Corona-Impfung

So will Spahn mehr Menschen vom Impfen überzeugen

"Wir brauchen einen nationalen Impf-Ruck, um es im Juli und August weiter zu halten», schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch bei Twitter.

"Wir brauchen einen nationalen Impf-Ruck, um es im Juli und August weiter zu halten», schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch bei Twitter.

Bild: Fabian Sommer, dpa (Symbolbild)

"Wir brauchen einen nationalen Impf-Ruck, um es im Juli und August weiter zu halten», schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch bei Twitter.

Bild: Fabian Sommer, dpa (Symbolbild)

Die Bundesregierung will einen möglichst hohen Gemeinschaftsschutz für alle erreichen. Dafür sollen Bürger stärker ermuntert werden, die bisher noch zögern.

##alternative##
dpa
07.07.2021 | Stand: 17:05 Uhr

Die Bundesregierung appelliert angesichts erster Anzeichen für einen nachlassenden Andrang bei den Corona-Impfungen an die Solidarität aller Bürger. "Auch wenn das Tempo noch hoch ist: Wir brauchen einen nationalen Impf-Ruck, um es im Juli und August weiter zu halten", schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch bei Twitter. "Das Impfen ist jetzt wirklich Teamaufgabe", betonte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Es gehe um "Team Deutschland", das zusammenstehe, um eine hohe Impfquote zu erreichen. Die als Schutz vor der ansteckenderen Delta-Virusvariante wichtigen vollständigen Impfungen steuern auf die Marke von 40 Prozent der Gesamtbevölkerung zu.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind inzwischen 33,2 Millionen Menschen oder 39,9 Prozent der Einwohner vollständig mit der meist nötigen zweiten Spritze geimpft. Mehr als 47,5 Millionen Menschen oder 57,1 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine erste Impfung bekommen. Unter den Bundesländern hat Bremen mit 65,9 Prozent weiterhin den höchsten Anteil Erstgeimpfter. Nur Sachsen hat die 50-Prozent-Marke noch nicht erreicht (48,8). Das Saarland hat mit 45 Prozent den höchsten Anteil an vollständig geimpften Einwohnern. Brandenburg steht hier mit 36,3 Prozent am Ende der Rangliste.

Regierung will Werbung forcieren

Die Bundesregierung will auch die Werbung fürs Impfen forcieren, um möglichst wenig Krankheitsfälle im Herbst und eine große Immunität in der Bevölkerung zu erreichen. Das Gesundheitsministerium will dafür die bestehende Impfkampagne "lauter stellen", wie ein Sprecher sagte. Unter anderem TV- und Radiospots sollten an jene gerichtet sein, die über eine zweite Impfung oder über eine Impfung generell nachdenken.

Spahn betonte in der ARD, entweder man werde geimpft oder man werde infiziert, auch mit dem Risiko einer Folgeerkrankung. "Das ist das, was wir sehen werden im Herbst und Winter, was wir im Vereinigten Königreich und anderen Ländern sehen. Da, wo nicht ausreichend geimpft ist in den Bevölkerungsgruppen, wird es sehr, sehr viele Infektionen geben." Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte im Bayerischen Rundfunk: "Je mehr Menschen sich jetzt für eine Impfung entscheiden, je mehr Menschen vollständig geimpft sind, desto besser werden wir durch den Herbst kommen." Deshalb müsse es niedrigschwellige Angebote geben.

Beschränkungen für Geimpfte aufheben?

Spahn äußerte sich zurückhaltend zu Forderungen nach einem Wegfall aller Corona-Einschränkungen. Dafür hatte sich Außenminister Heiko Maas (SPD) ausgesprochen, sobald alle in Deutschland ein Impfangebot bekommen hätten - und damit sei im Laufe des August zu rechnen. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht verwirren", sagte Spahn im Deutschlandfunk. Im August könnten noch nicht alle, die wollen, eine Zweitimpfung bekommen haben. Es gelte nun am Ziel zu arbeiten, dass möglichst viele sich für die Impfung entscheiden, um sich und andere zu schützen. "Jetzt Zeitpunkte zu nennen, halte ich für schwierig."

Lesen Sie auch
##alternative##
Sorgen wegen Delta-Variante

Corona-Impfungen: Rufe nach unkomplizierten Angeboten und extra Anreizen werden lauter

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach sich dafür aus, grundlegende Schutzvorgaben vorerst beizubehalten. "Auch eine Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Weitergabe des Virus", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Einige Vorsichtsmaßnahmen bleiben daher vorerst auch für geimpfte Personen sinnvoll, wie zum Beispiel das Tragen einer Maske in Innenräumen."

Inzidenz liegt aktuell bei 5.1

Einen generellen Trend zu wieder steigenden Corona-Inzidenzen sieht das Bundesgesundheitsministerium vorerst nicht. Die Entwicklung stagniere auf niedrigem Niveau, sagte ein Sprecher in Berlin. Für Trendbewertung sei der Beobachtungszeitraum zu klein. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen liegt laut RKI nun bundesweit bei 5,1 - nach 4,9 am Vortag und 5,2 vor einer Woche.

Lesen Sie auch: Neuinfektionen steigen: Geht die UEFA zu sorglos mit Corona um?