Corona-Pandemie in Deutschland

Steigende Todeszahlen: Droht uns ein Lockdown bis Ostern?

Leere Innenstädte während des Lockdown - bleibt dieses Bild bis Ostern?

Leere Innenstädte während des Lockdown - bleibt dieses Bild bis Ostern?

Bild: Sven Hoppe, dpa

Leere Innenstädte während des Lockdown - bleibt dieses Bild bis Ostern?

Bild: Sven Hoppe, dpa

Bis zum 10. Januar geht Deutschland in den Lockdown. Experten bezweifeln jedoch, dass der kurze Stillstand ausreicht, um die Corona-Pandemie einzudämmen.
Leere Innenstädte während des Lockdown - bleibt dieses Bild bis Ostern?
Von Sarah Schierack und Daniela Hungbauer
16.12.2020 | Stand: 20:32 Uhr

Im Nachhinein klingen die Worte von Lothar Wieler fast noch bitterer. Es würden tödliche Corona-Weihnachten werden, warnte der Chef des Robert-Koch-Instituts noch am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Am folgenden Morgen meldete sein Institut bereits einen traurigen Rekord: 952 Menschen sind binnen 24 Stunden an oder mit dem Coronavirus gestorben. Rein rechnerisch gibt es damit alle eineinhalb Minuten einen Corona-Todesfall in Deutschland.

Ein zweiter harter Lockdown soll Infektionszahlen und Sterbefälle nun nach unten drücken. Doch wie lange dauert es, bis dieser Zeitpunkt erreicht ist? Geht es nach dem Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, dann reicht eine Lockdown-Phase bis zum 10. Januar nicht aus. Der Mediziner rechnet mit Einschränkungen bis Ostern. Modellrechnungen würden zeigen, dass der harte Lockdown die Zahl der Neuinfektionen frühestens ab Ende Januar bundesweit unter den Wert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen drücken werde, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. 50 Ansteckungen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner gilt als Richtwert, ab dem die Gesundheitsämter wieder in der Lage sind, Ansteckungen und Kontakte nachzuverfolgen und entsprechende Infektionsschutzmaßnahmen anzuordnen. (Aktuelle Entwicklungen zur Corona-Lage im Allgäu und in Deutschland gibt es in unserem Newsblog.)

Zwischen Lockerungen und Lockdown: Prägt das Coronavirus auch 2021 das Leben?

Montgomerys Mediziner-Kollege Clemens Wendtner geht sogar noch weiter. Der Chefarzt der München Klinik behandelte den ersten deutschen Corona-Patienten, der sich bei einer chinesischen Kollegin mit dem Virus angesteckt hatte. „Das wird nicht der letzte Lockdown sein“, betont der Arzt im Interview mit unserer Redaktion. Er prognostiziert „einen Zyklus aus Lockerungen und harten Lockdowns auch 2021“ und vergleicht die Corona-Pandemie mit einem Langstreckenlauf. Auch er ist überzeugt davon, dass der durchschnittliche Inzidenzwert wieder zweistellig werden müsse, bevor im Land über Lockerungen nachgedacht werden könne.

Hinter verschlossenen Türen schwört Bundeskanzlerin Angela Merkel die Mitglieder der Unionsfraktion ebenfalls auf einen strengen Winter ein. Januar und Februar würden nochmals harte pandemische Monate werden. „Da dürfen wir uns keine Illusionen machen“, wird sie von Teilnehmern zitiert.

Das Ziel in der Corona-Pandemie: Zurück zu einer Inzidenzzahl von unter 50

Die Impfungen, die in Deutschland zwischen den Jahren beginnen sollen, werden nach Einschätzung des Mediziners Wendtner nicht sofort die erhoffte Erholung bringen. „Eine Herdenimmunität werden wir erst Ende 2021, vielleicht sogar erst 2022 erreichen“, prognostiziert der Experte. Weltärztepräsident Montgomery dämpft ebenfalls die Hoffnungen: „Auch wenn die Impfungen jetzt früher beginnen als erwartet, wird der Effekt nur allmählich zu einer Verbesserung der Lage beitragen.“