Corona-Pandemie

Mögliche Corona-Welle im Herbst: Welche Maßnahmen werden diskutiert?

RKI-Chef Lothar Wieler fordert, gerade mit Blick auf den Herbst, einen gesetzlichen Rahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

RKI-Chef Lothar Wieler fordert, gerade mit Blick auf den Herbst, einen gesetzlichen Rahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Bild: Melissa Erichsen, dpa (Symbolbild)

RKI-Chef Lothar Wieler fordert, gerade mit Blick auf den Herbst, einen gesetzlichen Rahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Bild: Melissa Erichsen, dpa (Symbolbild)

Für den Herbst wird eine neue Corona-Welle befürchtet. Politiker und Experten diskutieren daher über mögliche Maßnahmen bei hohen Fallzahlen.
31.05.2022 | Stand: 12:22 Uhr

Der Sommer steht vor der Tür. Die ersten warmen Tage lockten bereits zahlreiche Menschen an Badeseen, in Eisdielen und in Freibäder. Auch in Festzelten wurden anlässlich des Vatertags erst vor Kurzem wieder gefeiert. Angesichts dessen könnte mach einer den Eindruck gewinnen, die Corona-Pandemie sei bereits vollständig überstanden. Dass dem nicht so ist, zeigen die aktuellen Infektionszahlen. Zwar sind diese deutlich geringer also noch vor zwei oder drei Monaten, dennoch blicken Politiker und Ärzte schon jetzt mit Sorge auf den Herbst - und nennen konkrete Forderungen.

Angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen dürfte es im Sommer bei wohl eher schwachen Corona-Maßnahmen bleiben. Vermutlich sogar mehr als das, denn es wird weiter gelockert. So reicht es zum Beispiel in bayerischen Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Arztpraxen seit Samstag aus, eine medizinische Schutzmaske anstelle einer FFP2-Maske zu tragen. Darüber hinaus dürfen Bürgerinnen und Bürger in Bayern seit Anfang April wieder ohne Maske einkaufen. Was passiert aber im Herbst? Die vergangenen beiden Jahre haben gezeigt, dass die Infektionszahlen in dieser Jahreszeit wieder nach oben schnellten.

Werden Corona-Maßnahmen im Herbst wieder verschärft?

Das macht dem Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler Sorgen. Es brauche einen wirksamen gesetzlichen Rahmen zur Bekämpfung des Virus. "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen natürlich stimmt", sagte Wieler am Samstag im Bayerischen Rundfunk in Hinblick auf das Infektionsschutzgesetz. Das Problem: Die derzeitige Fassung des Gesetzes läuft zum 23. September aus. Dieses ermöglicht derzeit nur wenige Basisschutzmaßnahmen. Weitergehende Einschränkungen können nur in sogenannten Hot Spots angeordnet werden.

Wieler sagte, wohl alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, "die sich wirklich ernsthaft und fundiert, also mit Fachwissen, mit dieser Pandemie befassen, gehen davon aus, dass im Herbst die Zahlen wieder steigen werden." Man werde wieder steigende Inzidenzen sehen. "Was wir aber nicht wissen, - und das ist die große Unbekannte - ist, welche Krankheit wird das Virus machen." Er empfehle nach wie vor, dass Masken in bestimmten Situationen getragen würden. "Ich gehe davon aus, dass im Laufe des Sommers man das auch einstellen kann. Aber das hängt wirklich von den Gegebenheiten ab." Er erwarte, dass diese Maßnahmen im Herbst teilweise reaktiviert werden müssten.

Montgomery: "Möglichkeit zu einem Lockdown verankern"

Dieser Auffassung ist auch der Grünen-Gesundheitsexperte und Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen. "Die Wirksamkeit medizinischer Masken im Infektionsschutz ist bereits hinreichend wissenschaftlich belegt. Wir sollten dieses Instrument für die laufende und zukünftige Pandemien nicht aus der Hand geben und deshalb eine Maskenpflicht im Infektionsschutzgesetz falls erforderlich weiter ermöglichen", sagte er der Rheinischen Post am Samstag.

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Montgomery: Lockdowns nicht kategorisch ausschließen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, forderte einen "Anti-Corona-Plan". Der NeuenOsnabrücker Zeitung sagte er, eine Anpassung des Infektionsschutzgesetzes sei nötig, "damit Eindämmungsmaßnahmen eingeführt werden können, wenn die Lage ernst wird, und zwar bundesweit einheitlich". Als letztes Mittel, müsse darin "auch die Möglichkeit zu einem Lockdown verankert werden".

Neue Corona-Welle im Herbst? Bayern fordert Möglichkeit zu Maskenpflicht, 3G oder 2G

Ob es nochmals zu einem Corona-Lockdown kommen könnte, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand verlässlich vorhersagen. Professor Dr. Clemens Wendtner, Corona-Experte, Immunologe und Chefarzt an der München Klinik Schwabing betonte im Gespräch mit unserer Redaktion jedenfalls: "Von den aktuell sinkenden Zahlen darf man sich nicht täuschen lassen." Regelmäßig komme momentan eine Expertenrunde zusammen, der auch Wendtner und Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) angehört. Das Ziel: Einen Weg finden, wie es in Sachen Pandemie sinnvoll weitergehen kann. „Konsens ist, dass die Impfzentren nicht geschlossen werden dürfen, dass die Impfkampagne weitergeführt wird und dass man auf vulnerable Gruppen zugeht und ihnen zu einer Auffrischungsimpfung rät“, sagt Wendtner.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) fordert indes: „Die Bundesregierung muss das Infektionsschutzgesetzändern – denn Bayern und die anderen Länder brauchen geeignete Instrumente, mit denen wir notwendige Maßnahmen schnell, effektiv und vor allem auch rechtssicher treffen können.“ Dazu gehöre insbesondere die Möglichkeit zur Anordnung einer Maskenpflicht in Innenräumen und von 3G- oder 2G-Regelungen, sagte Holetschek gegenüber unserer Redaktion.

FDP-Politiker Hagen: "Leben im Herbst nicht präventiv einschränken"

Gegenstimmen kommen vor allem aus dem Lager der FDP. Da die Pandemie nun in eine neue Phase gekommen sei, dürfe man nicht nicht blind mit alten Werkzeugen reagieren, sagte Andrew Ullmann, der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Dieser Meinung ist auch Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP im bayerischen Landtag: „Die Virologen sagen, dass es unwahrscheinlich ist, dass es eine gefährlichere Variante geben wird“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Sollte das dennoch, entgegen der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Fall sein, muss die Politik natürlich reagieren. Aber von einem Worst-Case-Szenario auszugehen und das gesellschaftliche Leben im Herbst präventiv einzuschränken, finde ich falsch."