Corona-Impfung

Kommission empfiehlt keine Impfung für Kinder und Jugendliche

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Kindern und Jugendlichen keine Corona-Impfung.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Kindern und Jugendlichen keine Corona-Impfung.

Bild: Marijan Murat, dpa (Symbolbild)

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Kindern und Jugendlichen keine Corona-Impfung.

Bild: Marijan Murat, dpa (Symbolbild)

Stiko-Chef Mertens wehrt sich gegen Druck aus der Politik: Die Impfung ist keine Voraussetzung für offene Schulen.
08.07.2021 | Stand: 19:28 Uhr

Sollten Schüler gegen Corona geimpft sein, um nach den Sommerferien wieder sicher in die Klassenzimmer zurückkehren zu können? Der Streit über diese Frage spitzt sich zu. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will Impfungen für Jüngere weiter nur in Ausnahmefällen empfehlen. Ihr Vorsitzender Thomas Mertens sagte am Donnerstag in einer digitalen Expertenrunde: „Es gibt keinen wirklichen Grund, die Empfehlung zu ändern.“

Forderungen etwa von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Chefin Saskia Esken, die Empfehlung zu überprüfen, wies der ehemalige Ärztliche Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Ulm energisch zurück. Die Impfkommission beobachte ständig die Lage und den Erkenntnisstand und überprüfe ihre Empfehlungen. Die derzeitige Datenlage lasse weder den Schluss zu, dass eine Impfung für die eigene Gesundheit der Kinder notwendig, noch dass sie aus epidemiologischen Gründen ohne Alternative sei.

Impfkommission empfiehlt weiterhin keine Impfung für Kinder

In vielen Familien ist die Sorge groß, dass bei Schulbeginn im Herbst eine Rückkehr zu Wechselunterricht und Homeschooling droht. Laut einer Studie im Auftrag der Telekom-Stiftung haben die monatelangen Corona-Einschränkungen nach Ansicht der meisten Eltern und Schüler Lernrückstände hinterlassen. Demnach nehmen 79 Prozent der Schüler und 81 Prozent der Eltern Defizite wahr. Gleichzeitig trübt die fortschreitende Ausbreitung des Corona-Virus die Aussichten auf einen normalen Schulbetrieb im Herbst. Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist die Mutante inzwischen für die Mehrzahl (59 Prozent) der Corona-Neuinfektionen verantwortlich.

57 Prozent der Deutschen haben inzwischen zumindest eine erste Impfung bekommen, doch das Impftempo hat sich zuletzt verlangsamt. Mit Blick auf die Delta-Variante hatten sich daher mehrere Politiker und Experten für die Impfung von Jüngeren ausgesprochen. Doch die Impfkommission will sich nicht unter Druck setzen lassen. Die Argumentation, das Impfen von Kindern sei Voraussetzung für offene Schulen, nannte Mertens„nicht korrekt“. Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren können sich aber unabhängig davon impfen lassen, teils ist elterliche Zustimmung nötig. Zugelassen ist für die Impfung bislang allerdings nur der Biontech-Impfstoff. Für Kinder unter zwölf Jahren ist noch gar kein Impfstoff in Deutschland zugelassen.

Kinder stecken sich meist zuhause mit Corona an

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Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann mahnte: „Es gibt eine Schulpflicht für den Staat. Das heißt, dass die zuständigen Landesregierungen gemeinsam mit den Schulträgern einen regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien sicherstellen müssen.“ Unserer Redaktion sagte der Würzburger Professor für Infektiologie: „Wir brauchen endlich Luftfilter und CO2-Ampeln in den Klassenräumen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum wir erneut auf ein Scheitern zusteuern.“ Allerdings gelte auch: „Vor einer Infektion schützt die Impfung.“

Bei Kindern sei die Gefahr eines schweren oder tödlichen Covid-Verlaufs zwar nicht allzu groß, dennoch dürften die möglichen Spätfolgen einer Infektion nicht unterschätzt werden. Dazu zählten etwa Konzentrationsschwierigkeiten oder chronische Müdigkeit. Die Debatte um die Position der Impfkommission sieht Ullmann zwiespältig: „Eine politische Einmischung verbietet sich“, sagte er. Als Mediziner dagegen würde er „eine Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren aussprechen“.