Kommentar

Hätte Friedrich Merz nach seiner Kiew-Reise doch besser geschwiegen

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz (rechts) wird in Kiew vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen.

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz (rechts) wird in Kiew vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen.

Bild: Niels Starnick, dpa

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz (rechts) wird in Kiew vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen.

Bild: Niels Starnick, dpa

Der CDU-Chef reklamiert die Entspannung zwischen Steinmeier und Selenskyj als seinen Erfolg – und erweckt damit genau den Eindruck, den er vermeiden wollte.
06.05.2022 | Stand: 19:07 Uhr

In der Politik geht es auch nicht anders zu als in „normalen“ Berufen: Läuft es gut, lassen sich alle gerne auf die Schulter klopfen. Geht es schief, will es am Ende keiner gewesen sein. Insofern standen die Zeichen für Friedrich Merz in dieser Woche nicht schlecht. Mit seiner Reise nach Kiew konnte der CDU-Chef Tatkraft und Entschlossenheit demonstrieren, ohne in der Pflicht zu stehen, auch etwas Nennenswertes mit nach Hause bringen zu müssen.

Es stimmt ja: Jeder Versuch, das Verhältnis zu entspannen, zählt

Nun lässt sich darüber streiten, ob den Oppositionschef aus Deutschland in der Ukraine irgendjemand vermisst hätte, wäre er nicht gekommen. Aber blendet man mal den Verdacht aus, Merz habe sich womöglich nur auf Kosten des (nicht nach Kiew reisenden) Kanzlers profilieren wollen, stimmt es ja, dass jeder Versuch zählt, um angespannte politische Beziehungen zu entspannen.

Darüber, ob und was der CDU-Vorsitzende tatsächlich dazu beigetragen hat, dass Kanzler und Bundespräsident nun wohl doch in die Ukraine fahren werden, kann man lange diskutieren. Glaubhafter jedenfalls wäre seine Erzählung, es sei ihm stets nur um die Sache gegangen und nie um persönliche Eitelkeiten, wenn er anschließend geschwiegen hätte.

Friedrich Merz konnte der Versuchung nicht widerstehen, sich selbst zu profilieren

Stattdessen konnte der 66-Jährige der Versuchung nicht widerstehen, schon mit dem ersten Wort seiner eiligen Twitter-Botschaft klarzustellen, wer in Wahrheit hinter dem diplomatischen Erfolg steckt: „Ich bin Präsident Selenskyj sehr dankbar, dass er meiner Bitte um eine Einladung des Bundespräsidenten gefolgt ist.“ Ob Merz diese „Bitte“ auch öffentlich thematisiert hätte, wenn Selenskyj und Steinmeier nicht aufeinander zugegangen wären?

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