Wegen Corona-Schutzmaßnahmen: Werden es die Überträger anderer Infektionskrankheiten schwerer haben?

Eine Virologin nimmt an, dass sich durch die Hygiene-Maßnahmen während der Corona-Pandemie andere Infektionskrankheiten während der kalten Jahreszeit nicht so gut ausbreiten könnten.

Eine Virologin nimmt an, dass sich durch die Hygiene-Maßnahmen während der Corona-Pandemie andere Infektionskrankheiten während der kalten Jahreszeit nicht so gut ausbreiten könnten.

Bild: picture alliance/Daniel Karmann/dpa (Symbolbild)

Eine Virologin nimmt an, dass sich durch die Hygiene-Maßnahmen während der Corona-Pandemie andere Infektionskrankheiten während der kalten Jahreszeit nicht so gut ausbreiten könnten.

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Masken, Handhygiene und Hustenetikette könnten während der kalten Jahreszeit dafür sorgen, dass andere Infektionskrankheiten zurückgehen.
Eine Virologin nimmt an, dass sich durch die Hygiene-Maßnahmen während der Corona-Pandemie andere Infektionskrankheiten während der kalten Jahreszeit nicht so gut ausbreiten könnten.
dpa
08.09.2020 | Stand: 17:34 Uhr

Eine schon ältere Studie aus Hongkong mache ihr da "ein bisschen Hoffnung", sagte die neue Gesprächspartnerin im vielbeachteten NDR-Podcast "Coronavirus-Update", die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek.

Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt wechselt sich mit dem Berliner Virologen Christian Drosten künftig wochenweise ab. Am Dienstag gab die Frankfurterin ihren Einstand als Interviewpartnerin.

Die Hongkonger Wissenschaftler hatten im Jahr 2003, als Sars - ebenfalls ein Coronavirus - grassierte, die Zahl von Atemwegsinfektionen mit der in den Vorjahren verglichen. Aus Angst, sich anzustecken, hätten in Asien damals die meisten Menschen die sogenannten AHA-Regeln befolgt, sagte Ciesek. Die Frage war: "Was hatte das für einen Einfluss auf andere Viren?"

Studie aus Hongkong zeigt, dass Infektionskrankheiten weniger werden

Verglichen wurden die Daten für vier Erreger, darunter den der Grippe. "Man hat gesehen, dass das Verhalten dazu geführt hat, dass diese Infektionen alle deutlich zurückgingen in den Monaten", sagte Ciesek. Es habe sogar ein Kontrollvirus gegeben: Hepatitis B. Hier gingen die Zahlen nicht zurück - das Virus wird nicht über die Luft, sondern über Sexualkontakte übertragen.

"Die Studie gibt mir ein bisschen Hoffnung für den Herbst/Winter", sagte Ciesek. "Ich denke schon, dass man sicherlich durch die AHA-Regeln auch andere Virusinfektionen seltener sehen wird".

Viel hängt von der Menge des verfügbaren Impfstoffs ab

Dennoch sei es sehr wichtig, dass sich die Risikogruppen impfen lassen. Welche Personengruppen geimpft werden sollten, sei abhängig von der Menge der verfügbaren Dosen, sagte Ciesek. Der Vorschlag, auch alle Kinder gegen Grippe zu impfen, sei "sicher eine gute Idee", aber nur, wenn der Impfstoff dafür reicht.

"Das ist ganz wichtig, dass man jetzt genaue Kriterien festlegt, damit die Dosen möglichst sinnvoll verteilt werden", mahnte Ciesek an. Lesen Sie auch: Pharma-Unternehmen versprechen bei der Entwicklung des Coronavirus-Impfstoffs rigoroses Vorgehen.

Verschiedene Infekte anhand ihrer Symptome zu unterscheiden sei "total schwer", so Ciesek. Klarheit bringe nur eine Laboruntersuchung. Da gebe es im Herbst eine Neuerung: die Multiplex-PCR. "Das heißt, Sie machen einen Abstrich und können dann im Labor verschiedene Erreger auf einmal testen - nicht nacheinander, sondern parallel."