Corona-Krise

Breite Kritik an Verbreiten von Verschwörungstheorien

Gegen Verschwörungstheorien und rechte Ideologen wendet sich dieser Demonstrant. Der Protest gegen die Corona-Strategie der Bundesregierung wird Experten zufolge teils von Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten unterwandert.

Gegen Verschwörungstheorien und rechte Ideologen wendet sich dieser Demonstrant. Der Protest gegen die Corona-Strategie der Bundesregierung wird Experten zufolge teils von Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten unterwandert.

Bild: Benjamin Schwärzler

Gegen Verschwörungstheorien und rechte Ideologen wendet sich dieser Demonstrant. Der Protest gegen die Corona-Strategie der Bundesregierung wird Experten zufolge teils von Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten unterwandert.

Bild: Benjamin Schwärzler

Die Bundesregierung hat das Recht auf friedliches Demonstrieren in der Corona-Krise betont. Das Verbreiten von Verschwörungstheorien verurteilt sie.
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dpa
11.05.2020 | Stand: 19:04 Uhr

 Die Bundesregierung kritisierte am Montag zugleich Übergriffe auf Polizisten und Journalisten scharf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte erneut an die Bürger, sich bei allen Lockerungen an die «Grundgebote» des Abstandhaltens und des Tragens eines Mund-Nase-Schutzes zu halten. «Aufeinander Rücksicht nehmen, das ist ganz wichtig», sagte sie in Berlin. Das sogenannte Corona-Kabinett beschloss ein 750-Millionen-Euro-Programm für die Herstellung und Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus.

Am Wochenende hatten Tausende Menschen in vielen Städten Deutschlands gegen die Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens im Kampf gegen die Corona-Pandemie demonstriert. Die geltenden Abstandsregeln wurden oft missachtet, Schutzmasken nicht getragen. Wie schon in den Wochen davor waren unter den Teilnehmern unter anderem Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, Rechtspopulisten und politisch schwer einzuordnende Menschen. Es kam zu Angriffen auf Polizisten und in einem Fall auch auf Journalisten. Schon bei früheren Protesten waren Fernsehteams attackiert worden.

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte die zunehmenden Proteste nicht als Signal für einen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung werten. An manchen Orten kämen einige hundert, an anderen einige tausend Teilnehmer. «Daraus kann man unmöglich hochrechnen auf das Verhalten und die Überzeugungen von 83 Millionen Menschen in Deutschland.»

Seibert: "Wer so etwas verbreitet, der will unser Land spalten" 

Seibert betonte: «Friedliche Demonstrationen sind auch in dieser Zeit wichtig, um auch divergierende Meinungen öffentlich darstellen zu können.» Lebhafte Debatte sei das Zeichen eines freien Landes. Etwas ganz Anderes seien abstruse Behauptungen, hasserfüllte Stereotype oder Theorien, die einen Sündenbock oder «Weltbösewicht» suchten. «Wer das verbreitet, der will sein verschwörungstheoretisches Süppchen kochen, mit dem er offensichtlich bei anderen Gelegenheiten nicht so recht zum Zuge gekommen ist. Wer so etwas verbreitet, der will unsere Land spalten und die Menschen gegeneinander aufbringen.»

Auch die «hohe Aggressivität» bei manchen Demonstrationen mache der Regierung Sorgen, sagte Seibert. «Wer Polizisten oder Journalisten angreift, der kann sich nicht verstecken hinter dem Recht auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung.»

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Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) rief im «Handelsblatt» die Teilnehmer von Demonstrationen dazu auf, sich gut zu überlegen, in welche Gesellschaft sie sich begäben. «Mich erfüllt mit großer Sorge, wenn normale Bürger zusammen mit Rechtsextremisten, Demokratiefeinden und Verschwörungstheoretikern demonstrieren.»

Nach den Worten des Chefs des Bundeskriminalamts, Holger Münch, haben Verschwörungstheoretiker das Thema Coronavirus «dankend aufgenommen». Mit dem Aufkommen von Demonstrationen hätten vor allem Akteure aus dem rechten Spektrum versucht, die Proteste des bürgerlichen Lagers, das von den Corona-Maßnahmen belastet sei, zu kapern, sagte Münch. «Die Wahrscheinlichkeit, dass das zu einem wirklich ernsthaften Problem werden kann, steigt mit der Abnahme der Akzeptanz der Maßnahmen einerseits oder der Frage, ob wir ein wirklich großes wirtschaftliches Problem gerade für viele Bundesbürger bekommen.»

Zentralrat der Juden: Rechtsradikale nutzen Corona-Krise für ihre Zwecke 

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnte: «Rechtsradikale nutzen die durch die Corona-Krise entstandenen Ängste, um antisemitische Verschwörungsmythen und ihr radikales Weltbild zu verbreiten - im Internet aber auch auf sogenannten Hygiene-Demos.» Wer daran teilnehme, müsse sich bewusst machen, an wessen Seite er demonstriere. «Mit Antisemiten und Rechtsradikalen darf man sich nicht gemein machen.»

Nach einer Videoschalte des CDU-Präsidiums hieß es am Montag aus der Partei, Demonstrationen ohne Distanz untereinander und ohne Distanzierung von mitlaufenden Extremisten seien besorgniserregend.

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg sagte, die Debatte über die Öffnungsstrategie sei wichtig. «Und gleichzeitig gilt für uns: Dabei ist Abstand zu halten von jeglichen Gegnern unserer freiheitlichen Demokratie, von allen obskuren Verschwörungstheoretikern.» Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck verlangte, den Bürgern die Gründe für Entscheidungen und die Lage besser zu erklären. Erst mit dem vergangenen Wochenende sei auf der politischen Tagesordnung angekommen, was sich «da möglicherweise wieder zusammenbraut».

 

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AfD-Fraktionschef Alexander Gauland betonte, es gehöre zur Meinungsfreiheit, dass man auch Ansichten aushalten müsse, die einem nicht passten. «Nicht die Demonstrationen führen zur nun wieder beklagten Spaltung der Gesellschaft, sondern die pauschale Schmähung der Teilnehmer als Rechtsextremisten, Spinner, Wirrköpfe oder Verschwörungstheoretiker.»

Nach der Sitzung des Corona-Kabinetts berichtete Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU), dass der Bund rund 500 Millionen Euro in den Ausbau von Studienkapazitäten für die Impfstofferprobung und 250 Millionen Euro in das Aufstocken von Produktionskapazitäten in Deutschland investieren wolle. Dies solle unter anderem bevorstehende Impfstoffstudien gleich mit größerer Probandenzahl ermöglichen, was aufwendig und kostenintensiv sei.

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