Whistleblower Snowden

Snowden an Trump: Geben Sie Assange Freiheit zurück

Edward Snowden könnte von Donald Trump begnadigt werden. Doch dieser würde lieber Julian Assange diese Ehre schenken.

Edward Snowden könnte von Donald Trump begnadigt werden. Doch dieser würde lieber Julian Assange diese Ehre schenken.

Bild: Jörg Carstensen, dpa (Archivbild)

Edward Snowden könnte von Donald Trump begnadigt werden. Doch dieser würde lieber Julian Assange diese Ehre schenken.

Bild: Jörg Carstensen, dpa (Archivbild)

Donald Trump hatte öffentlich über eine Begnadigung des Enthüllers Edward Snowden gesprochen. Jetzt meldet sich Snowden zu Wort - er empfiehlt jemand anderen.
dpa
04.12.2020 | Stand: 17:49 Uhr

Der US-Whistleblower Edward Snowden hat Präsident Donald Trump um die Begnadigung des Wikileaks-Gründers Julian Assange gebeten. "Herr Präsident, wenn Sie während Ihrer Amtszeit nur einen Gnadenakt gewähren: Bitte geben Sie Julian Assange die Freiheit zurück", twitterte am späten Donnerstagabend der frühere CIA-Mitarbeiter, der sich in Russland im Exil befindet. Trump allein könne das Leben des gebürtigen Australiers retten. Assange sitzt seit etwa eineinhalb Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis in London.

Vor einem britischen Gericht wird derzeit ein Antrag der US-Justiz auf Auslieferung Assanges verhandelt. Ihm wird vorgeworfen, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft. Diese Wikileaks-Enthüllungen hatten zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch US-Soldaten geführt.

Edward Snowden will Begnadigung von Julian Assange

Assange war 2012 aus Angst vor einer Auslieferung an die USA in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Diese Ermittlungen wurden inzwischen eingestellt. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, da er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen habe. Er wurde zu einem knappen Jahr Haft verurteilt.

Edward Snowden hatte 2013 Dokumente zu Ausspäh-Aktivitäten des US-Abhördienstes NSA und seines britischen Gegenparts GCHQ an Journalisten gegeben. Auf der Flucht über Hongkong wollte er nach eigenen Angaben nach Ecuador, strandete aber in Moskau am Flughafen, nachdem die US-Regierung seinen Reisepass annulliert hatte. Snowden bekam Asyl in Russland. Wikileaks hatte ihn 2013 bei der Flucht unterstützt.

Trump hatte im August angekündigt, er wolle eine Begnadigung Snowdens prüfen. Eine Menge Leute seien der Ansicht, dass mit Snowden nicht fair umgegangen worden sei, sagte er damals. Die Idee stieß aber auf Widerstand unter anderem im US-Justizministerium. Assange wiederum sollen Trump-Vertraute bereits im Jahr 2017 eine Begnadigung angeboten haben, wenn dieser Informationen liefere, die Trumps Gegenkandidatin bei der Präsidentenwahl 2016, Hillary Clinton, belasteten.

Dem Jubel folgt für Julian Assange die Ernüchterung: Der Wikileaks-Gründer muss vorerst im Gefängnis bleiben
Dem Jubel folgt für Julian Assange die Ernüchterung: Der Wikileaks-Gründer muss vorerst im Gefängnis bleiben
Bild: Dominic Lipinski, dpa (Archivbild)

Wikileaks halt Donald Trump gegen Clinton

Lesen Sie auch
Julian Assange sitzt immer noch in London im Gefängnis.

Assanges Partnerin bittet Trump um Begnadigung in letzter Minute

Wikileaks spielte auch eine Rolle im damaligen Präsidentschaftswahlkampf. Die Plattform veröffentlichte zu einem für Trump günstigen Zeitpunkt kurz vor der Wahl von Hackern gestohlene E-Mails der Demokratischen Partei, die Clinton schadeten. Der Geheimdienstausschuss des US-Senats kam in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass Trump und ranghohe Mitarbeiter seines Wahlkampfteams zumindest versucht hätten, über seinen Vertrauten Roger Stone Vorabinformationen über geplante Wikileaks-Veröffentlichungen zu bekommen.

US-Behörden vermuten Hacker mit Verbindung zum russischen Geheimdienst hinter dem Diebstahl der E-Mails der Demokraten. Wikileaks stellte sie ins Netz, kurz nachdem ein Mitschnitt von Trumps sexistischen Aussagen bei Aufnahmen für die Sendung "Access Hollywood" veröffentlicht wurde. Die E-Mails lenkten sofort davon ab. Dem Senatsberichte zufolge sagte ein Vertrauter von Stone, dieser habe ihn angewiesen, Wikileaks zur sofortigen Veröffentlichung der Demokraten-Mails zu bewegen.