Corona-Pandemie

RKI-Chef Wieler erlebt massive Anfeindungen

RKI-Präsident Lothar Wieler nutzt keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr - weil er sich nicht mehr sicher fühlt.

RKI-Präsident Lothar Wieler nutzt keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr - weil er sich nicht mehr sicher fühlt.

Bild: Michael Kappeler, dpa

RKI-Präsident Lothar Wieler nutzt keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr - weil er sich nicht mehr sicher fühlt.

Bild: Michael Kappeler, dpa

In der Corona-Krise wurde RKI-Chef Lothar Wieler der breiten Masse bekannt - und für viele wurde er zum Hassobjekt. Sogar das LKA musste sich einschalten.
12.08.2021 | Stand: 15:18 Uhr

Wenn er in den vergangenen eineinhalb Jahren vor die Mikrofone trat, hatte er meist schlechte Nachrichten dabei. Er berichtete von steigenden Corona-Zahlen, von der Notwendigkeit noch stärkerer Einschränkungen, von enttäuschenden Impfquoten. Trotzdem tat Lothar Wieler das, was er tun musste, stets ohne schrill zu wirken. Der Chef des Robert-Koch-Instituts präsentierte Zahlen, argumentierte mit Fakten, unaufgeregt, aber ernsthaft. Für viele wurde er damit zum wichtigsten Beobachter dieser Krise– für andere hingegen zu einem regelrechten Feindbild.

RKI-Chef Lothar Wieler wird massiv angefeindet - und spricht erstmals darüber

Wie massiv die Anfeindungen inzwischen sein Leben beeinträchtigen, berichtete Wieler in dieser Woche im Podcast The Pioneer: „Gerade letzte Woche gab es ja doch sehr fulminante Angriffe, da fühlte ich mich zum ersten Mal nicht mehr so sicher in meiner Haut. Was das macht, das freut mich nicht“, sagte er mit der gewohnten Zurückhaltung.

Und erklärte zugleich, wie stark er sein eigenes Verhalten anpassen musste. „Ich habe meinen täglichen Umgang ein bisschen geändert - ich fahre zum Beispiel kaum noch öffentliche Verkehrsmittel, also das Landeskriminalamt warnt mich, dass ich vorsichtig sein soll", sagte der Wissenschaftler. „Das ist schon bedauerlich, wenn man das Ziel hat, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung als höchstes Ziel zu sehen und dann solchen Angriffen ausgesetzt ist.

Gewaltbereite Gruppe unter den Querdenkern von Verfassungsschutz beobachtet

Der Mann aus Königswinter in Nordrhein-Westfalen, der in München und Berlin studiert und unter anderem an der Universität Ulm und in den USA geforscht hat, ist eigentlich Fachtierarzt für Mikrobiologie – was nur auf den ersten Blick komisch wirkt. Denn tatsächlich gelten Krankheiten wie Covid als Zoonosen, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Anders als die Corona-Experten wie Christian Drosten oder Hendrik Streeck ist Wieler kein Mann, der die Öffentlichkeit sucht. In Talkshows ist er kaum zu finden, Interviews gibt er nur selten. Der Spiegel bescheinigte Wieler einmal „den Charme eines Schuldenberaters der örtlichen Kreissparkasse“.

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Unter den Kritikern der Corona-Politik gibt es seit einiger Zeit gewaltbereite Gruppen. Zuletzt war es bei Demonstrationen von sogenannten Querdenkern in Berlin zu Ausschreitungen gekommen. Das Bundesinnenministerium hatte im April mitgeteilt, dass der Verfassungsschutz einzelne Akteure und Teile der Corona-Protestbewegung inzwischen bundesweit mit nachrichtendienstlichen Mitteln beobachtet. Grund dafür sei die von ihnen betriebene „verfassungsschutz-relevante Delegitimierung des Staates“. Die Stuttgarter Gruppe „Querdenken 711“ gilt als eine Art Keimzelle der mittlerweile bundesweit aktiven Protestbewegung.

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