Drama in Frankreich

Schwerbewaffneter erschießt drei Polizisten: Macron trauert um "Helden"

Ein Polizist regelt den Verkehr für vorbeifahrende Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. In dem Dorf kamen drei Polizisten ums Leben.

Ein Polizist regelt den Verkehr für vorbeifahrende Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. In dem Dorf kamen drei Polizisten ums Leben.

Bild: Olivier Chassignole/dpa

Ein Polizist regelt den Verkehr für vorbeifahrende Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. In dem Dorf kamen drei Polizisten ums Leben.

Bild: Olivier Chassignole/dpa

Eine Frau flieht in einem Dorf nahe Clermont-Ferrand vor ihrem Lebensgefährten auf ein Hausdach. Polizisten eilen zur Hilfe. Drei Beamte sterben im Kugelhagel.
23.12.2020 | Stand: 21:56 Uhr

Sie wollten einer bedrohten Frau zu Hilfe kommen und starben bei dem Rettungseinsatz: Frankreich trauert um drei Polizisten, die von einem Gewalttäter mitten in der Nacht erschossen worden sind. Ein vierter Gendarm wurde verletzt. Staatsanwalt Éric Maillaud sprach von einer "wahrhaftigen Kriegsszene" - am Tatort seien Hunderte Patronenhülsen gefunden worden.

Drei Polizisten erschossen - Macron: "Die Nation teilt den Schmerz der Familien"

Die Frau war in der Nacht zum Mittwoch auf das Dach ihres Hauses in einem abgelegenen zentralfranzösischen Dorf geflohen. Sie alarmierte über eine Freundin die Polizei, da sie von ihrem neuen Lebensgefährten geschlagen worden sei, berichtete der Staatsanwalt. Das Haus habe gebrannt. Die Beamten seien gestorben, als sie die Frau retten wollten. Der Täter sei entschlossen gewesen, "ein Gemetzel anzurichten", so der Ermittler.

Der schwere Angriff unmittelbar vor Weihnachten löste im Land Bestürzung und Anteilnahme aus. "Die Nation teilt den Schmerz der Familien", teilte Staatschef Emmanuel Macron via Twitter mit. Zum Schutz der Bürger riskierten die Sicherheitskräfte ihr Leben: "Es sind unsere Helden", so der Präsident. Die getöteten Gendarmen waren 21, 37 und 45 Jahre alt.

Der Tatverdächtige wurde etwa eineinhalb Kilometer von seinem Haus entfernt tot aufgefunden. Man gehe von einem Suizid aus, so der Staatsanwalt. Es wurde unter anderem ein Sturmgewehr gefunden, am Gürtel hatte der Tatverdächtige vier Messer. Der 48-jährige Todesschütze war geflüchtet, nachdem er sein Haus in dem kleinen Ort Saint-Just südöstlich der Stadt Clermont-Ferrand angezündet hatte. Die Sicherheitskräfte setzten bei der nächtlichen Suche nach dem flüchtigen Täter mehr als 300 Beamte und einen Hubschrauber ein. Die Frau sei in Sicherheit.

Ein Hubschrauber der französischen Polizei fliegt über Saint-Just.
Ein Hubschrauber der französischen Polizei fliegt über Saint-Just.
Bild: Olivier Chassignole/dpa

Innenminister Gérald Darmanin begab sich ins Département Puy-de-Dôme in der Auvergne, um den Kollegen der getöteten Gendarmen sein Beileid auszusprechen. Es handele sich abgesehen von terroristischen Attacken um einen der schlimmsten Vorfälle in der Geschichte der Sicherheitskräfte, sagte der bedrückt wirkende Ressortchef. "Wir sind ihnen Respekt und Anerkennung schuldig." Vier Kinder seien nun Waisen, sagte er mit Blick auf die Familien der Getöteten.

Täter hatte militärische Ausbildung und war Sportschütze

Der mutmaßliche Täter habe einen Sorgerechtsstreit um ein Kind aus einer früheren Beziehung gehabt, sagte Ermittler Maillaud. Gewalttätigkeiten zwischen dem Mann und seiner neuen Partnerin seien bisher nicht bekannt gewesen. Der Mann mit militärischer Ausbildung war Sportschütze und hatte ein "äußerst beunruhigendes Profil", so der Ermittler. "Die Verursacher häuslicher Gewalt sind eine Gefahr für die Gesellschaft", sagte die Beigeordnete Ministerin im Innenministerium, Marlène Schiappa, im Sender BFMTV.

Der verletzte Polizist wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Gendarmerie gehört in Frankreich zwar zum Militär, übernimmt aber Polizeiaufgaben und untersteht deshalb auch dem Innenministerium.

In Frankreich ist Gewalt in der Partnerschaft ein trauriges Dauerthema. Erst im Sommer hatte das Parlament ein neues Gesetz verabschiedet, das zum Schutz vor häuslicher Gewalt ein Lockern der ärztlichen Schweigepflicht zulässt. So können Ärzte oder medizinisches Personal mutmaßliche Gewalttaten den Behörden melden, falls sie annehmen, dass unmittelbare Gefahr droht.

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