Corona-Pandemie

Afrika wird beim Impfen abgehängt

Dutzende Länder vor allem in Afrika werden das Ziel von 40 Prozent Corona-Geimpften bis Ende 2021 verfehlen. Dieses Ziel hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO im Sommer ausgegeben.

Dutzende Länder vor allem in Afrika werden das Ziel von 40 Prozent Corona-Geimpften bis Ende 2021 verfehlen. Dieses Ziel hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO im Sommer ausgegeben.

Bild: Gbemiga Olamikan, dpa

Dutzende Länder vor allem in Afrika werden das Ziel von 40 Prozent Corona-Geimpften bis Ende 2021 verfehlen. Dieses Ziel hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO im Sommer ausgegeben.

Bild: Gbemiga Olamikan, dpa

In reichen Ländern sind die Impfquoten vergleichsweise hoch, in vielen armen Staaten sind bisher nur wenige Menschen geschützt. Woran das liegt.
29.12.2021 | Stand: 15:15 Uhr

Auf der Karte, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) regelmäßig mit den aktuellsten Zahlen des globalen Impffortschritts bestückt, dominieren zwei Farben: Grün steht für jene Länder, die ihre Bevölkerung durch die Impfungen immer besser vor der Pandemie schützen können – rot für jene, in denen das Impfen kaum Fortschritte macht.

Und während sich die meisten Regionen der Welt im Laufe der vergangenen Monate grün gefärbt haben, klafft auf einem Kontinent eine gewaltige rote Kluft: Dutzende Länder vor allem in Afrika werden das von der WHO ausgegebene Ziel von 40 Prozent Corona-Geimpften bis Ende dieses Jahres verfehlen. In rund 40 Ländern sind aktuell noch nicht einmal zehn Prozent der Menschen geimpft.

Aktuelle Impfquoten in afrikanischen Ländern

Weltweit wurden bis Dienstag mehr als 8,6 Milliarden Impfdosen verabreicht, dies allerdings überwiegend in Ländern mit hohen Einkommen, die eigene Verträge mit Impfstoffherstellern hatten. Während in Deutschland nach aktuellen WHO-Zahlen rund 171 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht worden waren, waren es in Madagaskar erst knapp 2,7, in der Demokratischen Republik Kongo 0,32, in Malawi 8,56. In den meisten Ländern Afrikas liegt die Zahl höchstens im niedrigen zweistelligen Bereich. Lichtblicke sind entwickelte Länder wie Südafrika mit 46,39 Impfdosen pro 100 Einwohnern oder Ägypten mit 49,63, Marokko mit 135,49 und Tunesien mit 106,82 Impfdosen. Massiv aufgeholt haben hingegen die Länder Lateinamerikas. (Hier lesen Sie, wie viele Erst-, Zweit- und Drittimpfungen im Allgäu bereiits gegeben wurden.)

Auch Deutschland hat Impf-Spenden ins neue Jahr verschoben

Ein Grund für diese weltweite Kluft ist die ungleiche Verteilung von Impfstoffen. Die Nichtregierungsorganisation Oxfam hat ausgerechnet, dass die EU, Großbritannien und die USA alleine in den letzten sechs Wochen dieses Jahres mehr Impfdosen erhalten haben, als die afrikanischen Länder über das ganze Jahr.

Auch Deutschland hatte rund um Weihnachten seine Impfkampagne noch einmal beschleunigt – auch aus Angst vor der Omikron-Variante. Deutschland etwa hat geplante Impfstoffspenden an ärmere Länder ins nächste Jahr verschoben, um die Booster-Kampagne zu beschleunigen. Die WHO kritisiert immer wieder, dass versprochene Lieferungen oft lange auf sich warten ließen. Einiges Material habe zudem nur noch wenige Wochen bis zum Ablaufdatum, was eine zeitgerechte Verteilung kompliziert mache.

Forscher warnen vor Auftreten von Corona-Mutationen in Gebieten mit niedriger Impfquote

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Dabei warnen Forscher seit langem davor, dass gerade dort, wo viele Menschen ungeimpft sind, Mutationen auftreten und sich über die ganze Welt verbreiten. Auch Omikron wurde zuerst in Südafrika nachgewiesen. „Die reichen Länder verlassen sich auf Auffrischungsimpfungen, um sich vor Omikron und künftigen Varianten von Covid-19 zu schützen“, kritisiert Anna Marriott, Managerin für Gesundheitspolitik bei Oxfam.

„Aber Booster können nie mehr als eine vorübergehende und unzureichende Firewall sein. Um die Bedrohung durch Varianten auszuschalten und diese Pandemie zu beenden, muss die ganze Welt geimpft werden.“ Oxfam fordert die Freigabe der Impfpatente, das lehnt die Pharmabranche ab. Die Mainzer Firma Biontech will allerdings im kommenden Jahr ein eigenes Werk in Afrika aufbauen, im Gespräch sind Standorte in Ruanda und im Senegal.

Impfskepsis ist in Afrika weit verbreitet

Zum Mangel an Impfstoffen hinzu kommt allerdings auch eine weitverbreitete Skepsis unter anderem in afrikanischen Ländern gegenüber der Impfung und Probleme der örtlichen Regierungen bei der Verteilung der Vakzine. Die Industrie hat nach Schätzungen des Pharmaverbandes IFPMA im Dezember rund 1,4 Milliarden Impfdosen hergestellt, verimpft wurden längst nicht alle. In einigen Ländern wie Kenia wird deshalb über eine Impfpflicht diskutiert.

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