Corona-Pandemie

Noch keine Bestellungen: Versagt Deutschland bei der Corona-Pille?

Tabletten, Kapseln und Pillen in verschiedenen Farben liegen in einem Medikamenten-Behälter einer Apotheke. Wann kommt die Pille gegen Corona?

Tabletten, Kapseln und Pillen in verschiedenen Farben liegen in einem Medikamenten-Behälter einer Apotheke. Wann kommt die Pille gegen Corona?

Bild: Friso Gentsch, dpa

Tabletten, Kapseln und Pillen in verschiedenen Farben liegen in einem Medikamenten-Behälter einer Apotheke. Wann kommt die Pille gegen Corona?

Bild: Friso Gentsch, dpa

Deutschland hat schon die Bestellung von Covid-19-Impfstoffen verschlafen. Bei Tabletten gegen die Krankheit sieht es gerade nicht besser aus.
30.11.2021 | Stand: 06:47 Uhr

Vor gut einem Jahr tobte in Deutschland der Impfstoff-Streit. Die Regierung hatte zu spät zu wenig Serum gegen das Corona-Virus bestellt, es reichte hinten und vorne nicht. Diese Geschichte scheint sich gerade zu wiederholen, diesmal bei den Tabletten, die Covid-19-Erkrankten helfen sollen. Es gibt sie schon, einige Länder haben sie bereits bestellt – nur die Bundesregierung verschläft die Entwicklung erneut. Bestellungen jedenfalls gibt es noch keine, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte lediglich, man sei an dem Thema dran.

Die Tabletten von Merck und Pfizer zeigen gute Wirkung

Dabei geht es vorrangig um antivirale Pillen der US-Pharmaunternehmen MSD (Merck) und Pfizer. Die österreichische Bundesregierung etwa hat gerade für 50 Millionen Euro von diesen Firmen die Medikamente Lagevrio (Molnupiravir) und Paxlovid bestellt. Auch reduziert sich durch die Tabletten die Zahl der Menschen, die ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, um mindestens die Hälfte, wie Erprobungsstudien zeigen. Die Tabletten sind leichter zu verabreichen als die bereits zur Verfügung stehenden monoklonalen Antikörper, die über einen Zeitraum von mehreren Stunden als Infusion gegeben werden.

Joe Biden hat die Corona-Medikamente schon bestellt

„Wir sind in Verhandlungen, in sehr konkreten, sowohl mit MSD als auch mit Pfizer, was die antiviralen Tabletten angeht“, sagte Spahn. Die geschäftsführende Regierung mache sich „Gedanken darüber, wie wir die so ins System bringen, dass sie dann auch sehr frühzeitig die Patientinnen und Patienten, die es betrifft, erreichen.“ (Lesen Sie auch: Welt ringt um gemeinsame Pandemie-Strategie)

Dieses von Pfizer via AP zur Verfügung gestellte Bild zeigt die vom Unternehmen hergestellte Pille gegen Covid-19.
Dieses von Pfizer via AP zur Verfügung gestellte Bild zeigt die vom Unternehmen hergestellte Pille gegen Covid-19.
Bild: Pfizer, AP, dpa

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ist bereits dran. Sie leitete vor wenigen Tagen eine Prüfung von Paxlovid ein. Ziel ist es, die „die nationalen Behörden zu unterstützen, die möglicherweise über eine frühzeitige Anwendung von Paxlovid für Covid-19 entscheiden, zum Beispiel in Notfallsituationen, bevor eine Zulassung erteilt wird“. Bei Lagevrio läuft die Überprüfung, es gibt aber bereits eine EMA-Empfehlung für die Behandlung bei Erwachsenen, die keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Auch wenn beide Präparate noch nicht zugelassen sind, nehmen die Hersteller schon jetzt Bestellungen entgegen, um nach der Zulassung liefern zu können. Deutschland steht in der Schlange hinten.

Corona-Tabletten können über die EU bestellt werden

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Der CDU-Politiker Spahn wies denn auch darauf hin, dass es eine weltweite Nachfrage nach Corona-Tabletten gibt. „Es ist gerade so, dass 190 Staaten auf der Welt im Zweifel diese Produkte haben wollen – oder zumindest viele Staaten.“ Zu Beginn seien diese Tabletten„natürlich wieder knappe Güter. Deswegen kümmere ich mich ja auch persönlich.“ Solche Dinge würden nur funktionieren, wenn auf höchster politischer Ebene die entsprechenden Gespräche geführt und begleitet würden. „Aber es ist natürlich eine Herausforderung im weltweiten Wettbewerb mit Unternehmen, die jetzt per se nicht ihren Sitz in Deutschland haben, dann auch immer zu entsprechenden Abschlüssen zu kommen. Aber wir sind dran“, erklärte der geschäftsführende Gesundheitsminister.

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Die Bestellungen können über den EU-Einkaufsmechanismus vorgenommen werden, der im Zuge der Impfstoffbeschaffung eingeführt wurde. Österreich behält sich aber vor, direkt bei den Herstellern einzukaufen. Andere Staaten gehen noch selbstbewusster an die Sache heran. US-Präsident Joe Biden verkündete kürzlich, „dass wir zehn Millionen Behandlungseinheiten der antiviralen COVID-19-Pille von Pfizer gekauft haben, die ab Ende dieses Jahres und bis 2022 geliefert werden sollen“. Die amtliche Prüfung sei zwar noch nicht abgeschlossen, seine Regierung treffe aber bereits „jetzt die notwendigen Vorbereitungen, um sicherzustellen, dass diese Behandlungen leicht zugänglich und kostenlos sein werden“.

Linke fordern mehr Tempo bei der Medikamenten-Beschaffung

In Deutschland fordert die Opposition ein höheres Tempo ein. „Wenn die Arzneimittel wirklich einen therapeutischen Durchbruch bei der Behandlung von schwer COVID-Kranken bedeuten, ist die Versorgung für mich eine Frage des öffentlichen Gesundheitsschutzes“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Susanne Ferschl, unserer Redaktion. Es seien „alle Hebel zu aktivieren, um rasch eine ausreichende Produktion zu gewährleisten und um die Preise zu regulieren“.

Die Vize-Fraktionsvorsitzend der Linken, Susanne Ferschl, fordert mehr Tempo bei der Beschaffung der Medikamente.
Die Vize-Fraktionsvorsitzend der Linken, Susanne Ferschl, fordert mehr Tempo bei der Beschaffung der Medikamente.
Bild: Mathias Wild

Ferschl hat dabei auch die finanzschwachen Länder im Blick. „Wenn Menschen sterben, weil sich ihre Staaten die Arzneimittel nicht leisten konnten, ist das wie bei den Impfstoffen ein weiteres Versagen der internationalen Staatengemeinschaft“, erklärte sie. Die Arzneimittel müssten dahin, wo Länder gerade mit hohen Corona-Wellen zu kämpfen haben. „Wie bei den Impfstoffen brauchen wir daher auch für Arzneimittel eine EU-weite Beschaffung und eine gerechte Verteilung dorthin, wo die Luft brennt.“ Das sei auch notwendig, um die Nachfragemacht der EU-Staaten gegenüber den Patentinhabern zu bündeln.

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