Boulevardblatt am Pranger

Artikel über Drosten-Studie: Presserat rügt "Bild"

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt - sein Blatt bekam eine Rüge des Presserats

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt - sein Blatt bekam eine Rüge des Presserats

Bild: Jörg Carstensen/dpa

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt - sein Blatt bekam eine Rüge des Presserats

Bild: Jörg Carstensen/dpa

Ein Artikel über eine Studie des Virologen Christian Drosten hat der "Bild"-Zeitung eine Rüge des Deutschen Presserates eingebracht. Wie das Blatt reagiert.

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt - sein Blatt bekam eine Rüge des Presserats
dpa
11.09.2020 | Stand: 18:51 Uhr

In dem Fall sieht der Beschwerdeausschuss des Presserats in dem im Mai erschienenen Bericht mehrere Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht laut Pressekodex, an dessen ethischen Standards sich die Medienbranche orientiert. Der "Bild"-Bericht "Fragwürdige Methoden: Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch" befasste sich mit einer Studie des Virologen zur Ansteckungsgefahr durch Kinder in der Corona-Pandemie. Sie war zu dem Zeitpunkt noch nicht von unabhängigen Experten geprüft worden, Drosten hatte den Entwurf der Studie im Internet veröffentlicht.

Presserat rügt "Bild": Das meint das Gremium zum Drosten-Artikel

Der Presserat erklärte zu dem "Bild"-Artikel, dass nach Auffassung der Ausschussmitglieder unter anderem die Formulierung in der Überschrift, die Studie sei "grob falsch", im Text dann von den zitierten Expertenmeinungen nicht gedeckt sei. Der Presserat monierte unter anderem auch, dass nicht erwähnt worden sei, dass es sich bei der Studie um den Stand einer Vor-Veröffentlichung handelte.

Boulevardblatt gibt sich trotz Rüge uneinsichtig

Ein "Bild"-Sprecher teilte am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: "Die wie immer zu erwartende Kommentierung des Presserates nehmen wir zur Kenntnis. Der Kern der Berichterstattung von "Bild" zu der Studie, die große gesellschaftliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unserem Land hatte, bleibt davon unberührt."

Sogar Ex-Politik-Chef der "Bild" spricht von "niederträchtigen" Recherchemmethoden

Selbst bei Ex-Bild-Redakteuren hatte der Artikel des Boulevardblatts für massive Kritik gesorgt. Georg Streiter, von 2005 bis 2009 Ressortleiter Politik der Bild, hatte in einem Facebook-Posting dem Autor Filipp Piatov und Chefredakteur Julian Reichelt "Totalversagen" vorgeworfen. Die Recherche-Methoden des Blattes seien in diesem Fall "niederträchtig" gewesen.

Der Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse, also von Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien. Zu den Sanktionen, die der Presserat verhängen kann, zählen ein Hinweis, eine Missbilligung und die Rüge als härteste Folge. Eine öffentliche Rüge - wie jetzt in diesem Fall - bedeutet, dass die betroffene Redaktion in einer ihrer nächsten Ausgaben diese veröffentlichen muss.
Lesen Sie auch: Masken zu tragen macht wirklich Sinn. Und fünf Tage Quarantäne könnten ausreichen. Das und mehr erklärt Christian Drosten in seinem Podcast.