Bundestagswahl 2021

Söder für Laschet - ist ein Kandidatentausch noch möglich?

CDU-Chef Armin Laschet will Kanzler werden, verliert aber immer mehr an Rückhalt - auch bei den eigenen Anhängern.

CDU-Chef Armin Laschet will Kanzler werden, verliert aber immer mehr an Rückhalt - auch bei den eigenen Anhängern.

Bild: Michael Kappeler, dpa

CDU-Chef Armin Laschet will Kanzler werden, verliert aber immer mehr an Rückhalt - auch bei den eigenen Anhängern.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Fast 70 Prozent der Unionwählerinnen und -wähler sprechen sich für einen Personaltausch aus. Warum Politikexpertin Ursula Münch trotzdem nicht daran glaubt.
25.08.2021 | Stand: 08:31 Uhr

Armin Laschet verliert auch im eigenen Lager immer mehr an Rückhalt. Fast 70 Prozent der Anhängerinnen und Anhänger der Union sprechen sich dafür aus, den Kanzlerkandidaten durch CSU-Chef Markus Söder zu ersetzen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für unsere Redaktion. Auch in der Gesamtbevölkerung befürwortet eine Mehrheit von 52 Prozent einen Kandidatentausch.

Einen Monat vor der Bundestagswahl 2021 steckt die Union, die noch vor ein paar Wochen wie der sichere Sieger ausgesehen hatte, in einer tiefen Krise.

SPD liegt erstmals seit 15 Jahren vor der Union

Nicht nur Laschets persönliche Zustimmungswerte sind miserabel, auch seine Partei steht schlecht da. Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz liegt in einer am Dienstag veröffentlichten Forsa-Umfrage erstmals seit 15 Jahren vor der Union. Längst wird intern darüber diskutiert, ob man nicht doch Söder hätte ins Rennen schicken sollen – auch wenn dieser am Dienstag erneut abwinkte. Theoretisch wäre eine solche Rochade immer noch möglich, denn am 26. September wird ja nicht der Nachfolger von Angela Merkel gewählt, sondern der Deutsche Bundestag. Wer dort eine Mehrheit für sich gewinnen kann, wird Kanzler – oder Kanzlerin.

Ursula Münch: "CDU müsste Armin Laschet praktisch das Vertrauen entziehen"

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch hält einen Personalwechsel für unwahrscheinlich. „Laschet hat ein dickes Fell und er verweist gern darauf, dass er immer wieder unterschätzt wird. Wenn er also nicht bereit wäre zu verzichten, käme ein Austausch der Kandidaten einem Zerreißen der Union gleich“, sagt die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing unserer Redaktion. Dass der CDU-Chef unter dem Druck der bayerischen Schwesterpartei einknickt, glaubt Münch nicht. „Diese Entscheidung müsste aus der CDU initiiert werden und sie würde damit ihrem Parteivorsitzenden ja praktisch das Vertrauen entziehen“, erklärt die Expertin. Aus ihrer Sicht ist es deshalb „praktisch egal, ob sieben von zehn Wählern den Kandidaten gerne austauschen würden. Faktisch wird es nicht passieren, weil es die CDU, aber auch die ganze Union zerreißen würde“.

Zudem müsste die Union auf der Zielgeraden den Wählerinnen und Wählern erklären, warum der Kandidat, den sie nun seit Monaten als nächsten Bundeskanzler propagiert hat, plötzlich der Falsche sein soll. Abgesehen davon hat die Briefwahl schon begonnen. Zwar tauchen die Namen der Kanzlerkandidaten auf den Wahlzetteln nicht auf, aber natürlich spielt es bei der Wahlentscheidung für die meisten Menschen eine wichtige Rolle, wer an der Spitze steht.

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Die politische Karriere von Markus Söder

Selbst nach der Bundestagswahl könnte Markus Söder Armin Laschet noch ersetzen

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Kommentar

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Die Angst in der Union, nach 16 Jahren abgewählt zu werden, ist groß. Vor allem in der CSU rumort es. „Das Umfrageergebnis überrascht mich gar nicht. Söder war immer der, der die Herzen innerhalb der Partei angesprochen hat. Und es gibt viele, die ihn sich eigentlich immer noch als Kanzler wünschen“, sagt ein schwäbischer CSU-Politiker. Zwar hält er eine Kandidatenrochade für undenkbar, sagt aber zugleich: „Ich glaube, einige haben die Hoffnung, dass es nach der Wahl einen Tausch geben könnte, noch nicht aufgegeben.“

In Bayern hat es eine solche Situation tatsächlich schon einmal gegeben. 2008 zog die CSU mit Ministerpräsident Günther Beckstein in die Landtagswahl, holte zwar die meisten Stimmen, kassierte aber ein aus damaliger Sicht katastrophales Ergebnis. Beckstein erklärte daraufhin seinen Rückzug. Stattdessen wurde Horst Seehofer vom Bayerischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt.