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Letzte Parlamentsrede vor der Wahl? Merkel teilt im Bundestag kräftig aus

Die Kanzlerin im Wahlkampfmodus: In ihrer wohl letzten Rede im Deutschen Bundestag wurde Angela Merkel ungewöhnlich deutlich.

Die Kanzlerin im Wahlkampfmodus: In ihrer wohl letzten Rede im Deutschen Bundestag wurde Angela Merkel ungewöhnlich deutlich.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Die Kanzlerin im Wahlkampfmodus: In ihrer wohl letzten Rede im Deutschen Bundestag wurde Angela Merkel ungewöhnlich deutlich.

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Die Kanzlerin schaltet in ihrer wohl letzten Parlamentsrede in den Wahlkampfmodus. Scharfe Kritik übt sie am "Versuchskaninchen" von Olaf Scholz. Der kontert spontan.
07.09.2021 | Stand: 11:48 Uhr

Als Kanzlerin Angela Merkel zu ihrer wohl letzten Rede im Bundestag antrat, machte sie zunächst noch einen kleinen Rückzieher: Die CDU-Politikerin hatte ihren Mund-Nasen-Schutz auf ihrem Platz liegen lassen und holte das schwarze Teil noch schnell nach, denn auch im Parlament gelten die Corona-Regeln. Danach aber ging Merkel frontal nach vorne. Wahlkampf pur lieferte die Regierungschefin zur Überraschung der Beobachter. Und dazu gehörte, dass sie SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz massiv angriff.

Merkel reagierte mit scharfer Kritik auf die Äußerung von Scholz, die bereits Geimpften seien „Versuchskaninchen“ gewesen. „Natürlich ist niemand von uns in irgendeiner Form ein Versuchskaninchen. Weder Olaf Scholz noch ich“, sagte die CDU-Politikerin, die immer wieder von lauten Zwischenrufen unterbrochen wurde. Wenn man die Menschen vom Impfen überzeugen wolle, dann habe das mit Argumenten zu geschehen und nicht „mit schiefen Bildern vom Versuchskaninchen“, maßregelte die Regierungschefin ihren Vizekanzler.

Ungewöhnlich deutlich: Angela Merkel schaltet in ihrer letzten Rede in den Wahlkampfmodus

Mit Blick auf die Bundestagswahl am 26. September wurde Merkel ungewöhnlich deutlich und warb offensiv für den Unions-Spitzenkandidaten Armin Laschet (CDU), der später noch als Redner erwartet wurde. Die Wahl sei eine Richtungsentscheidung für Deutschland, sagte sie und ergänzte: „Und es ist nicht egal, wer dieses Land reagiert.“ Entweder gebe es eine Regierung mit SPD und Grünen, die eine Unterstützung durch die Linkspartei zumindest nicht ausschließe. Oder es gebe eine CDU/CSU-geführte Regierung mit Armin Laschet, die das Land „mit Maß und Mitte in die Zukunft“ führe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Plenum im Deutschen Bundestag.
Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Plenum im Deutschen Bundestag.
Bild: Michael Kappeler, dpa

Den folgenden Tumult im Plenum – viele Abgeordnete waren der Meinung, Merkel missbrauche das Parlament für Wahlkampfzwecke – kommentierte Merkel demonstrativ gelassen mit den Worten: „Mein Gott, was für eine Aufregung.“ Sie sei seit 30 Jahren Bundestagsmitglied und wisse wirklich nicht, wo eine solche Debatte über die Zukunft des Landes sonst geführt werden sollte. „Das ist die Herzkammer der Demokratie“, sagte Merkel und bekam dafür aus den Reihen von CDU und CSU stehenden Applaus spendiert.

Olaf Scholz reagiert auf Kritik von Angela Merkel: Menschen vom Impfen überzeugen

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Scholz ließ die Kritik der Kanzlerin wenige Minuten später nicht unerwidert. Man müsse weiter dafür werben, dass sich die Menschen impfen lassen, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Eine Impfpflicht dürfe es nicht geben, man müsse die Menschen stattdessen überzeugen.

Das dürfe auch locker und gelassen, auch „mit Witzen“ geschehen, über die auf Veranstaltungen viel gelacht werde. Wenn einige, sagte Scholz mit Blick auf die Union, darüber nicht lachen könnten, „dann hat das vielleicht damit zu tun, dass sie mit Blick auf ihre Umfragewerte wenig zu lachen haben.“

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