ARD-Interview "Farbe bekennen"

Merkel bittet Bürger um Geduld - wann kommen Lockerungen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) spricht in der ARD-Sendung «Farbe bekennen» mit Tina Hassel (M), Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, und Rainald Becker (l), Chefredakteur der ARD.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) spricht in der ARD-Sendung «Farbe bekennen» mit Tina Hassel (M), Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, und Rainald Becker (l), Chefredakteur der ARD.

Bild: Jesco Denzel/Bundesregierung/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) spricht in der ARD-Sendung «Farbe bekennen» mit Tina Hassel (M), Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, und Rainald Becker (l), Chefredakteur der ARD.

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Trotz sinkender Corona-Infektionszahlen macht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Bürgern keine Hoffnung auf eine schnelle Lockerung der Beschränkungen.
dpa
02.02.2021 | Stand: 20:19 Uhr

Sie bitte alle Menschen, "noch eine Weile durchzuhalten", sagte Merkel am Dienstag in der ARD-Sendung "Farbe bekennen" (Dienstag, 20.15 Uhr, ARD). Zwar gebe es jetzt bundesweit eine Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. (Die Inzidenzzahlen im Allgäu finden Sie hier) "Das ist eine gute Leistung, da waren wir lange nicht. Aber damit haben wir noch nicht wieder die Kontrolle über das Virus durch die Gesundheitsämter."

Lockerungen? Noch nicht

Daran müsse weiter gearbeitet werden, betonte Merkel. Lockerungen werde es aber nicht erst geben, wenn alle Bürger geimpft seien. "Das ist nicht der Weg, den wir anstreben." Die Kanzlerin rief die Menschen dazu auf, mit der Einstellung an das Problem heranzugehen, man könne das Virus besiegen, indem man ihm nicht die Bedingungen gebe, um Menschen zu infizieren. Das bedeute, Abstand zu halten und wirklich vorsichtig zu sein. "Wenn wir das noch eine Weile durchhalten, dann wird es besser werden." Gegen die Corona-Maßnahmen demonstrierten am Montag in Memmingen bis zu 120 Menschen.

Am Mittwoch kommender Woche wollen Merkel und die Ministerpräsidenten darüber entscheiden, ob der zunächst bis 14. Februar befristete Lockdown in Deutschland erneut verlängert wird. Die Sendung sehen Sie hier in der ARD-Mediathek.

Merkel verteidigt Impfstrategie

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für Verständnis für den Ablauf der Corona-Impfungen in Deutschland geworben. "Wir können keinen starren Impfplan machen", sagte Merkel am Dienstag in der ARD-Sendung "Farbe bekennen". Die Hersteller hätten den Regierungschefs von Bund und Ländern bei dem Spitzengespräch zum Thema am Vortag erläutert, dass die Impfstoffe unter Hochdruck produziert würden und exakte Voraussagen über die genauen Mengen nicht lange im Voraus getroffen werden könnten. "Wir müssen das modellieren, wir müssen das dynamisch anpassen."

Bis zum Ende des Sommers solle jede und jeder ein Impfangebot erhalten, bekräftigte Merkel. Jeder solle dann zumindest die erste der zwei nötigen Impfungen bekommen können. Bisher sei im Großen und Ganzen nichts schief gelaufen bei der Impfkampagne.

Wann kommt ausreichend Impfstoff?

Wenn weitere Impfstoffe zugelassen würden, könne sich dieses Datum nach vorne verschieben. Es gebe aber auch Risiken: Wenn eine Virus-Mutation ein Impfstoff unwirksam machen würde, "würde die Sache anders ausschauen", so Merkel.

Merkel erläuterte, warum in den USA, Israel und Großbritannien die Impfstoffe schon bei größeren Anteilen der jeweiligen Bevölkerung angekommen seien. So habe es in Großbritannien für den Impfstoff von Astrazeneca eine Notzulassung gegeben. In Europa sei der Impfstoff mit der Gründlichkeit der normalen Zulassung geprüft worden. "Das war kein Fehler, wir sind auf das Vertrauen angewiesen." Amerika exportiere so gut wie keinen Impfstoff, sondern verwende das dort produzierte Serum nahezu komplett selbst. Deshalb seien die Europäer auf ihre eigene Produktion angewiesen.

Die Hersteller hätten auch zur Frage Stellung bezogen, ob es mehr Impfstoffe geben würde, wenn mehr bezahlt worden wäre. "Die Antwort war Nein", stellte Merkel fest. Die EU habe zudem nicht die gesamte Haftung übernehmen wollen für den Fall, das etwas passiere mit so einem Impfstoff.

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