Brexit-Deal

Brexit-Deal auf den letzten Drücker? Wie die EU und Großbritannien auf die Verhandlungen blicken

Großbritannien bleibt in den Brexit-Verhandlungen pessimistisch und fordert ein Entgegenkommen der EU.

Großbritannien bleibt in den Brexit-Verhandlungen pessimistisch und fordert ein Entgegenkommen der EU.

Bild: Kirsty O'Connor, dpa (Symbolbild)

Großbritannien bleibt in den Brexit-Verhandlungen pessimistisch und fordert ein Entgegenkommen der EU.

Bild: Kirsty O'Connor, dpa (Symbolbild)

Noch immer gibt es kein Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien. Trotz Fortschritte bleibt die Situation kritisch. Wie beide Seiten in die Zukunft sehen.
Großbritannien bleibt in den Brexit-Verhandlungen pessimistisch und fordert ein Entgegenkommen der EU.
dpa
18.12.2020 | Stand: 10:02 Uhr

Die EU und Großbritannien scheinen sich beim Ringen um ein Handelsabkommen wieder ein Stückchen näher gekommen zu sein. Doch der Gordische Knoten ist noch nicht zerschlagen. Beide Seiten sehen noch große Differenzen, besonders London gibt sich pessimistisch.

Zwei Wochen vor dem Ende der Brexit-Übergangsphase lässt ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU noch immer auf sich warten. Eine Hängepartie über die Weihnachtstage scheint nicht ausgeschlossen. Die Verhandlungen sollten am Freitag fortgesetzt werden.

Laut Premier Johnson sei ein Scheitern der Brexit-Verhandlungen "sehr wahrscheinlich"

Nach einem Telefonat mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen teilte der britische Premier Boris Johnson am Donnerstagabend mit, ein Scheitern sei nun "sehr wahrscheinlich", sollte die EU ihre Position nicht wesentlich ändern. Der britische Unterhändler David Frost schrieb auf Twitter: "Fortschritt scheint blockiert und die Zeit wird knapp."

Gleichzeitig ließ die Londoner Seite aber auch erkennen, dass sie bei den beiden schwierigsten Feldern bereits Zugeständnisse gemacht habe oder diese noch möglich sein könnten. Beim Thema fairer Wettbewerb habe man sich "alle Mühe gegeben, um berechtigten Forderungen der EU entgegenzukommen", hieß es in der Mitteilung. Bei der Fischerei könne man aber nicht über längere Zeit eine Situation akzeptieren, in der Großbritannien den Zugang zu seinen Fischgründen nicht kontrollieren könne. Der Einschub "über längere Zeit" wurde als Zeichen möglicher Kompromissbereitschaft gedeutet.

EU-Kommission spricht von "substanziellem Fortschritt" trotz "großer Differenzen"

Von Kommissionsseite hatte es nach dem Telefonat geheißen, es habe "substanziellen Fortschritt" gegeben. Trotzdem bestünden noch "große Differenzen", vor allem beim Thema Fischerei. Sie zu überbrücken sei "sehr herausfordernd".

Ob die vom Europaparlament geforderte Einigung schon an diesem Sonntag erreicht werden kann, schien zweifelhaft. Nur wenn der Vertrag bis dahin fertig sei, könne man ihn noch in diesem Jahr ratifizieren, hatte die Parlamentsspitzen am Donnerstag erklärt.

Der britische Staatsminister Michael Gove sprach hingegen von der Möglichkeit, bis nach Weihnachten weiter zu verhandeln. In dem Fall könnte ein mögliches Abkommen zunächst ohne Ratifizierung durch das EU-Parlament vorläufig angewendet werden. Das Europaparlament lehnt dies ab.

Das britische Unterhaus tagte am Donnerstag ein letztes Mal vor der Weihnachtspause. Die Regierung hat jedoch angekündigt, die Abgeordneten zurückzubeordern, sollte ein Deal zustande kommen. Man sei zuversichtlich, dass die Zeit ausreichen werde, um die notwendige Gesetzgebung durchs Parlament zu bringen, sagte ein Sprecher Johnsons.

Es bleibt nur noch wenig Zeit für eine Ratifizierung, falls ein Brexit-Deal zustande kommt

Sitzungen an Weihnachten oder anderen Feiertagen über den Jahreswechsel kämen nicht in Frage - und eine außerordentliche Sitzung müsse 48 Stunden im Voraus angekündigt werden. Damit bleiben nur noch wenige Tage für die Ratifizierung übrig, entweder unmittelbar vor Weihnachten oder kurz vor Silvester.

Sollte bis Jahresende keine Einigung mehr gelingen, drohen Zölle und andere Handelshemmnisse zwischen Großbritannien und dem Kontinent. Auch andere Kooperationsbereiche, beispielsweise bei der Polizeizusammenarbeit, könnten empfindlich leiden.

(Lesen Sie auch: Angela Merkel: Brexit-Einigung mit London weder sicher noch ausgeschlossen)