Corona-Maßnahmen "völlig überzogen"

So begründet Ex-Fußballer Thomas Berthold seine Rede bei der "Querdenken"-Demo

Stuttgart: Thomas Berthold, ehemaliger Fußballspieler, spricht während einer Kundgebung der Initiative «Querdenken 711» im unteren Schlossgarten, die sich gegen die Corona-Maßnahmen richtet

Stuttgart: Thomas Berthold, ehemaliger Fußballspieler, spricht während einer Kundgebung der Initiative «Querdenken 711» im unteren Schlossgarten, die sich gegen die Corona-Maßnahmen richtet

Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Stuttgart: Thomas Berthold, ehemaliger Fußballspieler, spricht während einer Kundgebung der Initiative «Querdenken 711» im unteren Schlossgarten, die sich gegen die Corona-Maßnahmen richtet

Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Bei der "Querdenken"-Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart hält Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Berthold eine umstrittene Rede.

dpa
09.08.2020 | Stand: 13:19 Uhr

Der frühere Fußball-Weltmeister Thomas Berthold hat einen Auftritt als Redner bei einer Demonstration in Stuttgart mit seiner kritischen Haltung zu den Corona-Schutzmaßnahmen begründet. Die Maßnahmen seien "völlig überzogen", sagte der 55-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Es war eine Herzensangelegenheit, diese Plattform zu nutzen und Dinge zu sagen, die mir seit längerem durch den Kopf gehen. Ich wollte dort den Menschen Dinge, die ich wahrnehme und auf dem Herzen habe, mitteilen." Er wolle "selbstbestimmt und ohne Angst" leben.

In seiner Rede bei der Veranstaltung "Querdenken 711" erklärte Berthold unter anderem, dass sein Vertrauen in die politische Führung bei "unter Null" angekommen sei. Die Teilnehmer der Kundgebung forderten ein Ende der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, mit denen die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus reduziert werden soll. Die Veranstalter sprachen von 5.000 Teilnehmern, die Polizei zählte mehrere Hundert. Die "Querdenken"-Proteste stehen unter anderem wegen der Teilnahme von Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten in der Kritik.

Thomas Berthold bei Demo in Stuttgart: Häme und Zustimmung

In den sozialen Netzwerken erntete Berthold für seinen Auftritt Reaktionen von Häme bis Zuspruch: "Thomas Berthold stand ja früher schon selten richtig im Raum", schrieb ein Twitternutzer mit Anspielung auf dessen Fußballkarriere. Andere Nutzer attestierten ihm etwa Zivilcourage.

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Er wolle "definitiv" auch bei der "Querdenken"-Demonstration am 29. August in Berlin auftreten, sagte Berthold der dpa. "Die Initiative braucht eine mediale Plattform. Es geht darum, dass man Dinge hinterfragt und nicht alles staatstreu eins zu eins glaubt." Er sprach sich für die Gründung einer neuen Partei aus. Er habe aber selbst keine Intention, politisch aktiv zu werden. "Ich habe nur angeregt, dass wir Menschen brauchen, die dem Volk dienen. Wir brauchen Menschen, die Bildung haben und Expertise mitbringen."

Thomas Berthold: Unter Franz Beckenbauer 1990 Weltmeister mit Deutschland

Der 55 Jahre alte Berthold spielte in seiner Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern und den VfB Stuttgart. Der Verteidiger absolvierte 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit dem deutschen Nationalteam Weltmeister in Italien. Nach seiner Laufbahn war Berthold unter anderem als Manager von Fortuna Düsseldorf und für mehrere Fernsehsender sowie Zeitschriften als Experte tätig.

Sollte seine öffentliche Positionierung berufliche Konsequenzen für ihn haben, sei ihm dies egal, sagte Berthold: "Wenn es so sein sollte, wäre das schade, dann bin ich aber bereit, die Konsequenzen zu tragen", betonte er. "Wenn der ein oder andere Programmdirektor oder Redakteur sagt, das können wir nicht vertreten, akzeptiere ich das natürlich. Auch dann geht das Leben weiter."