies das Landratsamt im Vorhinein nicht darauf hin, dass das Ostallgäu nicht an dem bundesweiten Test-Alarm teilnehmen werde.

In der Stadt Kempten waren Sirenen zu hören, teilweise auch in den direkt angrenzenden Gemeinden. "Der Heulton soll die Bevölkerung veranlassen, bei schwerwiegenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit, ihre Rundfunkgeräte einzuschalten und auf Durchsagen zu achten", hieß es von der Stadt in einer Pressemitteilung. Im Westallgäu heulten die Sirenen bei der Firma Liebherr Aerospace in Lindenberg, die sich an der bundesweiten Aktion zum Warntag beteiligt hatten.

In Landkreis Lindau war um 11 Uhr sonst nichts zu hören. Es ging beim Probealarm ausschließlich um solche Sirenen, die für den Zivilschutz gedacht sind, heißt es von der dortigen Katastrophenschutzbehörde. Davon gibt es im Landkreis Lindau eine einzige – genau die bei Liebherr-Aerospace. 

 

Probleme mit Warn-App im Allgäu

 Im Oberallgäu war es ebenfalls ruhig, dies war aber so angekündigt. Die Oberallgäuer wollten größtenteils über die Warn-App NINA alarmieren - allerdings meldeten auch hier viele Leser aus der Region auf Facebook eine deutliche Verzögerung von 30 bis 40 Minuten. 

Auch im Landkreis Ostallgäu, in der Stadt Kaufbeuren und im Kreis Lindau sollte über die Warnapp NINA alarmiert werden. 

Die Probleme bei der Auslieferung der Warnmeldung gab es bundesweit: Die Warn-App NINA war bei vielen Nutzern zunächst still geblieben. "Wir wissen, dass es teilweise geklappt hat", sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn nach dem Probealarm. Teilweise sei es aber auch zu einer Überlastung des modularen Warnsystems gekommen. "Deshalb gab es Verzögerungen bei der Auslösung."

 

"Fiasko": Viel Kritik am Warntag

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, bezeichnete den Warntag als "Fiasko". Statt die Bevölkerung mit den Warnsystemen vertraut zu machen, habe der Tag gezeigt, dass diese nicht vernünftig funktionierten.

"Im Bereich Katastrophen- und Bevölkerungsschutz gibt es praktisch in ganz Deutschland besteht dringenden Handlungsbedarf", so Theurer. Die Bundesregierung müsse jetzt das Versagen der verschiedenen Systeme aufarbeiten und konkrete Lösungen präsentierten.

 

Warntag 2020: Erstmals seit der Wiedervereinigung läuteten die Sirenen

Erstmals seit der Wiedervereinigung war um 11.00 Uhr der bundesweite Probealarm ausgelöst worden. Der sogenannte Warntag dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge.