Rechtsextremismus bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen

"Schande für die Polizei": Rechtsextreme Chat-Gruppen bei der Polizei in NRW aufgedeckt

Polizisten und Polizistinnen in NRW sollen in fünf Chat-Gruppen rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben.

Polizisten und Polizistinnen in NRW sollen in fünf Chat-Gruppen rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Polizisten und Polizistinnen in NRW sollen in fünf Chat-Gruppen rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben.

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Das berichtet NRWs Innenminister Herbert Reul. Betroffen seien 29 Polizisten und Polizistinnen.
Polizisten und Polizistinnen in NRW sollen in fünf Chat-Gruppen rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben.
dpa
16.09.2020 | Stand: 11:58 Uhr

Bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen werden mehrere Beamte verdächtigt, an mindestens fünf rechtsextremen Chat-Gruppen beteiligt gewesen zu sein. Das teilte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf mit. Seit dem Morgen fänden deswegen zahlreiche Razzien statt.

14 Beamte sollen aus dem Dienst entfernt werden

Bei fünf aufgedeckten rechtsextremen Chat-Gruppen in Nordrhein-Westfalen sollen 29 Polizistinnen und Polizisten beteiligt gewesen sein. Das sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Alle seien am Morgen suspendiert worden und gegen alle seien Disziplinarmaßnahmen eingeleitet worden. 14 Beamte sollen aus dem Dienst entfernt werden. Laut Reul gehören 25 Beamte zum Polizeipräsidium Essen. Der Minister sprach von "einer Schande für die Polizei".

In den fünf aufgedeckten rechtsextremen Chat-Gruppen wurden laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) 126 Bilddateien verteilt, darunter Fotos von Adolf Hitler, aber auch zum Beispiel die fiktive Darstellung eines Flüchtlings in einer Gaskammer. Eine der Chatgruppen sei wahrscheinlich bereits im Jahr 2013 gegründet worden, spätestens im Mai 2015.

Neben den 14 Durchsuchungen wurden den übrigen 15 beschuldigten Beamten laut Reul Disziplinarverfügungen zugestellt. Er kündigte eine Sonderinspektion für das vor allem betroffene Polizeipräsidium Essen an. Zudem werde er einen Sonderbeauftragten für rechtsextremistische Tendenzen in der nordrhein-westfälischen Polizei berufen. Er werde alles in seiner Macht Stehende dafür tun, "diese Menschen aus dem Dienst zu entfernen", sagte Reul. Laut Michael Frücht, Leiter des Landesamtes für Fortbildung der Polizei in NRW (LAFP), wurden alle 29 Beamten suspendiert.

Innenminister Reul vermutet weitere Fälle

Reul geht von weiteren Fällen aus. Man habe bisher erst ein Handy gehabt, über das man an die jetzt Beschuldigten herangekommen sei. Bei den Razzien am Morgen seien weitere Handys beschlagnahmt worden. Wahrscheinlich werde man durch deren Auswertung Hinweise auf weitere Chat-Teilnehmer finden. Das Ursprungs-Handy gehört nach Angaben der Ermittler einem 32-jährigen Beamten der Polizei Essen privat. Er wurde eigentlich verdächtigt, Dienstgeheimnisse an einen Journalisten weitergegeben zu haben. Bei der Auswertung seien dann die rechtsextremen Fotos gefunden worden.

Auch in Hessen gibt es den Verdacht auf ein rechtsextremes Netzwerk in der Polizei.