Zahlreiche Berichte über Folter

Deutsche Anwälte reichen Klage gegen Lukaschenko ein

Deutsche Anwälte wollen wegen der Gewalt in Belarus gegen Machthaber Lukaschenko vorgehen.

Deutsche Anwälte wollen wegen der Gewalt in Belarus gegen Machthaber Lukaschenko vorgehen.

Bild: Maxim Guchek, dpa

Deutsche Anwälte wollen wegen der Gewalt in Belarus gegen Machthaber Lukaschenko vorgehen.

Bild: Maxim Guchek, dpa

Machthaber Alexander Lukaschenko ist wegen der Gewaltexzesse nach der Präsidentenwahl in Belarus beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe angezeigt worden.
##alternative##
dpa
05.05.2021 | Stand: 08:22 Uhr

Vier deutsche Anwälte reichten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Namen von Folteropfern eine Strafanzeige wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. "Unsere Mandanten erwarten, dass sich Deutschland auch im Falle Belarus zur Verteidigung universeller Menschenrechte bekennt", erklärten die Anwälte. Sie forderten eine unabhängige Aufklärung, die in Belarus selbst nicht zu erwarten sei.

Das sogenannte Weltrechtsprinzip erlaubt es, auch hierzulande Völkerrechtsverbrechen von Ausländern in anderen Staaten zu verfolgen. In Belarus drohten weder Lukaschenko noch den Angehörigen seines Sicherheitsapparats rechtliche Konsequenzen, erklärten die Anwälte.

Gewalt und Entführungen in Belarus

Laut UN-Menschenrechtsrat gibt es zahlreiche Berichte über Folter, Entführungen, willkürliche Ausweisungen und das Verschwinden von Menschen in Belarus. Die Anwälte erklärten, ihre zehn Mandanten sprächen von körperlicher Misshandlung, Nahrungsmittel- und Schlafentzug, Demütigung und Entwürdigung. Man habe sie stundenlang mit gefesselten Händen auf Knien verharren lassen, so dass sie sich nur mit dem Kopf hätten abstützen können. Alle Mandanten hätten schwere gesundheitliche Folgen davongetragen. "Insgesamt kann die staatliche Behandlung nur als bestialisch bezeichnet werden", erklärten die Anwälte.

Hundertausende Menschen haben in Belarus nach der Wahl protestiert

Nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl im vergangenen August hatten in Belarus zeitweise Hunderttausende Menschen gegen Langzeitmachthaber Lukaschenko protestiert. Wegen der Gewaltexzesse von Sicherheitskräften gegen friedliche Demonstranten verhängten die EU und die USA Sanktionen gegen Belarus. Bei den Protesten waren vorübergehend mehr als 30 000 Menschen festgenommen worden. Es gab Hunderte Verletzte und mehrere Tote. Die Opposition sieht die ins EU-Land Litauen geflüchtete Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin der Wahl.

Lesen Sie auch
##alternative##
Prozess vor dem OLG München

"Niemals sicher sein": Mutmaßliche Rechtsterroristin vor Gericht