Lockdown ab 16. Dezember

Kommentar: Merkel und die Ministerpräsidenten haben zu lange an den mündigen Bürger geglaubt

Kurz vor dem Lockdown ist auch in Kempten viel los.

Kurz vor dem Lockdown ist auch in Kempten viel los.

Bild: Ralf Lienert

Kurz vor dem Lockdown ist auch in Kempten viel los.

Bild: Ralf Lienert

Der harte Lockdown kommt. Bund und Ländern ist die Corona-Pandemie entglitten. Dass unsere Freiheiten jetzt beschnitten werden, müssen wir uns selbst vorwerfen.
Kurz vor dem Lockdown ist auch in Kempten viel los.
Von Christian Grimm
13.12.2020 | Stand: 16:03 Uhr

Nun also doch. Deutschland fährt herunter. Mehrere Wochen haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten zugesehen, wie ihnen die Corona-Pandemie entgleitet. Eigentlich war schon bei ihrer stundenlangen Sitzung Anfang Dezember klar, dass der sogenannte Lockdown light nicht reichen würde, um die Infektionszahlen zu senken. Fast flehentlich hatten Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer deshalb appelliert, die geplanten Lockerungen zwischen Weihnachten und Neujahr bloß nicht auszunutzen, die sie selbst gewährt hatten.

Eigentlich war ihnen seinerzeit auch schon bewusst, dass Kindergärten, Schulen und der Handel nicht offen bleiben können. Die Ansteckungszahlen sprachen eine klare Botschaft, denn sie blieben konstant hoch. Die Corona-Landkarte färbte sich überall in Deutschland dunkelrot. Und eigentlich wussten sie auch schon vor gut zwei Wochen, dass die verschiedenen Ausnahmen hier und dort an Akzeptanz kosten. (Hier finden Sie die neuen Lockdown-Regeln im Überblick)

Corona-Pandemie: Im Alltag suchten zu viele das Schlupfloch

Zwar erklärt die große Mehrheit der Deutschen in Umfragen regelmäßig, dass sie die Zumutungen in der Pandemiebekämpfung mitträgt, doch im Alltag suchten zu viele eben doch das Schlupfloch oder ließen die Disziplin schleifen. Glühwein zum Mitnehmen ersetzte den Bummel über den Weihnachtsmarkt. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.

Nun muss Deutschland das Virus einfangen, das ihm davongeeilt ist. Gut zwei Wochen haben Bund- und Landesregierungen dabei verloren. Es war richtig, es im November zunächst mit leichteren Einschränkungen zu versuchen, um die zweite Welle zu brechen. Vor vier Wochen entschieden Bund und Länder, die Zügel etwas anzuziehen. Auch der Autor dieser Zeilen hatte geglaubt, dass das reichen würde. Doch weil eine eindeutige Botschaft fehlte, weil die Ansprache zwischen „eigentlich ungut, aber doch erlaubt“ schwankte, war der Ansatz schließlich zum Scheitern verurteilt.

Die Politik hat zu lange an den mündigen Bürger geglaubt

Jetzt wird Härte verordnet, weil es nicht mehr anders geht. Vorwerfen kann man den Mächtigen des Landes, dass sie zu lange an den mündigen Bürger geglaubt haben. Dass nun die Freiheit eines Jeden rigide beschnitten wird, müssen sich hierzulande Millionen selbst vorwerfen.

Aktuelle Entwicklungen gibt es in unserem Corona-Newsblog.